iPad
"Ein konsequenter nächster Schritt"
29.01.2010 | 14:52 Uhr 2010-01-29T14:52:00+0100
Hagen. Die Vorstellung des neuen Tablet-Computers iPad hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Einige halten das neue Apple-Produkt "für das nächste große Ding". Vor diesem Hintergrund erläutert Medienwissenschaftler Steffen Büffel das Potenzial des Gerätes.
Lobeshymnen und hohe Erwartungen folgten der Vorstellung des iPads. Ob der neue Tablet-PC aus dem Hause Apple binnen kurzer Zeit zum erfolgreichen Massenprodukt taugt, bezweifelt Medienwissenschaftler Steffen Büffel jedoch. „Apple wird einen längeren Atem haben müssen als beim iPhone”, prognostiziert der Medienexperte aus Köln.
Vorteile gegenüber Kindle
Steffen Büffel, der u.a. die FAZ und Arte berät, hat seinen Forschungsschwerpunkt auf neue Medien gelegt. Unter anderem testete Büffel das elektronische Lesegerät „Kindle”, das er als „ziemlich überteuertes Stück digital befüllten Plastikpfannkuchen” bezeichnete. Macht jetzt Apple mit dem iPad alles besser? „Im Grunde bedeutet das Gerät einen konsequenten nächsten Schritt”, erklärt Büffel. Im Vergleich zum Kindle seien beim Tablet-Computer viele Probleme gelöst worden. Im Gegensatz zu anderen Geräten könne das iPad vor allem mit verschwindend geringer Wartezeit punkten. Außerdem fallen Büffel die integrierten Vertriebswege positiv auf.
Bei aller Euphorie, die rund um den schlanken Mobil-Rechner aufkommt, geht der Medienwissenschaftler zunächst nicht von einem kommerziell erfolgreichen Produkt aus. „Ob neben Netbook und Laptop noch eine Lücke ist, bleibt abzuwarten”, so Steffen Büffel zu dessen Tauglichkeit als Massenware. Die Chancen dafür stünden 50:50.
Einstieg in Büchermarkt
Mit dem iPad steigt Apple in den Büchermarkt ein. Im Gerät ist ein Laden integriert, der Buchinhalte auf direktem Wege erwerbbar macht. Dieses Geschäftsmodell wertet Steffen Büffel nicht als Gefahr für kleine Buchhändler. Eher erreiche Apple damit neue Käuferschichten. Gleichwohl sieht er neue Möglichkeiten für andere Medien. Vorausgesetzt, das iPad entwickelt sich zum Massenprodukt, eröffnen sich nach Meinung des Wissenschaftlers neue Möglichkeiten für Verlagshäuser mit journalistischer Qualitätsmarke. Allein das Zeitungs-Layout könnte dem Format des Computers - in etwa DIN-A-4 - entgegenkommen, und die Bedienung, die etwa Umblättern imitiert, spräche dafür.
Einem Modell, bei dem etwa Zeitungsausgaben als Pdf-Datei über das iPad vertrieben werden, sagt Steffen Büffel keine gute Zukunft voraus. Das würde schließlich weder der Zeitung noch dem iPad gerecht werden. Journalistische Produkte, die künftig darauf verkauft werden sollen, müssten vielmehr neue Anforderungen erfüllen, so die Überzeugung des Medienwissenschaftlers. Die Konsumenten eines solchen Angebotes würden Interaktivität erwarten. Das Medienprodukt müsse im Sinne der Vernetzung funktionieren. „Links sollten wirklich zum Ziel führen”, sagt Büffel und ergänzt: „Gleichzeitig sollten sich jedoch Leser wie bei einer Zeitung aus Papier Artikel herausreißen können.”
Abo-Modelle denkbar
Noch, so hat es den Eindruck, ist die Zeit für solche Produkte nicht reif. „Man muss sich ein solches Gerät leisten können”, sagt Büffel. Lieschen Müller würde nicht 500 Euro auf den Tisch legen, um ihre Tagszeitung über das iPad lesen zu können. Künftige Abo-Modelle mit Apps, wie sie Apple bereits erfoglreich auf dem iPhone vertreibt, seien aber denkbar.
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