Bildungsstreik
Aktionismus der Studenten kommt nicht überall an
12.11.2009 | 21:18 Uhr 2009-11-12T21:18:00+0100
Hagen. Aktionismus aus Unzufriedenheit und Enttäuschung treibt derzeit deutsche Studenten in die Hörsäle. Sie geben sich als Besetzer und ihre Botschaft ist klar: Der Bildungsstreik geht weiter. Doch nicht alle Studentenvertreter halten ein solches Vorgehen für richtig.
In mittlerweile über 20 deutschen Universitäten gehen die Studenten auf die Barrikaden. Sie demonstrieren gegen die Ungerechtigkeiten des deutschen Bildungssystems. „Über Bildung wird viel gesprochen, aber es passiert nichts”, beklagt sich Jörg Rostek, Student der Uni Münster und Mitglied der Pressegruppe des bundesweiten Bildungsstreiks. In großen Worten verkündet er den Bildungsbegriff der Bündnispartner: Bildung sei ein Menschenrecht, keine Ware und dürfe nicht durch soziale Umstände determiniert sein.
NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart verweist unterdessen auf „Fortschritte im ständigen Prozess, Studienbedingungen und Lehre zu verbessern”. Unverständnis zeigte Pinkwart gegenüber der Forderung, das NRW-Stipendiensystem wieder abzuschaffen. „Das riecht ein wenig nach ideologischen Scheuklappen”, sagte der Minister.
Proteste im Sommer
Schon im Sommer waren Schüler und Studenten gegen Studiengebühren und das „Turboabi”, gegen Kopfnoten und das dreigliedrige Schulsystem auf die Straße gegangen. Lautstark fordern sie auch jetzt wieder mehr Mitspracherecht und eine geringere Prüfungsdichte. „Die Verschulung des Studiums führt zum ,Bulimie-Learning'. Wir fressen die Studieninhalte in uns rein, um sie in der Prüfung wieder auszukotzen”, bemängelt Rostek. Und Schuld an allem trage nicht zuletzt der Bologna-Prozess.
Das haben auch die Studierenden in Österreich erkannt und begannen schon vor Wochen mit der Belagerung ihrer Hörsäle. In Deutschland blieb das nicht ganz unbemerkt, die alles überrollende Welle des Enthusiasmus blieb aber zunächst aus. Rostek: „Viele wissen gar nicht, was abgeht.” Andere betrachten den Aktionismus skeptisch.
Kommunikation statt Konfrontation
Auf Kommunikation statt Konfrontation setzt die Uni Dortmund. „Wir haben hier einen anderen Ansatz”, erklärt Miguel Zulaica, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), und führt aus: „Es gibt eine gute Kommunikation zwischen den entscheidungsfähigen Stellen und Studierenden.” Auch in Paderborn setzt man zunächst auf Gespräche. „Dabei sind unsere lokalen Probleme vorrangig”, so, AStA-Vorsitzender Sebastian Rose.
In der Fachhochschule Südwestfalen distanziert man sich sogar deutlich vom Vorgehen der Bildungsstreiker: „Schon im Sommer wurden Mittel eingesetzt, die wir nicht unterstützen”, unterstreicht AStA-Vorsitzender Andreas Kolarik und verweist auf die fingierten Banküberfälle. Und obwohl die Studierenden einen Großteil der Forderungen durchaus unterstützen, empfinden sie andere als realitätsfern. Kolarik versucht zu erklären: „Wir haben hier nicht so viele soziale Studiengänge, die sich in so etwas hineinsteigern. Unsere Studenten sind eher faktisch und nüchtern.”
Bereitschaft in Siegen
Grundsätzlich bereit auch härtere Bandagen anzulegen, ist man in Siegen. Für die kommende Woche sind zahlreiche Aktionen geplant, um auf die Bildungssituation aufmerksam zu machen. Für Mittwoch ist eine Demonstration angekündigt. Einen Aufruf zur Besetzung eines Hörsaals gibt es nicht. „Das muss von den Studenten kommen”, weiß Janto Kluge vom Siegener AStA. Ausschließen will er eine Besetzung aber nicht. „Das ist eine spontane Zusammenkunft, aber wer weiß, was nach der Demo passiert.”

12:41
Zu Jo vom 13.11.09
Schöne Extreme werden hier wieder aufgespannt...
...
Wie bitte soll denn das Bachelor-Mastersystem wieder abgeschafft werden? Was passiert mit all den Studenten, die aktuell nach einer entsprechenden Studienordnung studieren? Was soll stattdessen kommen?
Ja Jo, genau das was beim vorherigen Wechsel auch passierte, nur umgekehrt, was sonst?
Schon mal was von Anerkennungen von Vorleistungen für Diplome gehört?
Es käme nur auf den Willen an, erkannte Fehler auch mal zu beseitigen.
Aber in Deutschland scheint man Fehlentwicklungen auch noch vor deren Inkrafttreten zu erkennen und sie dennoch nicht aufzuhalten, wie die ganze Bachelor-Diskussion von Beginn an exemplarisch zeigt.
Sobald der Zug rollt, stellt sich ihm niemand mehr in den Weg, sei es nun richtig oder falsch. Sei es weil dass der wissenschaftlichen und/oder politischen Karriere schaden könnte, sei es weil der Überbringer schlechter Nachrichten zumeist wenig Dank entgegen gebracht bekommt.
Wir warten mal bis der erste BWL-Student, der ja auch Rechtsvorlesungen hört, wie die Jusstudenten, die nicht betroffen sind, begreift, dass ein Studienausschluss wegen Modulversagens bereits zu diesem Zeitpunkt die Wirkung einer Berufswahlschranke zeitigt und sich damit verfassungsrechtlich an Artikel 12 GG messen lassen muss.
12:32
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16:54
Was kommt denn an ? Arschkriechen, Unterwürfigkeit und Speichellecken `? Studenten wehrt euch denn ihr habt recht !
11:28
Gleiche Bildungschance für alle Einkommensschichten sollte selbstverständlich sein.
zu Kommentar Nr.1: Wiso sollte der Kampf um Gerechtigkeit nicht ideologisch motiviert sein?
09:55
Das Anrennen gegen die Silos. Den Blick in die Leere der Lehre. Gegen die Logik der Benutzeroberflächen.
Das Leben war real - Danke, dass die Studenten daran erinnern. Der Staat- lächerlich, martialisch, hilflos, wie eh und je! Bis zum Ausspucken der falschen Zähne!
22:51
O armes Deutschland, wenn Deine Studenten nur noch buckelnd Ihren Karriereweg vor Augen haben.
Eine Gesellschaft die nur noch ihren Frieden haben will ohne die Gerechtigkeit dieser Gesellschaft zu hinterfragen, die eine - wenn auch frei gewählte - Regierung in allen Entscheidungen wie eine Hammelherde folgt, darf sich nicht wundern wenn sie auch als solche behandelt wird!
18:12
...und zum Schluss zur Gewalt gegen den gesellschaftlichen Frieden aufrufen...
18:01
Das ist ja eine tolle Diskussion. Der Rektor völlig vernünftig, die Studenten beschimpfen den Rektor und haben anscheinend jeglichen Realitätssinn verloren.
Oh, der Rektor soll zurücktreten. Was für eine intelligente Forderung! Und den Rektor für seine persönlichen Bafög-Probleme verantwortlich machen ist ganz toll.
17:53
Zum Stichwort Eigenverantwortung in der Bildung gibts doch tatsächlich Buh-Rufe :D
Die Diskussion mit dem Rektor im livestream:
http://www.ustream.tv/channel/audimax-duisburg
17:43
@Becci
Ich weiß ja nicht wie es früher war aber viele Bekannte von mir müssen in Geisteswissenschaftlichen Fächern ähnlich viel machen wie ich. Nur eben andere Dinge. Während ich Spannungen berechne müssen die eben Texte interpretieren. Okay über den Nutzen lässt sich streiten ;), aber ich bin der Meinung das grundsätzlich jedes Studium das man ernsthaft betreibt Arbeit bedeutet.