Das aktuelle Wetter NRW 2°C

Bahnverkehr

Eine Brücke ins Nichts für 2,641 Millionen Euro

04.12.2009 | 20:37 Uhr

Siegen. Als die Eisenbahnbrücke im Rat beschlossen wurde, waren die Bee Gees mit "You Win Again" in den Charts. 22 Jahre später fährt in Siegen immer noch kein Zug über die fertige Brücke. Erst 2014 soll sie endlich in Betrieb gehen. Und muss dann sofort wieder auf Mängel geprüft werden.

Karl-Josef Fischer, Medienbeauftragter des Landesbetriebs Straßenbau in Siegen, gehört nicht zu denen, die dicht am Wasser gebaut haben, aber wenn er an die neue Eisenbahnbrücke in Finnentrop denkt, hat er, wie er gesteht, Tränen in den Augen.

Hauptuntersuchung sofort nach der Inbetriebnahme

2,641 Millionen Euro hat der Landesbetrieb in diesem Jahr für den Bau der Brücke ausgegeben. Jetzt ist sie fertig, spannt sich nutzlos über die Gleise und wenn sie 2014 zum ersten Mal benutzt werden soll, ist erst einmal eine Hauptuntersuchung fällig, denn alle fünf Jahre müssen Brücken aufwändig auf Schwachstellen untersucht werden.

„Das Ganze ist äußerst unerfreulich”, sagt Fischer und untertreibt schamlos, denn das Ganze ist ein Skandal.

1987 war das Jahr der Barschel-Affäre, das Jahr, in dem Erich Honecker als erster Staatschef der DDR die Bundesrepublik besuchte und die Bee Gees mit „You Win Again” die Hitparaden stürmten. 1987 war auch das Jahr, in dem der Finnentroper Rat seinen ersten Beschluss zur Beseitigung des Bahnübergangs fasste. Seitdem wurde geplant und beraten, verschoben und geschimpft. Im Wesentlichen wurde und wird in Finnentrop aber gewartet. Gewartet auf den nächsten Zug, gewartet, dass sich die Schranken wieder heben möchten und darauf, dass endlich die Bauarbeiten für die Beseitigung des Bahnübergangs beginnen.

Rechnung ohne die Bahn gemacht

Dann hatten sie mit dem Bau der neuen Brücke begonnen, Minister und Bürgermeister griffen selbst zum Spaten. Träumer hofften, dass das ewige Ärgernis des alten Bahnübergangs schon 2011 beseitigt sein könnte, doch alle hatten ihre Rechnung ohne die Bahn gemacht.

Denn die muss Oberleitungen verlegen. Aber die bahninterne Abstimmung ist kompliziert. Es geht um ein paar Meter hier und ein paar Zentimeter dort. Ein sechswöchiger Umbau, für den die Strecke gesperrt werden muss. Der Güterverkehr wird umgeleitet, der Personenverkehr auf Busse verteilt. Der Bahn-Termin im Jahr 2010 passte dem Verkehrsunternehmen Abellio nicht, einen anderen gab es nicht und deshalb wird die Sperrung jetzt auf 2012 verschoben. Danach wird zwei weitere Jahre gebaut, bis der schienengleiche Bahnübergang Geschichte ist.

27 Jahre planen, umplanen, warten

27 Jahre liegen dann zwischen dem ersten Ratsbeschluss in Sachen Bahnübergang und dessen Beseitigung. 27 Jahre Planung, Umplanung, Warten, Baubeginn, Baustopp und noch längerem Warten.

Und das Schlimmste? Das steht den Finnentropern noch bevor, sie wissen es nur noch nicht. 2010 gab es keinen Termin für die Streckensperrung, also wird sie jetzt 2012 gesperrt. Warum nicht 2011? Weil 2011 auf der Rhein-Schiene größere Umbauarbeiten geplant sind. Dann braucht die Bahn die Ruhr-Sieg-Verbindung als Umleitung. Die Zugfrequenz wird sich also deutlich erhöhen. Noch nie werden die Finnentroper so lange und so oft vor der Schranke ihre Zeit vertrödeln wie im Jahr 2011.

Gunnar Steinbach

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2202258/create

Umfrage
Der Schalker Jermaine Jones bedaudert im Interview das Foul gegen den Gladbacher Marco Reus. Zugleich wehrt er sich gegen sein Bad-Boy-Image. Kommt das glaubhaft rüber?

Der Schalker Jermaine Jones bedaudert im Interview das Foul gegen den Gladbacher Marco Reus. Zugleich wehrt er sich gegen sein Bad-Boy-Image. Kommt das glaubhaft rüber?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Jahreskonferenz
Bildgalerie
Festival der Liebe
Bildgalerie
Busunfall in Siegen
Bildgalerie
1 Kommentare 1
Eggeabtrieb 2011
Bildgalerie
Aus dem Ressort
Spannung mit Horst Eckert
Krimi
Die Leser in unserer Region schätzen Horst Eckert als Erfinder brisanter Krimis. Bei der Criminale 2012 im Hochsauerlandkreis wird der Düsseldorfer neben 250 weiteren Autorinnen und Autoren vom 25. bis 29. April für Gänsehaut sorgen. In Eckerts neuem Thriller „Schwarzer Schwan“ geht es um die...
Zwischen Steuer-Pranger und Kunst-Genuss
Emil-Schumacher-Museum
Gut zwei Jahre nach der Eröffnung ist das Hagener Emil-Schumacher-Museum noch immer eine Baustelle - obwohl die Besucher davon kaum etwas mitbekommen und auch von der derzeitigen Ausstellung „Schumacher - Afrika“ überwältigt sind.
4 Kommentare 4