Lehrstellen-Markt
IHK Siegen sieht Trendwende und warnt vor Fachkräftemangel
29.03.2010 | 18:43 Uhr 2010-03-29T18:43:50+0200
Siegen/Olpe. Vor dem Hintergrund eines drohenden Fachkräftemangels schlägt die IHK Siegen nach einer Umfrage zur Ausbildungslage im Kammerbezirk Alarm. Fast jeder zweite Betrieb registriere bereits rückläufige Bewerberzahlen, teilte die IHK mit.
Zudem beklagte das Gros der Befragten weiter eine mangelhafte Ausbildungsreife der Schulabgänger. Fast jeder dritte Betrieb plane, sein Lehrstellen-Angebot einzuschränken.
„Wir müssen 2010 mit weiteren Rückgängen bei den Lehrverträgen rechnen”, prognostizierte Kammer-Präsident Klaus Th. Vetter nach der Ausbildungsumfrage, an der sich 105 Unternehmen aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten. Zwar wollen danach 59 Prozent der Befragten ihr Angebot an Ausbildungsplätzen in diesem Jahr stabil halten und weitere elf Prozent es sogar ausweiten. 30 Prozent der Unternehmen kündigten allerdings an, 2010 weniger Auszubildende einzustellen.
Demografischer Wandel spürbar
Dabei spielt nach Worten von IHK-Hauptgeschäftsführer Franz Josef Mockenhaupt „die Wirtschaftskrise sicherlich auch eine Rolle”. Im Kammerbezirk sei es aber bisher noch in jedem Jahr gelungen, alle Lehrstellenbewerber spätestens in der Nachvermittlung zumindestens übergangsweise zu versorgen. Viel gravierender ist laut Mockenhaupt der inzwischen spürbare demografische Wandel. Immerhin 44 Prozent der Befragten berichten bereits von sinkenden Bewerberzahlen für ihre Lehrstellen. „Der Markt dreht sich langsam”, sagte Mockenhaupt. Auf die sich abzeichnende Lücke reagiert der Umfrage zufolge fast jedes zweite Unternehmen - durch das Erschließen neuer Bewerbergruppen (zwölf Prozent), Kooperationen mit Hochschulen (elf Prozent), verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen (25 Prozent) und durch ein verbessertes Ausbildungsmarketing (18 Prozent).
Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der IHK bemerkenswert, dass ein Drittel der Unternehmen ihre offenen Ausbildungsplätze grundsätzlich nicht der Agentur für Arbeit melden. Und dass lediglich 38 Prozent die Dienstleistung der Arbeitsagenturen bei der Personalsuche regelmäßig in Anspruch nehmen. IHK-Präsident Vetter appellierte an die Unternehmen, diese Zurückhaltung zu überdenken: „Bei schwieriger werdenden Marktverhältnissen sollten die bestehenden Informations- und Vermittlungsmöglichkeiten weitestgehend ausgeschöpft werden.”
Ausbildungsreife fehlt oft
Als „niederschmetternd” bezeichnete Vetter die offenbar eklatanten Defizite bei der Ausbildungseignung der jugendlichen Bewerber, die die Umfrage zutage förderte. Danach beklagten jeweils rund zwei Drittel der befragten Firmen bei den Azubi-Kandidaten Mängel bei elementaren Rechenfähigkeiten sowie im mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen. Auch für die so genannten Sekundärtugenden stellten die Betriebe den Jugendlichen schlechte Zeugnisse aus: Kritisiert wurden Defizite bei der Belastbarkeit (49 Prozent), der Disziplin (47) und den Umgangsformen (43). „Hier tickt eine Zeitbombe - gerade angesichts der demografischen Entwicklung“, warnte Vetter.

12:45
Reine Meinungsmache. Man muss nur oft genug wiederholen und die Leute glauben fast alles.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,638189,00.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/Jeder-zweite-neue-Mitarbeiter-wird-befristet-eingestellt-id2753331.html?service=print