Tierwelt
Im Arnsberger Wald werden seltene Sikahirsche gejagt
14.06.2009 | 16:01 Uhr 2009-06-14T16:01:00+0200
Arnsberg. Sikahirsche kommen aus Asien, doch seit einem guten Jahrhundert leben sie auch im Arnsberger Wald. Es ist der größte Bestand in Deutschland. Doch die seltenen Tiere werden gejagt. Das stößt auf Kritik.
An einer Biegung wird das wegbegleitende Grün dünner und gibt den Blick frei auf eine saftige Waldwiese. Und dann stehen sie da: zwei Stück Sikawild. Friedlich äsend im hüfthohen Gras. Unsere Anwesenheit scheint sie nicht zu stören. Sikawild hat sich perfekt an den Lebensraum angepasst. Trotzdem soll es der Tierart, die an Rehe erinnert, an den Kragen gehen. Im Arnsberger Wald steht Sika auf der Abschlussliste.
500 Tiere enden jährlich als Braten
Vor wenigen Jahren noch war sogar von Ausrottung die Rede. „Eliminierung des Bestandes” schlug ein 2-Varianten-Gutachten vor, das die Obere Forstbehörde 2005 in Auftrag gegeben hatte. Obwohl das eigentliche Ziel, nämlich die Zertifizierung als naturnahes Forstamt, erreicht ist, verfolgt man offensichtlich die konsequente Reduktion der Bestände. Etwa 500 Tiere jährlich enden in den letzten drei Jahren als Wildbret. „Mehr, als für die Population gut ist”, sagt Ernst Eick, Buchautor und Fachmann, wenn es um Sikawild geht.
1936 aus dem Gehege entkommen
Eick berichtet, dass die mittelgroße Form des Sikawildes im Bereich Arnsberg ursprünglich aus Ostasien stammt. Es war im Jahr 1893, als Baron von Donner einige Tiere ins Sauerland brachte, um eine Population als Parkwild in seinem 800 Hektar großen Wildpark zu halten.
Während der Sikahirsch als Rohstofflieferant für chinesische Apotheken in Asien fast ausgerottet wurde, geschah in Arnsberg das Gegenteil. Als dann während des großen Schneebruchs im Jahre 1936 der Zaun beschädigt wurde, entkamen einige Sikas in die freie Wildbahn. Auf Wunsch der benachbarten Grundeigentümer wurden sie dort auch belassen. Es sollte sich außerhalb des Parks eine Population etablieren.
Größter Bestand im Arnsberger Wald
„Heute haben wir im Arnsberger Wald, also zwischen Möhne und Ruhr, einen reinrassigen Bestand, und den größten in Deutschland”, sagt Ernst Eick, der sich seit Jahren gegen die massive Bejagung dieser längst heimisch gewordenen Wildart einsetzt. „Immer wieder ging es um die Ausrottung der Sikabestände, weil die Art nicht faunagerecht sei”, fasst Eick zusammen. Der Fachmann berichtet von großangelegten staatlichen Jagden, um „aberwitzige Abschusspläne” einzuhalten.
Neues Wildtiermanagement
„Drückjagden gehören zu üblichen Jagdstrategien”, hält Jan Preller, Sprecher des Lehr- und Versuchsamtes Arnsberger Wald entgegen. Auf Anfrage unserer Zeitung betont er, dass eine Reduktion auf Null keineswegs Ziel der Behörde sei. Im Gegenteil: Man sei sich durchaus der Verantwortung für diese besonders reine Population bewusst.
„Nicht nur aus diesem Grund entwickeln wir derzeit ein ganz neues Wildtiermanagement, das eine Kooperation mit der privaten Jägerschaft vorsieht.” Es müsse darum gehen, die Interessen der Jagdausübenden und die Interessen der Forstwirtschaft unter einen Hut zu bekommen.
Damit hebt Preller ab auf den Verbiss junger Pflanzen durch das heimische Reh-, Rot- aber auch durch Sikawild. Größere wirtschaftliche Schäden entstehen durch das Abfressen der Rinde (Schälschaden). „Besonders nach Kyrill setzen wir auf die natürliche Verjüngung des Waldes”, sagt Jan Preller, der auf eine „ministeriell abgesegnete Zielgröße” von 500 Stück Sikawild im Arnsberger Wald hinweist.
Sika-Experte Ernst Eick
Dazu Sika-Experte Ernst Eick: „Diese Zielgröße unterstellt eine gleichmäßige Verteilung des Bestandes auf den Arnsberger Wald. Die Standorttreue der Sikas führt aber bei verstärkter Bejagung in den Kernzonen zu einem Sogeffekt: Die Tiere bewegen sich zu den Kernrevieren. Die Randreviere werden sikawildfrei, verlieren auch an Wert für die Grundeigentümer. Ein Gesamtbestand von 500 Stück ist somit nur eine theoretische Größe.”
Dass die Reduzierung des Bestandes längst begonnen hat, beweisen die Abschusspläne: Während sich die genehmigten Abschüsse in den Jagdjahren vor dem Gutachten um 400 Stück pro Jahr bewegten, stiegen sie nach dem Gutachten (also ab 2006) auf etwa 600 an. Im abgelaufenen Jahr wurden gar 673 Sika zum Abschuss freigegeben. „Das wird der Bestand auf Dauer nicht aushalten. Die Sozialstruktur wird auseinanderbrechen”, befürchtet Ernst Eick.
Er genießt beim eingangs erwähnten Reviergang den Anblick der beiden Sikas auf der Lichtung. Die Tiere heben den Kopf, dann äsen sie weiter. „Das macht die Sikas für Waldbesucher und Wildparks so interessant”, sagt Ernst Eick. Er weiß nur zu gut, dass der Arnsberger Wald auch wegen seines Sika-Bestandes von Touristen besucht wird. Und während wir noch die weißen Tupfen auf dem braunen Fell bewundern, trollen sich die beiden Tiere. Fast gemächlich verschwinden sie im Unterholz, das seit fast 120 Jahren Heimat für diese Art geworden ist.

23:09
Das Besipiel Alaska passt wohl nicht ganz. Es ist 6mal größer als Deutschland, aber hier leben trotzdem 120 mal so viele Menschen....
Das heißt eine höhere Menschendichte, bei weniger Fläche. Dass die natürlichen Bedingungen in Alaska optimaler sind und das Ökosystem noch funktioniert kann also wenig verwunderlich sein....
Bei einer so hohen Menschendichte wie in Deutschland würden Konflikte mit dem Menschen nicht lange auf sich warten lassen, wenn Wölfe, Bären und Luchse wieder eingebürgert werden....
Konflikte würden aber auch entstehen, wenn das Wild (Hirsch, Wildschwein, Reh) sich ungehindert vermehren würde. Nach einem Zeitraum von 7 Jahren würden dann doppelt so viele Wildtiere in Deutschland leben, wie es Einwohner hat...... Es wäre wie auf einem Armeisenhaufen....
Wenn die Jagd verantwortungsbewusst ausgeführt wird, sehe ich in Ihr ein gutes Mittel verschiedene Interessen in Einklang zu bringen.
Dass es auch dort schwarze Schafe gibt ist klar, aber wo gibt es die nicht.....
11:10
Ich war gerade in Alaska in einer Gegend in der nicht gejagd wir -schon alleine, weil da keine (sorry!) Sau wohnt. Ich bin auf wenige Meter, teilweise Zentimeter an Polarfüchse, Elche und (Pfefferspay immer griffbereit!) Bären herangekommen. Einmal schupperte ein Elch sogar meine Jacke ab. Kanadagänse und Trompeterschwäne ließen sich von überhaupt nicht stören und sehr schön beobachten.
Das alles ist in Deutschland nicht möglich, weil eine Minderheit (Jäger machen 04% der Bevölkerung aus!) ein widerwärtiges Hobby namens Jagd haben?!?? Das krankes Wild abgeschossen werden muss ist klar, aber der größte Teil der Jagdstrecke in Deutschland ist reines Hobby(morden) -oder warum werden alleine Deutschland 1.117.511 Rehe oder 29.469 Wildgänse aus Spaß am Ballern -oft sehr sehr qualvoll- getötet? Wenn es am Überbestand liegt, dann sollen mir die Damen & Herren Hobbyjäger bitte mal erklären, warum sie auch 608.466 Füchse alleine in 2008 OFFIZIELL (!!!) erschossen haben -von Dachsen udn Mardern ganz zu schweigen. Dazu kommt, dass Jäger auch sehr gerne auf Greifvögel anlegen (Konkurenz?) und die ersten Wölfe, die endlich wieder einwandern auch gerade niedermetzeln.
10:01
zu #2
500 Tiere entspricht der Zahl der Landesabgeordneten der angrenzenden Laender. Aber das ist ein anderes Thema
Und dieses andere Thema lautet: Tierfreunde und ihre Geisteshaltung gegenüber Mitmenschen
Aber wahrscheinlich war das alles mal wieder nicht so gemeint und sollte nur neutral die Größenordnung wiedergeben. Dass man aus solchen Vergleichen eine faschistische Grundtendenz rausliest, ist bestimmt eh nur Hetze und Diffamierung.
Schwarzwild kann man dort aus der Hand fuettern, wenn man sich vorab das Futter aus dem Automaten gezogen hat.
Wenn dann das Schwarzwild immer mehr die Scheu vor menschlichen Siedlungen verliert, kann man das ja den Jägern anlasten, die mit ihrem mörderischen Jagddruck dem Schwarzwild gar keine andere Wahl lassen.
09:54
Herr Stolizist, warum eigentlich nicht auf den Sika-Fachmann hören, sondern einer von der Jagdlobby erdachten Abschussliste aufsitzen?
Wie gesagt, schützen kann man den Baumbestand auch anders, es geht hier um den Machtanspruch der Jäger, der kaum stillbar ist.
07:53
Vor ein paar Jahren noch sollten alle Sikahirsche erschossen werden, da sie nicht nach Deutschland gehören. Sie sind schlicht und einfach im 2. weltkrieg aus Zoos entkommen. Damals setzten sich viele Jäger FÜR den Sikahirsch ein und erreichten dass er in mehreren Gebieten leben konnte. Die Zahl der lebenden Hirsche muss natürlich kontrolliert werden, da es ja auch noch die einheimischen Hirsche gibt. Daher gibt es die Vorgaben der Länder eine bestimmte Anzahl (so ca. 500 stck.) die geschossen werden muss, um eine unkontrollierte Verbreitung zu verhindern.
Gruß Polinalkrimizist
00:28
Schaelschaeden kann man abwenden durch den Anstrich mit KalkLeimAnstrichen. Junge Pflanzen erhalten einen Schutzguertel aus gelochtem Plastik. So sieht man es in professionel verwalteten Staatsforsten, z.B. Callengerger Forst in Oberfranken. Schonungen wurden schon zu meiner Kinderzeit vor
ueber 50 Jahren eingezaeunt. Zu der Zeit gab es auch noch RehRudel bis zu 20 Stueck, z.B. im Schelk im Hemmerde Kreis Unna.
500 Tiere entspricht der Zahl der Landesabgeordneten der angrenzenden Laender. Aber das ist ein anderes Thema
Wildverbiss und Flurschaden werden immer vorgeschoben, in Wolfsburg jedenfalls konnte keine Verwaltungsvorschrift das Schwarzwild stoppen und der wirtschaftliche Schaden mit Zusammenstoessen im oeffentlichen Strassenverkehr belaeuft sich mittlerweile im 2-stelligen Millionenbereich. Statt sich ueber die paar (Population pro qkm) SIKA Hirsche im Arnsberger Wald zu freuen, denkt die Verwaltung nur ueber deren Ausrottung nach. Fragt doch mal in Hessen und Niedersachsen nach, evtl. moechten diese Laender in bestimmten Gebieten auch etwas SIKA. Das heimische Rotwild ist dank der Abschussquoten eh nur noch marginal vorhanden. In Oberfranken muss man nach Tambach fahren, um noch einen Hirsch auf einer Wiese aesen zu sehen. Schwarzwild kann man dort aus der Hand fuettern, wenn man sich vorab das Futter aus dem Automaten gezogen hat.
Mein Nachbar hatte eine Jagd im ehemaligen Grenzgebiet, dort gab es auch Mufflons. Die Betonung liegt auf GAB. Drueckerjagd macht man traditionell auf Schwarzwild aber niemals auf Rotwild. Als Kind (10) habe ich auch mal als Treiber bei einer Treibjagd mitgemacht. Ausser dass ich fast erschossen worden waere war mir anschliessend so schlecht, dass ich mich uebergeben musste, es wurde alles abgeballert, was sich bewegte. Hase, Fasan, Rebhuhn, einfach alles. Heute lebe ich in Portugal, hier gibt es dank der allwoechentlichen Sonntagsjaeger keine Rehe, keine Hirsche, kein Schwarzwild ( ausser in wenigen Naturschutzparks). Bitte, Leute, wenn sich in eurem Dorfwald 3 bis 5 SIKAS aufhalten, dann geniesst das, sollten dann noch 2-3 heimische Rehe dazukommen, dann geniesst das doppelt. Ansonsten gibt es nur noch Beton und Asphalt. Hier in Portugal leben auf dem Grundstueck neben uns noch Leguarte (gruen), Eidechsen und auch Eidechsennattern, Voegel aller Art, Eichelhaehaer, die im hausnahen Vogelbad zum baden kommen, Mauersegler und manchmal ein Steinadler, auch Marder waren schon hier. Wer Natur liebt, braucht keine amtlichen Abschussraten, der moechte nur geniessen.
19:52
Ja Ja die Jäger.............. Ballern und Töten um jeden Preis !!!!