Ganz großes Theater-Erlebnis in Arnsberg
17.07.2011 | 15:19 Uhr 2011-07-17T15:19:00+0200
Arnsberg. Mit einer großartigen „Jedermann“-Inszenierung hat das Amateurtheater „Arnsberger Frauenensemble“ unter der Leitung von Brigitte Rathert neue Maßstäbe einer ambitionierten Kulturarbeit für die gesamte südwestfälische Region gesetzt.
Mit einer großartigen „Jedermann“-Inszenierung hat das Amateurtheater „Arnsberger Frauenensemble“ unter der Leitung von Brigitte Rathert neue Maßstäbe einer ambitionierten Kulturarbeit für die gesamte südwestfälische Region gesetzt.
„Es grenzt für mich schon an ein Wunder, dass wir heute hier den „Jedermann“ aufführen. Ja, viele haben uns im Vorfeld für verrückt erklärt.“ Stolz und Erleichterung schwingen gleichermaßen in den Worten mit, die Brigitte Rathert unmittelbar vor der Premiere ans Publikum richtet, das nun erwartungsvoll im Innenhof des Klosters Wedinghausen in Arnsberg sitzt.
300 Theaterfreunde sind an diesem Abend gekommen, 600 weitere werden es bei den darauf folgenden Aufführungen bis gestern Abend sein. Sie alle werden nach zwei spannenden Stunden voller Überraschungen, Können und Leidenschaft mit einem Gänsehaut-Erlebnis nach Hause gehen - dieses „Jedermann“-Spiel übersteigt selbst die kühnsten Erwartungen.
Im Mittelpunkt steht Doris Braukmann in der Titelrolle. Zwei Jahre hat sie den Text gelernt, jeden Schritt, jede Bewegung, jedes Minenspiel erarbeitet. Nun spricht sie ihre Rolle mit großer Geste und Ausdruckskraft. Sylvia Düllberg als reizvolle Buhlschaft und Anne Mannstein als grauer Tod setzen eigene, imposante Akzente. Rita Borchardt gibt einen hochmodernen Gesellen und Gerda Müller und Jutta Juchmann setzen als Basen humorvolle Treffer der wundervollsten Art. 23 Damen zählt das Ensemble insgesamt; sie alle zeigen eine mitreißende Spielfreude. Ergänzt werden sie vom Zirkus Fantastello, Arnsberger Bürgerschützen, dem Forum Vocale und dem Trifolium Soest. 75 Beteiligte sind es insgesamt, die hier inmitten einer denkwürdigen Architektur und von der professionellen Veranstaltungsagentur Evento ins rechte Licht und in den bestmöglichen gesetzt werden. Dazu betörend schöne Kostüme, wundervolle Masken und Frisuren - diese Inszenierung kennt keine Schwächen!
Touristische Offerte
Das gläserne Lichthaus im Klosterhof liefert eine Kulisse der Extraklasse. In wechselnden Farben wird es zu einer geradezu genialen Bühne des Geschehens. Regisseurin Brigitte Rathert hat auch hier alle Register gezogen. Sie lässt ihre Schauspielschar von allen möglichen Seiten auf- und abtreten, schafft mit immer neuen, überraschenden Einfällen eine Dreidimensionalität des Spiels, das über zwei Stunden hinweg keine Hänger und Längen kennt.
Um gut die Hälfte wurde die Textvorlage von Hugo von Hofmannsthal eingekürzt. Genau vor 100 Jahren hatte der „Jedermann“ in Berlin seine Uraufführung; in der Arnsberger Fassung ist er so aktuell und ansprechend wie ehedem.
Fackeln, Feuerspucker, Jongleure, Musikanten, Sänger, Knallkörper und vieles andere mehr mischen sich ins Spielgeschehen. Selbst die alte Klosterglocke wurde vom Rost der Zeit befreit und bimmelt dann und wann aufgeregt ins bunte Treiben hinunter.
Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel träumt davon, dass diese Inszenierung eine jährliche Wiederholung finden möge. Und tatsächlich erscheinen der Aufwand zu groß und die Leistung zu gelungen, als dass sich dies alles im dreimaligen Spiel erschöpfen sollte. Arnsbergs „Jedermann“ kann mit diesem Ensemble und in diesem Ambiente eine touristische Offerte mit großer Strahlkraft werden.
Sie sei jetzt einfach sehr, sehr glücklich, bekennt Brigitte Rathert nach der umjubelten Premiere schließlich. Und auch das sagt sie noch: „Meine Frauen sind einfach klasse!“ Recht hat sie.

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