Straßenschäden
Auf der Suche nach dem Super-Asphalt
16.03.2010 | 10:31 Uhr 2010-03-16T10:31:00+0100
Wuppertal. Fast scheint es, als hätte Hartmut Beckedahl den harten Winter vorhergesehen. Denn pünktlich zur Schneeschmelze veröffentlicht der Uniprofessor sein Buch „Schlagloch”. In diesem beschreibt der Straßenbauexperte, wie ein winterfester Fahrbahnbelag beschaffen sein muss.
Autofahren im Ausnahmezustand: Auf den Straßen klaffen kleine und große Krater, der Frost hat Risse in Fahrbahnen gesprengt - die Straße wird zur Slalompiste. Der strenge Winter hat ganze Arbeit geleistet, denn die Stolperfallen für Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer lauern laut Tüv-Schätzungen auf bis zu 40 Prozent der deutschen Straßen.
Das müsste nicht so sein. Viele Straßenschäden könnten vermieden werden, ginge es nach Professor Hartmut Beckedahl. An der Universität Wuppertal forscht der Ingenieur nach Lösungen, die dem Asphalt ein längeres Leben versprechen. Bereits vor mehreren Jahren hat er eine spezielle Asphalt-Mixtur entwickelt, die den Straßenbelag robuster macht.
Auf die Mischung kommt es an
In seinem Buch „Schlagloch”, das am morgigen Mittwoch im Elsner-Verlag erscheint, schlägt er Lösungen und Alternativen zu bisherigen Verfahren vor. Das Buch richte sich an Studierende, Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Straßenbau- und Verkehrsbehörden, Ingenieursbüros, die Baustoffindustrie oder Forschungsinstitute. Eben an alle, die sich mit der Beseitigung und Vermeidung von Schlaglöchern beschäftigen.
Und Beckedahl weiß: „Schlagloch ist nicht gleich Schlagloch.” Es kommt auf den Zustand der Straße an, auf die Oberfläche, das Material, das Alter des Straßenbelags. Um Risse im Asphalt zu vermeiden, spiele die Mischung des Materials eine große Rolle.
Test unter Härtefall-Bedingungen
Der Bodenbelag besteht zum einen aus einem Gesteingemisch, zum anderen aus Bitumen, einem Bindemittel, das aus Erdöl gewonnen wird. Dieses wirkt wie Kleber und hält die Steinchen zusammen. Wird zu wenig davon beigemischt, ist der Belag zu hart und reißt schnell auf. Zu viel Bitumen kann den Asphalt wiederum verformen. Um zum richtigen Mischverhältnis zu gelangen, können zusätzliche Kunststoffe hinzugemixt werden, so genannte Polymere. Hier setzt Hartmut Beckedahl an: „Ich beschäftige mich mit dem polymer-modifiziertem Verfahren”, erklärt der Straßenbau-Professor.
In Wuppertal wurde seine Mixtur bereits unter Härtefall-Bedingungen getestet: „Vor sechs Jahren hat die Stadt eine 200 Meter lange vielbefahrene Busspur damit asphaltiert.” Seitdem gleiten die Busse über den Super-Asphalt - keine Spur von Rissen. „Die Vergleichsspur aus herkömmlichem Asphalt musste bereits nach drei Jahren ausgebessert werden”, bilanziert Beckedahl. Auch in anderen Städten wie Hamburg, Stuttgart oder Bonn wurden Straßenabschnitte mit seinem Asphalt belegt. „Alle Versuche wurden positiv abgeschlossen.”
Der Asphalt-Mix hält doppelt so lange
Allerdings bringen Kritiker das Argument an, die Spezial-Methode sei zu teuer. „Dabei steigen die Gesamtkosten wie in unserem Wuppertaler Fall um lediglich zehn Prozent”, hält Beckedahl dagegen. Dafür halte der polymer-modifizierte Asphalt-Mix doppelt so lange. „Die Anschaffungsgebühr ist den klammen Kommunen zu teuer.” So werden Löcher kurzfristig mit Kaltasphalt gestopft, die bei der nächsten Frostwelle wieder aufbrechen.
Zwar seien die Anschaffungskosten des Spezial-Mixes teurer, über lange Jahre gerechnet würden die Städte aber sparen, da ist sich Beckedahl sicher. Und rechnet: „Wenn der Asphalt doppelt so lange hält, sinkt der Sanierungsbedarf, es gibt weniger Baustellen, weniger Staus und so auch weniger Unfälle.”
Hartmut Beckedahl: „Schlagloch”, 224 Seiten, Elsner-Verlag, 48,60 Euro.

21:19
Bis jetzt sind noch nicht alle Straßenschäden ausgebessert worden und der nächste Winter steht schon wieder vor der Tür. Aber Hauptsache die Kfz Steuer wird Pünktlich vom Volk bezahlt.
10:27
Also, den von mir vor einiger Zeit, an gleicher Stelle gewünschten Superasphalt gibt es also doch und das schon seit Jahren. Warum wird der nicht schon in einem größeren Stil
eingesetzt ? Die Erfahrung mit dem Bröckelasphalt haben doch Straßenbauer und Kommunen schon lange. Wollen die Kommunen den möglicherweise etwas teueren Superasphalt aus Kostengründen nicht ? Oder wollen sich die Straßenbauunternehmen ihre Asphalt-Reparaturpfründe über weitere Jahre sichern, indem sie die Auftraggeber nicht über ein neues Produkt/bessere Alternative informieren ?
Beide Fragen sind sicherlich berechtigt.
08:41
Schlagloch-Slalom heißt der beliebte neue Motorsport, und der kann immer und überall trainiert werden.
08:20
Von Seiten der Kommunen besteht doch überhaupt kein Interesse daran vernünftige Strasse zu bauen bzw. schnell auszubessern. Da werden dann lieber Hinweisschilder aufgestellt.
Aber Hauptsache die Steuereinnahmen fließen in den Haushalt. Ob der Pöbel mit seinen Karren über geflickte Strassenteppiche fährt und dabei seine Karren zerstört interessiert hier nicht die Bohne.