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Landtagswahl

Wirbel um Beschneidungs-Gedicht - Grüner will auf Mandat verzichten

31.12.2012 | 16:14 Uhr
Wirbel um Beschneidungs-Gedicht - Grüner will auf Mandat verzichten
Die Beschneidung aus religiösen Gründen ist in Deutschland erlaubt.Foto: dapd

Cloppenburg.   Der niedersächsische Grünen-Landtagskandidat Ulf Dunkel hat mit einem Gedicht zur Beschneidungspraxis in Deutschland für Wirbel gesogt - und zieht nun Konsequenzen: Im Falle eines Sieges bei der Landtagswahl will er auf sein Mandat verzichten. Dennoch sieht er sich zu Unrecht in der Kritik.

Die Beschneidungsdebatte um den niedersächsischen Grünen-Landtagskandidaten Ulf Dunkel ist vorerst beendet: Der 50-Jährige zog am Montag die Konsequenzen aus der scharfen Kritik an seinem Gedicht zur Beschneidungspraxis. Dunkel werde im Fall eines Wahlsiegs auf sein Mandat verzichten, sagte Michael Jäger vom Grünen-Kreisverband Cloppenburg am Montag. Der Vorstand des Kreisverbands begrüße die Entscheidung. Seine Kandidatur könne Dunkel wegen des Landeswahlgesetzes nicht zurücknehmen. Die Wahlzettel seien schon gedruckt und die Briefwahl habe bereits begonnen.

Jäger kündigte an, dass Dunkel am Dienstag oder Mittwoch eine Erklärung abgeben wolle. Der Grünen-Politiker ist Direktkandidat für die Landtagswahl am 20. Januar in seinem Wahlkreis und kandidiert auf Platz 34 der Landesliste.

Gedicht im Internet veröffentlicht

Dunkel war in die Kritik geraten, nachdem er im Internet ein umstrittenes Gedicht zur Beschneidungspraxis von Juden und Muslimen veröffentlicht hatte. Darin heißt es: "Wetzt das Messer, singt ein Lied, ab die Vorhaut von dem Glied. Kinder können sich nicht wehren, darum müssen sie uns ehren."

Daraufhin hatte der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, mit Empörung reagiert und Dunkels Rückzug gefordert. "Das Machwerk von Herrn Dunkel strotzt nur so vor hasserfülltem Hochmut gegenüber Juden und Muslimen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Der Grüne Ulf Dunkel aus Niedersachsen sorgt mit einem Gedicht über die Beschneidungspraxis in Deutschland für Aufsehen.Foto: dpa

Laut Zeitung ist Dunkel ein vehementer Verfechter "genitaler Selbstbestimmung". Das jüngst vom Bundestag beschlossene Gesetz, das die im Judentum übliche Beschneidung männlicher Neugeborener ausdrücklich erlaubt, lastet er dem "Druck einer anscheinend überstarken religiösen Lobby" an. So wendet sich Dunkel der "Süddeutschen" zufolge in einem weiteren Gedicht direkt an Juden, die nicht vom Beschneiden lassen wollen: "Warum ist euer Herz so kalt gegen eure Kinder? Warum ist es so verloren an eure Religion?", fragt er da und antwortet selbst: "Arschlöcher seid ihr alle, blinde Fanatiker".

Beschneidungs-Gedicht im "Affekt" entstanden

Dunkel sieht sich derweil zu Unrecht in der Kritik. Sein Gedicht, in dem er von Arschlöchern spricht, sei im "Affekt" entstanden, schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Der Vorstand des Grünen-Kreisverbandes Cloppenburg begrüßte die Entscheidung seines Landtagskandidaten, sich aus dem Wahlkampf zurückzuziehen. Damit nehme Dunkel sich selbst und die Grünen aus dem Zentrum einer Kampagne, die seit einigen Wochen aus wahltaktischen Gründen geschürt werde, heißt es in der Mitteilung.

Meldung vom 14.12.12
Beschneidung bleibt erlaubt - auch der Bundesrat dafür

Ein Gerichtsurteil hatte Juden und Muslime schwer verunsichert: Kölner Richter werteten die rituelle Beschneidung von Jungen im Mai als Körperverletzung. Nun ist per Gesetz durch Bundestag und Bundesrat klargestellt: Der Eingriff ist zulässig - wenn er den Regeln der ärztlichen Kunst folgt.

Debatte um Beschneidung - Ulf Dunkel erhielt Morddrohungen

Dunkel habe sich als Grüner intensiv in der Beschneidungsdebatte in verschiedenen Internetforen für den Kinderschutz stark gemacht und sich gegen Beschneidung Minderjähriger ausgesprochen. Dabei - das sei unstrittig - habe er sich in einigen Fällen abfällig und verletzend geäußert und sei daraufhin heftig angegriffen und an den Pranger gestellt worden, samt telefonischer Morddrohungen. "Wir nehmen mit großem Bedauern zur Kenntnis, dass der niedersächsische Landesvorstand trotz intensiver Gespräche keine Möglichkeit gesehen hat, sich hinter unseren Kandidaten zu stellen", sagte Jäger. Der Cloppenburger Kreisvorstand stehe geschlossen hinter Dunkel.

Jäger sagte weiter, dass Dunkels Äußerungen die Beschneidung an sich sowie den Beschluss des Bundestages kritisierten. "Ganz entschieden weisen wir den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit und des Antisemitismus zurück", sagte Jäger. Dunkel sei weder ein Antisemit noch fremdenfeindlich. Gegenüber dem Landesvorstand habe er eingeräumt, dass er in der häufig emotional geführten Debatte teilweise inakzeptable Formulierungen gewählt habe.

Das weitere Vorgehen soll auf einer Kreismitgliederversammlung in der nächsten Woche mit den Mitgliedern abgestimmt werden. (dapd)


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