Richtlinie
EU-Norm verbannt Kinderwagen von Rolltreppen
06.01.2010 | 18:25 Uhr 2010-01-06T18:25:00+0100
Hagen. Eltern stöhnen auf: Denn seit dem 1. Januar 2010 verbannt eine neue rätselhafte EU-Norm Kinderwagen von Rolltreppen. An jedem neuen Gerät müssen nun „Kinderwagen-verboten”-Schilder angebracht werden. Nicht jeder ist mit dieser "Sicherheitsnorm" einverstanden.
Noch einen Schritt nach vorn und Timmi parkt auf der Stufe. Die beiden Hinterräder hängen in der Luft, den Kinderwagen balanciert seine Mama auf der Vorderachse. Langsam fahren Mutter und Sohn mit der Rolltreppe hoch in die zweite Etage des Kaufhauses - unerlaubt. Denn unten klebt seit dem 1. Januar ein „Kinderwagen-verboten”-Schild. Eine rätselhafte EU-Sicherheitsnorm mit dem Namen DIN EN 115 schreibt vor, Rolltreppen, die 2010 in Betrieb gehen, mit dem Verbotsschild auszurüsten.
In der Hagener Volme Galerie gilt das Verbot bereits seit mehreren Jahren. An den Rolltreppen prangen entsprechende Verbots-Schilder. „Dieses Verbot gilt bei uns nicht erst seit dem 1. Januar”, erklärt Centermanager Markus Scheer. Zu gefährlich sei die Fahrt mit dem Buggy auf der rollenden Treppe. „Dafür haben wir schließlich entsprechende Aufzüge in unserem Kaufhaus.”
Verstöße werden nicht geahndet
Doch manche Eltern lassen nicht mit sich reden und nehme dennoch die Rolltreppe statt den Aufzug. „Sie meinen, dass das schneller geht.” In der Volme Galerie werden Kunden auch durch die Sicherheitskräfte auf das Verbot hingewiesen. Eine Strafe muss Timmis Mutter aber nicht fürchten - die EU-Richtlinie ist schließlich kein Gesetz. Geahndet werden Verstöße also nicht. Dennoch muss jede Rolltreppe, die 2010 in Betrieb geht, mit einem solchen Verbotsschild ausgestattet sein - aus Sicherheitsgründen. Wohl auch, um sich juristisch abzusichern. So sind Hersteller und Betreiber bei einem Unfall von der Haftung ausgeschlossen.
Und wie sieht es an Bahnhöfen aus? „Es gibt keine einheitliche Regelung für unsere Rolltreppen”, erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Bisher ist auch noch keine Aufrüstung mit Schildern vorgesehen.” Auch hier werden Verstöße bislang nicht bestraft.
Wütende Eltern in Internet-Foren
Während sich Rolltreppen-Betreiber noch über die Richtlinie wundern, kommentieren wütende Eltern in Internetforen bereits die Diskussion: „Als hätten es Mütter mit Kinderwagen nicht schon schwer genug, sich den Weg zu bahnen! Aufzüge sind eben nicht immer in der Nähe.”
Kritische Töne stimmt auch der Münchener Verkehrsbetrieb (MVG) an: „Die MVG wird das Verbotspiktogramm nicht anbringen und abwarten, ob die Zulassung neuer Rolltreppen im Laufe des Jahres 2010 tatsächlich daran scheitern sollte”, sagte MVG-Chef Herbert König in einer Stellungnahme. In München sei zudem kein einziger Unfall mit einem Kinderwagen auf der Rolltreppe bekannt.

09:24
Klar, tausende Male passiert nichts - aber dann leider passiert ein Unfall mit Kinderwagen. Ich denke JEDER Unfall gehört vermieden - denn selbst wenn ein Rolltreppenunfall statistisch gesehen selten auftritt - ich bin mir nicht sicher, ob das Trost genug für die Eltern ist, deren Kind bei diesem Unfall gestorben ist.
07:44
Aus Sicherheitsgründen wird ein der EU bald nichts mehr laufen und wie Lösungen aussehen sieht man in diesem Fall: Die Mütter müssen den Kinderwagen mit Kind die Treppe hoch tragen . . .
21:55
Solange es Rolltreppen gibt werden diese auch mit Kinderwagen benutzt. Mir persönlich ist kein Fall bekannt, bei denen es zu ernsten Unfällen gekommen ist.
Es geht, wie schon erwähnt um das Problem der Haftung, wenn etwas passiert. Es geht letztendlich um Schadenersatzansprüche, sprich ums Geld und weniger um das gesundheitliche Wohl von Mutter und Kind.