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„Jekyll & Hyde“ in Hagen - grandios und packend

05.09.2010 | 15:58 Uhr
„Jekyll & Hyde“ in Hagen - grandios und packend
Henrik Wager als Jekyll & Hyde, Maricel Wölk als Prostituierte Lucy. Foto: Theater Hagen

Hagen. Mit einem fulminanten Paukenschlag ist das Theater Hagen in die neue Saison gestartet: Das packende Musical „Jekyll & Hyde“ gehört fraglos zu den besten Produktionen, die in den vergangenen Jahren an der Volme inszeniert wurden.

„Raffiniert-schaurige Klangeffekte, Rockelemente und wunderschöne Popballaden“ waren bereits vorab von der Dramaturgie versprochen worden - wie die umjubelte Premiere zeigte, war das allerdings noch deutlich zu tief gestapelt.

Jekyll Henrik Wagner. Foto: Theater Hagen

Das Erfolgsmusical „Jekyll & Hyde“ hat im Theater Hagen eine geradezu kongeniale Umsetzung aller Beteiligten gefunden. Von der raffinierten Dekoration bis zur präzisen Ausleuchtung und gelungen Tontechnik, von der überaus stimmigen Regie bis zum makellosen Dirigat (Steffen Müller-Gabriel) des faszinierend gussfesten Philharmonischen Orchesters, von den Stimmen bis zu den Instrumenten - einfach alles fügte sich perfekt zu- und ineinander. Viele ungewöhnliche Einfälle, freche Kostüme und drastische Bilder ließen das Publikum kaum zu Atem kommen: Der glänzend disponierte Chor ging mit Taschenlampen über alle Etagen durch die Stuhlreihen auf Mörderjagd, wurde dabei von riesigen Glaselementen von der Bühne gespiegelt, während dort schon die nächsten Bluttaten zu sehen waren.

Verzicht auf Maskerade

Und im Mittelpunkt wütete der zum verbrecherischen Hyde mutierte Dr. Jekyll, grandios verkörpert von Henrik Wager. Seine Darstellung des gespaltenen Wahnsinns, die er zum Teil selbst mit der Videokamera filmte und parallel auf einem Monitor zu sehen war, gehört zum Eindrücklichsten, was ich jemals auf dieser Bühne in Hagen zu sehen war.

Jekyll Henrik Wagner und Maricel Wölk als Lucy Harris. Foto: Theater Hagen

Regisseur Philipp Kochheim, der den Stoff aus dem 19. Jahrhundert in unsere Gegenwart gerückt hat, verzichtete bei der Gut-Böse-Wandlung auf übliche Maskerade; er setzte vielmehr auf die visuelle Kraft des Inneren - und Henrik Wager machte fürwahr aus seinem Herzen eine grausige Mördergrube.

Tanja Schun als Lisa Carew und Maricel Wölk in der Rolle der Lucy setzen die weiblichen Klang- und Spielakzente mit ebenfalls wundervollem Einfühlungsvermögen.

Mitreißendes Kunststück

„Jekyll & Hyde“ ist kein vordergründiges Spaßmusical, sondern ein mitreißendes Kunst-Stück mit faustischen Tiefen. Eine Entfesselung des Bösen, das sich nicht mehr bändigen lässt und in der Katastrophe enden muss.

Mit Heißblut und bestechendem Können hat sich das Hagener Ensemble dieser anspruchsvollen Aufgabe gestellt und in jeder Hinsicht Großartiges geschaffen.

Weitere Aufführungen am 11., 15., 26. September, 1., 8., 20. Oktober, 10., 20. November, 8., 25. Dezember, 28. Januar, 17. Februar, 22., 30. März, 25. April, 13. Juni und schließlich 3. Juli. Karten unter Tel. 02331 / 2073218 und im Internet unter www.theater-hagen.de.

Andreas Thiemann

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Kommentare
22.10.2010
13:24
„Jekyll & Hyde“ in Hagen - grandios und packend
von Martin Glaner | #3

Kann mich da nur Herrn Preuß anschliessen:
- 90% von dem was Herr Wager gesungen hat, war nicht zu verstehen / Schauspielerisch wirklich lächerlich
- Inzenierung war werder spannend noch logisch
- Wirklich sehr viele dramaturgische Fehler
- Laientheater von den Darstellern
- Und ein Wirklich dummes, neues Ende
Wir waren wirklich sehr sehr enttäuscht

06.09.2010
12:21
„Jekyll & Hyde“ in Hagen - grandios und packend
von Musicalfreund | #2

Also, ich war in der Vorstellung, in der auch Herr Thiemann war. Die Rollendarstellung des Jekyll/Hyde gehört für mich zu dem Berührensten, was ich jemals auf einer Musicalbühne gesehen habe. Herr Wager lebte diese Rolle(n) so eindrücklich und überzeugend, dass ich das niemals mehr vergessen werde. Meine Begleitung als auch das Publikum um mich herum war derselben Auffassung, was sich auch durch die spontanen Standing Ovationes zeigte, nachdem henrik Wager zum Schlussapplaus kam. Ich habe bislang drei Inszenierungen dieses Musicals gesehen. Diese Produktion in Hagen ist die Beste, Es war ein großer Abend und jeder kann sich auf die kommenden Vorstellungen mit Henrik Wager freuen

06.09.2010
10:09
Überragende Mannschaftsleistung
von Michael Preuß | #1

Offensichtlich war Ihr Kommentator Herr Thiemann in einer anderen Vorstellung.
Das man eine Geschichte des 19. Jahrhunderts in die heutige Zeit versetzt sei der künstlerischen Freiheit zugestanden. Ebenso das Lieder gänzlichst weggelassen werden, Hyde anders (Selbstmord statt durch seinen Freund) und zu einem anderen Zeitpunkt stirbt als in New Yorker oder Kölner Aufführungen oder das Poole eine andere Rolle hat und (absolut unlogisch) von Hyde umgebracht wird...
Unverzeihlich jedoch die unterirdische Leistung von Henrik Wager!!! Wann war er Jekyll, wann Hyde??? Stimmlich und schauspielerisch gelang es ihm nicht das es einem Zuschauer erkennbar wurde. Im musikalischen Highlight schlechthin (Die Konfrontation) soll der Schauspieler Jekyll UND Hyde singen; ein geübter Schauspieler schafft das durch sein Schauspiel und seiner Sangeskunst. Beides fehlt Herrn Wager völlig; sein Akzent führt dazu das man ihn auch nicht verstehen kann - zumindest wenn er singt.
In Gesprächen mit anderen Besuchern habe ich genau einen (!) gefunden, der Herik Wager gut (in diesem Fall sogar sehr gut) fand. Der Rest verdrehte die Augen oder Schlimmeres bezüglich seiner Kunst.
Die Sängerin der Lisa war aktzeptabel, Lucy klasse (warum singt sie einmal in englisch?). Das die männliche Nebenrolle des John Utterson hervorragend war verschweigt Ihr Kommentator völlig.
In Summe: Der Abend war eine Pleite. Gehen Sie in die Hagener Aufführung von Jekyll & Hyde nur dann, wenn Sie erfahren das Henrik Wager erkrankt und durch einen jemanden anderes ersetzt wird. Erwarten Sie aber auch dann nicht zuviel...

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