Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Festival

Die Russen bei den Ruhrfestspielen

18.01.2012 | 18:05 Uhr
Funktionen
Weltstar Cate Blanchett ist bei den Ruhrfestspielen als Lotte in „Groß und Klein“ von Botho Strauß zu sehen. (Foto:Getty Images)

Recklinghausen.   Ruhrfestspiel-Chef Frank Hoffmann versucht internationale Stars an sein Festival zu binden. Nach Kevin Spacey und John Malkovich ist es in diesem Jahr Cate Blanchett. Sie spielt in einem Stück über Deutschland, obwohl der Schwerpunkt diesmal die russische Dramatik ist.

Die Ruhrfestspiele reisen ostwärts. Die 66. Spielzeit des Traditions-Festivals widmet sich – so zeigen es Poster und Programmbuch im Stil des Sowjet-Realismus – Puschkin, Gogol, Tschechow und ihren Nachfolgern. 26 von insgesamt 80 Produktionen folgen dem Motto „Im Osten was Neues“. Gespielt wird vom 1. Mai bis 16. Juni an zwölf verschiedenen Orten.

„Wir sind ein kreativer Ort“, betonte Festival-Chef Frank Hoffmann während der Vorstellung des Programms und verwies auf neun Uraufführungen. Der Luxemburger eröffnet wie in den Vorjahren den Reigen der Produktionen fürs Große Haus mit einer eigenen Inszenierung: Gogols „Revisor“ (3. bis 7. Mai) sieht er am Beginn der Moderne – und höchst gegenwärtig: „Jede Zeit hat ihren Filz.“

Video
Die Vorbereitungen für die Ruhrfestspiele 2009 laufen auf vollen Touren und die Bügeleisen in der Schneiderei mit Volldampf. Mit viel Liebe für das Detail geht es dort richtig rund.

Enorme Dichte erreicht

Sebastian Hartmann, dessen „Paris, Texas“ im Vorjahr zum Aufreger der Ruhrfestspiele avancierte, bringt ein Kondensat des 1500-Seiten-Romans „Krieg und Frieden“ auf die Bühne (10. bis 14. Mai). Viele Klassiker der russischen Vor-Moderne sind in kurzen Gastspielen von zwei oder drei Aufführungen zu erleben: Die Taktfolge des Festivals hat eine enorme Dichte erreicht.

Ruhrfestspiele 2012

Das gilt für Tschechows „Kirschgarten“ , inszeniert von Luk Perceval (16. bis 18. Mai). Patrice Chéreau, der für Bayreuth den wohl gültigsten „Ring“ inszenierte, ist sogar nur am 19. Mai im Großen Haus zu Gast mit Dostojewskis „Großinquisitor“. Man sehe, so Frank Hoffmann, „wie ein Regisseur spielt: Er ist ein wunderbarer Schauspieler.“

Langzeit-Erfolge aus Berlin

Zwei gefragte Langzeit-Erfolge des inzwischen verstorbenen Regisseurs Jürgen Gosch bringt das Berliner Ensemble: „Onkel Wanja“ (21./22. Mai) und „Die Möwe“ (9./10. Juni). Tschechow mag selbstverständlich zum Repertoire zählen – aber Puschkin? Seinen „Onegin“ zeigt das St. Petersburger Tanztheater von Boris Eifman (4. bis 7. Juni) als erste Ballett-Aufführung der Ruhrfestspiele seit Jahren. Mit musikalischem Feinsinn inszeniert auch Simon McBurney: Mit „Der Meister und Margarita“ (13. bis 16. Juni) von Michail Bulgakow erzählt er von „Faust“ à la russe.

Malkovich ist Casanova

Der international berühmteste Star der 66. Ruhrfestspiele, Cate Blanchett , gibt vom 25. Mai bis 2. Juni ein ausgedehntes Gastspiel mit neun Vorstellungen von Botho Strauß’ „Groß und Klein“. Es ist die einzige Aufführung im Großen Haus, die nicht der russischen, sondern der deutschen Seele nachspürt.

Auch die beliebten Sonntags-Lesungen sind exklusiv der russischen Literatur vorbehalten, präsentiert von Schauspielern wie Günter Lamprecht oder Christian Berkel. Katja Riemann kann man mit ihrem Programm „Winter. Ein Roadmovie“ erleben. Und das schräge „Fringe“-Festival (ab 22. Mai) hat sich auf 24 Produktionen glatt verdoppelt.

Martina Schürmann

Kommentare
Aus dem Ressort
Sony stoppt Filmstart der Nordkorea-Satire "The Interview"
Terrordrohung
Nach Hackerangriff und Terrordrohungen soll die Sony-Komödie "The Interview" nicht mehr im Kino laufen. Die USA machen Nordkorea für verantwortlich.
Eventim soll AC/DC-Fans beim Ticketverkauf abgezockt haben
Verbraucherschutz
Fans der Band AC/DC mussten beim Tickethändler Eventim hohe Gebühren für Konzertkarten zahlen. Unzulässig, sagt die Verbraucherzentrale und mahnt ab.
Rock am Ring muss mehr Rücksicht auf die Feldlerche nehmen
Festival
Das Festival zieht auf einen Flugplatz. Allerdings: Dort lebt schon die Feldlerche. Jetzt müssen die Veranstalter klären, wie sie sie schützen wollen.
Robin Williams' letzter Film - "Nachts im Museum 3" läuft an
Kino
In der Komödie "Nachts im Museum 3" ist Robin Williams in seiner letzten Kinorolle zu sehen. Gelungenes Finale der Museumsfilme für die ganze Familie.
Kunstmuseum Bochum zieht positive Bilanz des Jahres 2014
Kunst
Museumsdirektor Dr. Hans Günter Golinski blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Die eigene Sammlung bleibt aber Baustelle. Ihr fehlte ein Ort.
Fotos und Videos