Am Rande des Wahnsinns - "La Folie" im GOP-Varieté
16.03.2010 | 15:48 Uhr 2010-03-16T15:48:00+0100
Münster. Völlig durchgeknallt, präzise neben der Spur, genial verrückt und portionsweise ausgeflippt. Im GOP Varieté-Theater Münster ist der Wahnsinn Programm: La Folie.
Sechs junge Künstlerinnen und Künstler aus Frankreich und Kanada verwandeln die Bühne in ein farbenfrohes Feuerwerk der Emotionen. Altbekanntes gibt es nicht. Alles bekommt ein neues Gesicht, ein unerwartetes Outfit, eine überraschende Drehung. Ansteckend frech, zuweilen sogar hochnäsig rotzig und dann wieder wohlig und alt vertraut. Obwohl - das gibt's ja nicht. Fast nicht. Wäre da nicht die Zweimannkapelle. Andreas Prante aus Löhne und Wolfgang Voss aus Bünde. Sie setzen mit ihrer skurrilen Klangwelt pointiert rhythmische Akzente. Der Wahnsinn. Und der ist Programm - unter dem Titel "La Folie" im GOP Varieté-Theater in Münster.
Verschnarchter Dachboden
Wie Alice, die in einen Brunnen fällt und ins Wunderland gelangt, so taumelt der Putzmann Anthony Venisse in einen Kamin und erlebt als Narr im Blaumann putzmunter, was auf einem verschnarchten Dachboden alles abgehen kann. Einfach geisterhaft.
Das rote Wesen
Da huscht das vierbeinige rote Wesen Fleeky über den Boden, springt von Schränken, verrenkt sich die Glieder, mischt Arme und Beine durcheinander, um dann wohl geordnet Kopf zu stehen. Ein Tusch und weg.
Begriffsstutzige Amelie
Amelie Venisse stakst auf mörderischen Stöckeln im Trippelschritt in die Szene, mit einem Akkordeon im Arm, um wenig später Kopf über am Trapez hängend virtuos dem schnaufenden Blasebalg meisterliche Töne zu entlocken. Doch jetzt passiert erst einmal nichts. Denn die schrille Amelie kriegt es nicht in den Griff. Kurz, sie ist begriffsstutzig.
Der blinde Jongleur
Dafür hat der „blinde” Jongleur Basile den besseren Durchblick. Keulen zu wirbeln, ist ihm ein Pläsier. Gemeinsam mit Claire, Romain und Maxime bilden die vier jungen Franzosen das Artisten-Quartett Akoreacro. Rotierende Sonnenschirme, schaukelnde Holzkästen und fliegende Stöcke sind ihr Alltag. Voller Explosivität und überschäumender Lebensfreude.
Supermann
Der Kanadier David Bonneville, ein Kraftpaket voller Energie, steht seinen französischen Kollegen in nichts nach. Supermann nicht unähnlich, setzt er immer wieder seine schwarze Hornbrille ab, schwingt sich an die Strapaten, schlägt aberwitzige Salti und kreist wie ein ausgerastetes Rumpelstilzchen über die Bühne.
Hula-Hoop-Reifen
Ebenso rasant und gekonnt ist die Choreographie von Sarah Lett. Die junge Künstlerin tanzt im und mit ihrem überdimensionalen Hula-Hoop-Reifen auf der Showfläche, stets perfekt abgestimmt auf die Musik. Und wenn sie am Vertikaltuch abhebt, leuchtet ihre Luftnummer durch kraftvolle Eleganz und anziehende Ausdrucksstärke.
Genial verrückt
La Folie - das sind ungewöhnliche Bilder und außergewöhnliche Künstler, die alle Dimensionen und Räume sprengen. Eben genial verrückt. Noch bis zum 2. Mai 2010 ist La Folie im GOP Variete-Theater Münster zu bestaunen. Reinsetzen und wohl fühlen.
0mitdiskutieren