Fluchthelfer in JVA
"Die Justizministerin darf jetzt nichts vertuschen"
30.11.2009 | 20:49 Uhr 2009-11-30T20:49:00+0100
Aachen. Nach dem Ausbruch von Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski aus der JVA Aachen sind sich JVA-Bedienstete sicher: Der Beamte, der ihnen offenbar geholfen hat, kann nicht allein gehandelt haben. Sie fordern NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter auf, Stellung zu beziehen.
Peter Paul Michalski war zusammen mit Michael Heckhoff am vergangenen Donnerstag aus dem Aachener Gefängnis geflohen. Hilfe hatten sie dabei offenbar von einem JVA-Bediensteten erhalten, der seit Samstag in Untersuchungshaft sitzt. Nach offizieller Darstellung soll der 40-Jährige die beiden Gangster um 20.20 Uhr aus dem Gefängnistrakt mit zur Pforte genommen und dabei fünf Türen durchschritten haben. Permanente Kamera- und Video-Überwachung verfolgen das Trio. Beamte zur Beobachtung waren ausreichend im Dienst.
NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter: „In der Spätschicht am Donnerstagabend waren die 40 Dienstposten durch 42 Mitarbeiter besetzt.” - „Und von denen hat keiner gefragt, warum gehst Du jetzt mit Heckhoff und Michalski zur Pforte?”, will ein JVA-Bediensteter wissen, „das kann die Ministerin nur jemandem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht.” Es sei höchste Zeit für die Ministerin, Stellung zu beziehen. „Denn entweder haben hier alle gepennt”, so ein anderer Beamter, „oder sie steckten alle unter einer Decke.” Was er aber nicht glaube. Vielmehr müsse untersucht werden, ob nicht ein strukturelles Problem die Flucht von Heckhoff und Michalski ermöglichte: „Warum sind die Türen ohne Gegencheck zu öffnen?”
Skandal in Siegburg
Was am Donnerstag geschehen sei, so ein Beamter, „ist nicht weit weg von dem Skandal in Siegburg”. Denn es gebe immer Bedienstete, die das Geschehen in der Anstalt auf Monitoren überwachen. Es sei merkwürdig, dass auch von denen niemand Alarm geschlagen habe. „Wo wurden Heckhoff und Michalski 'zwischengeparkt',” fragt ein Vierter, „als der 40-jährige bei der Übergabe in die Pförtnerloge ging? Hat niemand in der Video-Überwachung beobachtet, dass der andere Beamte in der Pkw-Schleuse niedergeschlagen wurde?” Die Anrufer sind sich einig: „Es wird in Aachen eine Menge Nacharbeit geben müssen. Es wurden große Fehler gemacht. Konkrete Analysen müssen folgen.” Das dürfte nicht schwer sein. Denn wie die Aachener Anstaltsleiterin Reina Blikslager berichtet, wurde der Fluchthelfer anhand „von Videoaufzeichnungen überführt.”
Keine Rekonstruktion
Andrea Bögge, Pressesprecherin des Justizministeriums, möchte „nicht in die Tiefe der Sicherheitsautomatik einsteigen”. Der Fluchtvorgang sei noch nicht ganz rekonstruiert. Sicher ist nur: Der Fluchthelfer „hat alle fünf Durchgangstüren wieder verschlossen”.

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