Wahlkampf
Familienministerin trifft auf Super-Nanny
15.07.2009 | 11:25 Uhr 2009-07-15T11:25:00+0200Berlin. Um die Familie wird Wahlkampf gemacht. Die Bundesfamilienministerin tritt gegen die Super-Nanny an. Ursula von der Leyen (CDU) gegen Katharina Saalfrank (SPD). Sie lassen sich von der Bild-Zeitung als die „berühmtesten Mütter Deutschlands” präsentieren.
Dieses Image nehmen beide gern für sich in Anspruch. Doch um die Gunst der Wähler buhlen sie höchst unterschiedlich. Von der Leyen (50), sieben Kinder, brilliert gern mit Daten und Fakten, kultiviert das Bild der Mutter der Nation. Katharina Saalfrank (38), vier Kinder, bekannt als die Super-Nanny vom Fernsehsender RTL, versucht es auf die weiche Tour.
Im Bürgerhaus Altglienicke, einem Plattenbau am Rande Berlins, schreibt Katharina Saalfrank Autogramme für Kinder, Jugendliche und Eltern. „Ich will Sie anfassen, darf ich Sie anfassen?” So nähern sich Kids aus der grauen Berliner Vorstadt ihrem TV-Star, der für die SPD Familienpolitik vermittelt.
Einen Tag später in der Hauptstadt. Ursula von der Leyen kommentiert im Presseclub im Haus der Bundespressekonferenz den Monitor Familienleben von Allensbach. Die Ministerin doziert: „Inmitten einer der schärfsten Wirtschaftskrisen, die dieses Land je gesehen hat, ist die Familie das soziale Netz.”
Keine politischen Ämter im Blick
Doch ist das nicht zu idealtypisch dargestellt? Katharina Saalfrank, Diplompädagogin und Musiktherapeutin, hat jede Menge Erfahrung aus kaputten Familien. „Das Schlimmste ist, wenn Eltern auf dem Rücken der Kinder ihre Probleme austragen.” Katharina Saalfrank soll Familienpolitik lebensnah rüberbringen - kommt dabei aber ein bisschen seicht daher. Wenig Daten, wenig Fakten. Saalfrank: „Ich bin lieber praktisch dabei.” Das SPD-Parteimitglied ist nach eigener Aussage ein politischer Mensch. Nach Ämtern strebe sie nicht. Derzeit tourt sie durch die Bundesländer, um über Familienpolitik zu diskutieren. Dahinter steht die Idee, das Programm der SPD zu „erden und das, was wir vorhaben, abzugleichen mit der Lebenswirklichkeit der Menschen”, sagt SPD-Generalsekretär Heil.
Schwierige Zeiten für Familien
Ursula von der Leyen kommt eher staatstragend daher. Sie betont, Familienpolitik habe gerade in schwierigen Zeiten Konjunktur. „Sie kann die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass junge Menschen den Eindruck bekommen, ein Leben mit Kindern ist auch in Krisenzeiten zu schaffen.” Stichwort: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese sei gerade jetzt umso wichtiger. „Erwerbstätigkeit von Vater und Mutter wird in wirtschaftlich harten Zeiten als eine Notwendigkeit gesehen.” So erläutert von der Leyen die Erwartungen vieler Familien an die Politik. Diese müsse deshalb dafür sorgen, dass der Staat trotz knapper Kassen weiter in die Familienförderung investiere. Mehr als jede dritte Familie spürt laut Umfrage die Folgen der Krise. Vergleichsweise selten ist die Rede von Familien mit Partnerschaftsproblemen, von Familien in Not.
Schwelle überwinden und Hilfen annehmen
In der Plattenbausiedlung in Altglienicke ist das Thema präsenter. Eltern fragen die Super-Nanny: „Soll man Kinder zwingen, zur Schule zu gehen?” Die Pädagogin antwortet: „Es ist eher wichtig, die Ursachen dafür zu finden, warum Kinder nicht zur Schule gehen wollen.” Ein weiteres Problem erwähnt eine Mutter: „Viele junge Paare sind nicht vorbereitet, wenn das Kind kommt.” Die Super-Nanny lindert ihren Schrecken und fragt: „Na und?” Viel wichtiger sei es, dass jene, die Hilfe brauchen, ihre Schwelle überwinden und Beratungsangebote annehmen.
Beifall für Katharina Saalfrank im Bürgerhaus Altglienicke. Zugleich sind manche Leute skeptisch, dass ihr Engagement auch einen durchschlagenden Erfolg bringt. Ein Vater sagt: „Ich glaube nicht, dass sie die SPD erziehen kann, sie kann allenfalls Impulse für die Familienpolitik geben.”

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