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Spick-Mich-Urteil

Bundesgerichtshof erlaubt umstrittene Bewertung im Internet

23.06.2009 | 18:50 Uhr

Hagen. Wie du mir, so ich dir. Doch gilt das immer? Sprich: Dürfen nicht nur Lehrer ihren Schülern, sondern auch Schüler ihren Lehrern Noten geben? Vor allem: Dürfen Schüler ihren Lehrern über das Internetforum „Spickmich.de” Noten geben? Ja, sagte Dienstag der Bundesgerichtshof.

Welche Note bekommt der Lehrer? Der Bundesgerichtshof hat gestern die Bewertung von Lehrern durch Schüler auf der Internetplattform „Spickmich.de” erlaubt. Foto: ddp

Peter Silbernagel vom Philologen-Verband spricht von einem falschen Signal.

„Ich bin nicht dagegen, Arbeitsqualität zu beurteilen, aber die Beurteilung sollte an der Würde des Menschen orientiert sein.” Annemarie Ostermann-Fette, Schulleiterin Mariengymnasium Arnsberg

„Schüler sollten die Zivilcourage besitzen, ihre Kritik offen zu äußern." Auge in Auge, nicht über ein anonymes Internetforum.

„Das Grundrecht der freien Meinungsäußerung darf auch Schülern nicht genommen werden, insofern ist das Urteil nachvollzieh- bar. Ich habe meine Zweifel, ob Spickmich.de eine sinnvolle Art der Meinungs- äußerung ist. Dort kann zu leicht manipuliert werden.” Schwester Maria Thoma Dikow, Walburgisgymnasium Menden

„Ich finde es feige, sich nicht vor den Lehrer zu stellen und Kritik zu äußern. Wenn Schüler nicht sagen können - Herr Lehrer, so wie Sie das vortragen, versteht das keine Socke - glaube ich, stimmt das Schulklima nicht.” Dass Lehrer sich Kritik stellen müssten, ist keine Frage. „Aber er darf nicht verletzt werden, ohne dass ihm die Chance gegeben wird, zu reagieren. Es gibt keine Alternative zum Gespräch.”

Auch die Landesschülervertretung NRW ist für ein Gespräch - vis à vis.

„Schülern steht Kritik an ihren Lehrern zu. Aber wie soll sich ein Lehrer anhand der Note, mit der nichts Inhaltliches verbunden wird, verbessern? Ich empfehle eher das per- sönliche Gespräch zwischen Schüler und Lehrer.” Werner Grote, Schulleiter Ursulinengymnasium Werl

„Wenn Lehrer und Schüler an einem Tisch sitzen und darüber reden, was gut und was schlecht läuft, würden Lehrer die Kritik der Schüler ernster nehmen”, sagt Dilan Aytac. Für die Paderbornerin muss es möglich sein, in der Schule seine Meinung äußern zu können, „ohne befürchten zu müssen, dass die sich auf Noten auswirkt.” Die 18-Jährige sagt auch: „Solange es Kopfnoten gibt, solange kann es auch Spickmich geben. Das ist genauso unfair.”

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft findet, dass eine „Feedback-Kultur” etabliert werden muss. „Aber eine vorurteilsfreie, was die Lehrer- und Schülerleistung angeht”, so Berthold Paschert.

„Wenn Schüler im Internet ihre Lehrer über das Schu- lische hinaus bewerten, und dann noch anonym, finde ich das nicht gut.” Carina Sembach (17) Schülerin, Hohenlimburg

Der Gewerkschaftssprecher des NRW-Landesverbandes zweifelt an dem durch die Karlsruher Bundesrichter freigemachten Weg der Meinungsäußerung. „Lehrer sind auch empfindliche Wesen mit einer Seele, die durch die Internetplattform vielleicht an einer bereits verletzten Stelle getroffen wird”, sagt Paschert. Zumal: „Was einmal im Netz steht, das wird so schnell nicht wieder herausgenommen.”

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Von Daniela Schaefer

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