Das aktuelle Wetter NRW 5°C
TV-Reportage

Assauer denkt trotz Alzheimer-Erkrankung nicht an Selbstmord

08.02.2012 | 07:02 Uhr
Ein Jahr lang hat das ZDF Rudi Assauer in seinem Alltag begleitet. Das Ergebnis ist eine sehenswerte Reportage geworden, die die Auswirkungen der Alzheimer-Erkankung zeigt, ohne den Erkrankten vorzuführen.Foto: Martin Möller/WAZ FotoPool

Essen.  Der knallharte Geschäftsmann, Macho vor dem Herrn und Partylöwe ist schwach geworden, verletzlich und unsicher. Rudi Assauer hat Alzheimer. Nun strahlte das ZDF die "37 Grad"-Reportage einer Filmemacherin aus, die den Ex-Schalke-Manager ein Jahr lang begleitet hat. Zu sehen ist ein von der Krankheit Gezeichneter. Aber auch ein Mann, der schon immer ein Kämpfer war und jetzt nicht aufgeben will.

Welches Jahr wir haben, welchen Monat und welchen Tag, das kann Rudi Assauer in diesem Moment partout nicht sagen. Da kann er sich noch so sehr das Hirn zermartern, es will ihm einfach nicht einfallen. Jetzt soll er beim Gedächtnistraining die Uhr auf ein weißes Blatt Papier zeichnen. Der Kreis ist schon aufgemalt. Wie ein Schuljunge, der in der Klausur eine komplizierte Matheaufgabe zu lösen hat, lässt Assauer den Kopf hängen. Dann schreibt er unsicher ein paar Zahlen in den Kreis. 0 in die untere Hälfte, dorthin, wo die 6 stehen müsste. 17, 18, 19 und 20 im Halbkreis nach oben.

Es ist die erschütterndste Szene in der Dokumentation "Rudi Assauer - Ich will mich nicht vergessen" von Filmemacherin Stephanie Schmidt, die das ZDF in der Reportagereihe „37 Grad“ am späten Dienstagabend ausstrahlte. Sie zeigt, wie es wirklich um den an Alzheimer erkrankten Ex-Fußball-Manager bestellt ist. Der knallharte Geschäftsmann, der frühere Partylöwe und Macho vor dem Herrn ist schwach geworden, verletzlich und unsicher.

Nur Assauers engste Vertraute wussten von der Krankheit

Zu einer Zeit, als nur Assauers engste Vertraute von seiner Krankheit wussten, hat Schmidt die Schalke-Legende ein Jahr lang begleitet . Sie ist Assauer dabei sehr nahe gekommen. 

„Ich vergesse manchmal Dinge, die sind unglaublich. Da kann ich mir nur noch an den Kopf fassen und sagen, okay, Assauer, so doof kannst du doch gar nicht sein, dass du so Fehler machst.“

Da sind Lücken, wo Namen sein sollten, Leerstellen, wo Erinnerungen hingehören. Sie werden noch größer, diese Leerstellen und Lücken. Assauer verliert jeden Tag ein Stück von sich selbst. Die Reportage zeigt, wie er von einer wichtigen Spielerverpflichtung erzählen will, die er seinerzeit als Schalke-Manager eingefädelt hat. Das passende Foto zur Geschichte steht vor ihm im Regal. Aber wie, zum Teufel,  hieß der Spieler noch gleich? Später im Film ist es der Name der Tochter, an den sich der Kranke nicht erinnern kann. Betty. Mit äußerster Kraft ringt sich Assauer die zwei Silben ab. Irgendwann wird ihm auch das nicht mehr gelingen.

Assauers Verfassung ist tagesabhängig

Assauers Gedächtnisleistung, so zeigt es die aufwühlende Reportage, ist tagesabhängig . Es gibt Szenen, da wirkt er beinahe wie früher. Wenn er Tischfußball spielt mit seiner Tochter und ihren Torwart zurück in die Grenzen des 16-Meter-Raums weist. Seine Stimme bekommt richtig Klang, als er alte Zeitungsartikel vorliest. Die Reportage enthält aber auch Momente, in denen der 67-Jährige nur verloren wirkt. Fans kommen vor dem Stadion auf ihn zu, sie wollen Fotos machen. Assauer ist unsicher, ob er sie kennen müsste. Szenenwechsel. Auf dem roten Teppich bei einer Gala hält sich der Ex-Manager mit inhaltslosen Grußfloskeln über Wasser, damit niemand merkt, was mit ihm los ist. „Der ist bestimmt wieder mal besoffen“, dachten vermutlich die, die nicht Bescheid wussten, glaubt Ehefrau Britta. Die Augen ihres Mannes suchen nach Halt.

Auf Szenen, die Assauer vorführen könnten, hat Filmemacherin Schmidt verzichtet. Ursprünglich hatte sie mit der Schalke-Größe eine Reportage über Gelsenkirchen drehen wollen. Bei den ersten Treffen fiel ihr auf, dass etwas nicht stimmte. Nach reiflicher Überlegung willigte Assauer ein, seine Demenz zum Thema des Films zu machen. Das, so erzählt es seine Sekretärin, gab ihm die Möglichkeit, wenn nicht die Kontrolle über seine Krankheit, doch zumindest die über ihr Publikwerden zu behalten. Wegen des riesigen Medienechos auf sein Bekenntnis entschied sich das ZDF, die Ausstrahlung auf den gestrigen Dienstag vorzuziehen. 

"37 Grad" bietet 35 intensive Filmminuten

Zu sehen sind 35 intensive Filmminuten, in denen es gelingt, zu zeigen, was die Diagnose Demenz bedeutet, ohne den Erkrankten bloßzustellen. Die Krankheit nimmt Eigenständigkeit und Orientierung. Sie nimmt immer mehr. Sie stellt Freundschaften auf die Probe und ist eine Zerreißprobe für die Familie. Die frische Liebe zur 21 Jahre jüngeren Ehefrau Britta, die Assauer heiratet, als die Krankheit schon ihre Schatten vorauswirft, geht in die Brüche. „Es hat nicht funktioniert. Es hatte keinen Zweck mehr“, sagt der einst so selbstsichere Mann, als er schon ins Haus seiner Tochter gezogen ist.   

Keinen Zweck, damit meint Assauer aber nur die Ehe. Unter vieles will der 67-Jährige noch keinen Schlussstrich ziehen. „Selbstmord, ist das ein Gedanke, den Sie auch schon hatten?“ fragt Filmautorin Schmidt am Ende der Reportage. Nein, sagt der unheilbar Kranke. In dieser Bestimmtheit dürften seine Worte vielen der 1,3 Millionen unter Demenz leidenden Menschen in Deutschland und ihren Familien Halt geben. „Die paar Jahre, die wir noch haben, die wollen wir doch auch noch haben.“

Die Karriere von Rudi Assauer

 

Meike Baars



Kommentare
08.02.2012
15:32
Heuchelei
von dummmberger | #16

Es ist eine elende Heuchelei.
Gestern sind alle über Assauers Ex hergefallen, weil sie sich geäußert hat, und heute folgt so ein Artikel.

08.02.2012
13:40
Assauer denkt trotz Alzheimer-Erkrankung nicht an Selbstmord
von juistbau | #15

Warum tut er,bzw..warum tun sie es ihm an.

08.02.2012
13:29
Assauer denkt trotz Alzheimer-Erkrankung nicht an Selbstmord
von LilaLatzhose | #14

@7 mit Kirche hab ich rein gar nichts zu tun.
Aber beruflich mit an Demenz und Alzheimer Erkrankten. Von daher weiß ich, wie man diesen Personen -oftmals aus Unwissenheit und Unsicherheit, aber auch aus Dummheit- begegnet. Und wenn diese Reportage zu mehr Bewußtsein in der Gesellschaft führt-was ich angesichts der Kommentare leider bezweifle- dann wäre das gut.

08.02.2012
12:29
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #13

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.02.2012
12:15
Assauer denkt trotz Alzheimer-Erkrankung nicht an Selbstmord
von offpay | #12

Das Rudi Assauer an Alzheimer erkrankt ist, macht deutlich, das diese schreckliche Krankheit jeden treffen kann. Sein Promi-Status weckt das Interesse der Medien. Rudi Assauer schreibt auf seiner Homepage Jetzt ist es raus . Ich meine: Die Öffentlichkeit ist jetzt informiert, und damit sollte die Diskussion um die Person Assauer wie auch seiner Familie beendet sein. Noch versteht Rudi Assauer die Dinge, die um ihn herum geschehen. Sollte mediale Gier nach seiner Person in Verbindung mit Alzheimer wirklich das letzte sein, was er auf dieser Welt noch mitbekommt ? Anm. Ich bin selbst Betreuer eines Alzheimer Patienten, und weiß, das diese gerade im Anfangsstadium besonders viel Liebe und Zuwendung brauchen.

08.02.2012
11:09
Assauer denkt trotz Alzheimer-Erkrankung nicht an Selbstmord
von Pase_Lacki | #11

Da Herr Assauer ein Prominenter ist, ist es doch nur natürlich, dass dieses Schicksal, was zweifelsohne jede Menge Familien betrifft, für die Öffentlichkeit aufbereitet wird. Genauso, wenn es um die Garderobe von bekannten Persönlichkeiten auf irgendeinem roten Teppich geht. Es soll ja Leute geben, die finden es interessant, was Angelina Jolie in Berlin trägt, es interessiert sie aber weniger, was Omma Hilde vom Büdchen nebenan unter der Schürze an hat. Genauso findet man Todesmeldungen über bekannte Leute sicherlich auf der Startseite jeder Zeitung, der Tod von Walter Schlipkothen aus der Zechensiedlung in Herne ist da für viele nicht so interessant, auch wenn für die Angehörigen den Schlipkothens das Ableben genauso traurig ist, wie für Simone Rethel der Abgang vom Joopi.

Ich verstehe gar nicht, warum sich die Leute hier so aufregen. Tod, Krankenheit, Gewichtsverlust oder auch Durchfall von Promintenten ist eben für viele weitaus interessanter als von ihnen komplett unbekannten Personen. Deshalb hat so etwas schon immer seinen Platz in der Zeitung gefunden.

Was da Thema Assauer speziell in diesem Artikel angeht: Gunther Sachs hat letztes Jahr bei den ersten Anzeichen von Demenz Selbstmord begangen, deswegen hat ein Artikel über das Handeln und Denken von Rudi Assauer durchaus Berechtigung.

Und bisher habe ich noch nichts gelesen, wo Herr Assauer vorgeführt wird (liegt aber vielleicht auch an meiner Auswahl des geschriebenen Wortes), sondern in erster Linie Dinge erfahren, die betroffen machen, ganz egal, ob diese Krankheit auch Tausende andere Menschen haben. Nur dadurch wirkt es ja nicht weniger beängstigend.

08.02.2012
11:09
WAZ-Redaktion denkt trotz unverschämter Überschrift nicht an ethische Weiterbildung der Mitarbeiter
von stefanw2468 | #10

... oder doch...? Wär ja mal was.

Eine (fordernde?) Frage nach Selbsttötung zu stellen, empfinde ich als zutiefst beleidigend. Sie als Headline zu nutzen, ebenso.

08.02.2012
10:58
Pro und Contra
von Menetscha | #9

Die Kritiken an der mittlerweile immer reißerischen Aufmachung bei der WAZ teile ich durchaus mit den anderen Schreibern. Hier sollte sich die Redaktionsleitung (aber ich glaube gehört zu haben, die stammt von der Bildzeitung) mal wieder auf ein etwas höheres Niveau begeben.

Den gestrigen Film über Assauer und die daraus resultierenden Aktionen, einschließlich der anschließenden Diskussion bei Lanz, finde ich aber grundsätzlich ok.

Assauer hat von Anfang an, vermutlich aber nicht mehr am Ende der Aufnahmen (???), selbst das Ziel verfolgt, diese Krankheit mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, um sich und anderen Betroffenen einen besseren Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Demenzkranke sind nicht blöde oder verkappte Säufer im Endstadium - sie sind krank ohne i.d.R. etwas dazu beigetragen zu haben.

Wie wir durch die Sendungen gelernt haben, wird der Anteil der Demenzerkrankten kontinuierlich immer weiter ansteigen. Bei jedem von uns besteht das Risiko daran zu erkranken oder Erkrankte in der Familie zu haben/zu bekommen. Je älter die Bevölkerung wird, desto höher das Risiko.

Wir sollten die von Rudi Assauer und dem m.E. seriös aufgetretenen Filmteam des ZDF gebotene Chance nutzen, uns weiter über das Problem der Demenzkranken zu informieren und anders mit Ihnen umzugehen und vor allen Dingen sollten wir nicht vergessen - WIR KÖNNTEN SELBST DER NÄCHSTE SEIN.

08.02.2012
10:14
Assauer denkt trotz Alzheimer-Erkrankung nicht an Selbstmord
von lucriumgaudium | #8

Wow damit erreicht derwesten.de ein neues Level der absoluten Geschmacklosigkeit. Eine solche Berichterstattung weist nicht auf die Problematik der Erkrankung hin oder klärt den Leser darüber auf. Im Gegenteil. Es ist peinlich zu beobachten, welche "Headlines" derwesten.de erschaffen kann. "Kein Selbstmord?" Och, das klingt ja fast enttäuscht. Ohne Lokalteil könnte man fast denken man wäre bei der BILD gelandet - es fehlen nur noch mehr Bilder und blinkende Überschriften! Heureka!

08.02.2012
10:14
Meinung
von Erbeck1 | #7

#3 und #6 geben das schon richtig wieder - besonders der letzte Absatz von #3 ist in aller Deutlichkeit hervorzuheben !!!

Die "Kirchennummer" von #4 kann ich gar nicht verstehen . Natürlich sind dies gedankliche Dinge eines Menschen , wofür man nicht solch eine mediale Nummer benötigt , die ja mittlerweile aus vielen Peinlichkeiten besteht - die familiäre Seite ist ja durchaus diskutierbar . Gott sei Dank sagt Frau Thomalla dazu nichts und das spricht momentan für sie .

Aus dem Ressort
"HIMYM"-Star Jason Segel begeistert mit Albtraum-Buch
Kinderbuch
Ein Schauspieler, der ein Kinderbuch schreibt und dann auch noch über Albträume - kann das gut gehen? Ja, kann es, wie "How I Met Your Mother"-Star Jason Segel beweist. Sein Buch begeistert Jung und Alt.
"HIMYM"-Star Jason Segel begeistert mit Albtraum-Buch
Kinderbuch
Ein Schauspieler, der ein Kinderbuch schreibt und dann auch noch über Albträume - kann das gut gehen? Ja, kann es, wie "How I Met Your Mother"-Star Jason Segel beweist. Sein Buch begeistert Jung und Alt.
ZDF zeigt Schalkes Schicksalsspiel gegen Maribor
TV-Übertragung
Der Schalker wird glauben, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Das ZDF zeigt am 10. Dezember Schalkes Schicksalsspiel in Maribor im Free-TV. Die Mainzer haben in dieser Saison noch keine Begegnung mit Gelsenkirchener Beteiligung übertragen.
"Mein bester Feind" - Fiese Spiele mit Joko und Klaas
ProSieben-Show
Joko Winterscheidt und Klaas Heuer-Umlauf bekommen bei ProSieben eine weitere Samstagabendshow. Das Format "Mein bester Feind" läuft erstmals am 6. Dezember und stammt aus "Circus Halligalli". Die Kandidaten müssen fiese Spiele überstehen, damit ihr bester Freund ein Geschenk erhält.
Miesgelaunte Katze "Grumpy Cat" wird Fernsehstar
Internetphänomen
Sie ist nicht nur die am schlechtesten gelaunte, sondern auch die erfolgreichste Katze der Welt: "Grumpy Cat". Mit nach unten gezogenen Mundwinkeln wurde sie im Internet erfolgreich, doch längst ist aus der Katze ein gutes Geschäft geworden - jetzt sogar im TV.
Umfrage
Das Bundesverwaltungsgericht hat der Sonntagsarbeit engere Grenzen gesetzt. Wie finden Sie das?
 
Fotos und Videos
Die "WWM"-Gewinner
Bildgalerie
Wer wird Millionär
Das war "Wetten, dass..?"
Bildgalerie
TV-Show
1500 Folgen Lindenstraße
Bildgalerie
Fernsehen
So viel verdienen die TV-Stars
Bildgalerie
Stars