Musik
Hagener Philharmoniker holen Sterne vom Himmel
27.01.2010 | 20:00 Uhr 2010-01-27T20:00:00+0100
Hagen/Iserlohn. In zwei gefeierten Konzerten holen die Hagener Philharmoniker in Hagen und Iserlohn die Sterne vom Himmel. Der Hagener Generalmusikdirektor Florian Ludwig macht sich mit ungewöhnlichen Programmen einen Namen.
Bereits die Antike hat das Konzept einer Sphärenharmonie geliebt. Seit Joseph Haydns Ausruf „So hoch, so weit” ist das Universum auch in der klassischen Musik präsent. Der Hagener Generalmusikdirektor Florian Ludwig macht sich mit ungewöhnlichen Programmen einen Namen. Mit den Hagener Philharmonikern hat er das begeisterte Publikum jetzt zu den Sternen entführt: in der Hagener Stadthalle und im Iserlohner Parktheater.
Gustav Holsts Suite „Die Planeten” ist seit der Uraufführung im Jahr 1918 ein Erfolg; das Werk ist die Mutter aller Science-Fiction-Filmmusiken. Der britische Komponist versucht, die unterschiedlichen astrologischen „Charaktere” der Planeten in Klangbilder umzusetzen. Das ist eine opulente Musik, die Florian Ludwig mit seinem Orchester in schwelgerischer Emotionalität regelrecht zelebriert. Die Philharmoniker werfen sich mit Leidenschaft in die Partitur mit ihren ungewöhnlichen Farben wie der Kombination von Celesta, Harfe und Schlagzeug. Bei den Blechbläsern geht diese Begeisterung allerdings nicht immer unfallfrei aus.
Endlich wieder im All
Florian Ludwig setzt jedoch nicht nur auf spektakuläre Effekte, er sucht nach den tieferen Dimensionen des Werks. Der schlagzeugdonnernde Mars, Venus mit ihren extragalaktischen Holzbläser-Passagen, Jupiter, dessen Lied hymnisch aufblüht: Sie alle erzählen bei Ludwig vom All, aber auch vom Himmel. Von der kalten Weite des leeren Raums, aber auch von der Schöpfung. So verströmt sich Neptun am Ende mit dem Frauenchor hinter den Kulissen sensationell: nicht in die Unendlichkeit, sondern in die Ewigkeit.
In Zusammenarbeit mit der Hagener Sternwarte zeigt Ludwig astronomische Projektionen, die den Klangeindruck aus Ferne und Geheimnis mit spektakulären Bildern noch vertiefen.
Toru Takemitsu (1930 - 1996) gehört längst zu den Klassikern der modernen Musik. Sein Cellokonzert thematisiert die Geschichte von Orion und den Plejaden. Das stratosphärische Glitzern von Harfen und Vibraphon kontrastiert mit der erdhaften Wärme des Cellos. Das ist sehr dichte, meditative Musik, bei der die Zeit kein linear gestalteter Prozess ist. Der junge, hochbegabte Cellist Sebastian Klinger gestaltet den Solopart mit kultiviertem und farbenreichem Ton. In der Zugabe, der „Sarabande” aus Johann Sebastian Bachs 3. Cello-Suite, beweist er seine Begabung, komplexe Kompositionen in eine konzentrierte Form zu bringen.
Unheimliche Begegnung
Endlich wieder im All: John Williams wird von allen Star-Trek-Fans verehrt. In seiner Suite aus der Filmmusik zu „Unheimliche Begegnung der dritten Art” unternimmt er nichts weniger als den Versuch, die Einsamkeit, das Gefühl absoluter Fremdheit zu vertonen. Auch hier spielen die Philharmoniker engagiert, ebenfalls mit diversen Unsauberkeiten im Blech. Wie ein Naturereignis lässt Florian Ludwig die Rhythmen pulsieren, bis sich aus diesen Klängen gleichgültiger Unermesslichkeit etwas Gefügtes entwickelt - die zerbrechlichste Melodie überhaupt: Heimat.

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