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"Es hätte ebenso gut VW oder Audi treffen können"

10.02.2010 | 18:09 Uhr
"Es hätte ebenso gut VW oder Audi treffen können"

Hagen. Nach dem Rückruf-Debakel bei Toyota beordert nun Honda 440 000 Autos in die Werkstätten zurück. Grund: Airbag-Probleme. Diesmal sind deutsche Halter zwar nicht betroffen. Dafür aber regelmäßig von vielen anderen, kleineren Rückrufen. Ursachenforschung mit Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer.

Täuscht der Eindruck oder häufen sich die Rückrufe aus der Autoindustrie?

Dudenhöffer: Der Eindruck täuscht, weil Toyota gerade einen Mega-Rückruf gestartet hat. Das ist der größte Rückruf aus der Autoindustrie, den wir je hatten. Hinzu kommt, dass Toyota die Probleme in der Öffentlichkeit sehr amateurhaft behandelt hat. Mit dem neuen Rückruf von Honda drängt sich so der falsche Eindruck einer Rückruf-Lawine auf.

Gibt es eine Erklärung dafür, warum mit Toyota und Honda gerade japanische Hersteller solche Probleme haben?

Das ist reiner Zufall. Es hätte ebensogut VW oder Audi treffen können. Der Fall Toyota zeigt die Risiken der Plattform-Strategie auf: Wenn gleiche Bauteile für viele verschiedene Modelle verwendet werden, kann auch ein Fehler schnell in acht bis zehn Millionen Fahrzeugen vorkommen. VW hat nur Glück gehabt, dass Toyota als erstes vor einem solchen Problem steht. Die Plattform-Strategie mit ihren Kostenvorteilen ist für die Autoindustrie unverzichtbar. Die Hersteller müssen nur die Risiken beherrschbar machen. Und sie müssen Kundenreaktionen viel ernster nehmen, als es Toyota getan hat. Die Beschwerden lagen schon länger als ein halbes Jahr vor, aber Toyota hat die Probleme behandelt wie einen Standardrückruf. Das darf nicht mehr passieren.

Die Wirtschaftskrise spielt als Ursache keine Rolle?

Nein, das ist kein Ergebnis der Krise. Die bei Toyota betroffenen Modelle sind ja schon länger im Umlauf und auch schon vor der Krise gebaut worden. Es kann natürlich sein, dass ein Hersteller oder Zulieferer unter dem Druck der Krise möglicherweise schludert. Aber bei Toyota liegt der Fall anders. Hier ist die Plattform-Strategie der Kern des Problems.

Dennoch vergeht kein Monat, in dem nicht gleich mehrere Hersteller Rückrufe starten. Hat die Autoindustrie ein Qualitätsproblem?

Nein. Der Grund ist die stetig steigende Komplexität der Fahrzeuge. Manche haben 30 Airbags und eine wachsende Zahl elektronischer Ausstattungsdetails. Und je mehr Teilsysteme ich in ein Fahrzeug einbaue, desto größer ist auch das Fehlerrisiko. Und selbst wenn das Risiko für das einzelne Teil abnimmt, steigt aber durch immer neue Teile das Gesamtrisiko. So entsteht eine Art Sisyphus-Effekt.

Sven Noelting

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Kommentare
19.12.2010
13:23
Es hätte ebenso gut VW oder Audi treffen können
von JessicaWeber | #1

Stimmt, hoffentlich haben die Konzerne draus gelernt...

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