Zwischen Profisport und Facharbeit
09.09.2009 | 17:50 Uhr 2009-09-09T17:50:00+0200
Niko (13) weiß noch nicht, welchen Beruf er wählen soll. Am liebsten wäre er professioneller Basketballspieler. Gregorius hat überhaupt keine Vorstellung von seiner beruflichen Zukunft. Arkit schwankt zwischen Herzchirurgin, Familientherapeutin und Oberflächenbeschichterin.
Sie alle sind Hauptschüler - und heftig umworben von Automobilzulieferern aus der Region.
„Wir möchten natürlich die Besten”, sagt Georg Tillmann. Er hat heute die Aufgabe, potenzielle neue Lehrlinge für die Arbeit in seiner Firma zu begeistern. Kein leichter Job. Er bietet allen erst einmal eine Cola an und erzählt dann von seiner Firma, der Metoba GmbH. Metalloberflächenbearbeitung ist ihr Metier.
Das Ganze findet statt im Rahmen der Aktion „Faszination Automotive”: Zahlreiche Automotive-Zulieferfirmen aus der Region laden Schüler der 8. bis 11. Klasse in ihre Werke ein und geben ihnen einen Einblick in die Arbeit. Georg Tillmann ist Galvanotechniker bei Metoba und sucht Nachwuchskräfte für den Beruf des Oberflächenbeschichters.
Er gibt sich viel Mühe, versucht, die Jungen und Mädchen zu begeistern. „Oberflächenbeschichter sind gesuchte Fachkräfte”, sagt er. „Es gibt so gut wie keine Arbeitslosigkeit in diesem Beruf.” Jedes Jahr stellt Metoba drei neue Lehrlinge ein - vor allem wegen des demografischen Wandels und des damit verbundenen mangels an Fachkräften. Allerdings herrscht derzeit Kurzarbeit. Doch das Geschäft soll sich absehbar beleben. Tillmann zeigt eine Präsentation, erklärt, wie man passgenau und maschinell hauchdünne Schichten von Chrom, Kupfer, Messing, Silber, Zinn oder Zink auf Werkstücke aufträgt. Er spricht von Anoden und Bandveredlung, von Vibrobot-Verfahren und Trommelveredlung, von Materialstärkemessung per Röntgen und von extrem aufwändiger Abwasserreinigung, erklärt, warum man Metalle für Elektro-, Möbel- und Automotiveindustrie beschichtet. „Elektrische Kontakte zum Beispiel müssen absolut sicher funktionieren. Vor allem beim Airbag - der wird durch Sensoren elektrisch ausgelöst und muss auch nach vielen Jahren noch blitzschnell und einwandfrei funktionieren.” Dafür sorgen vergoldete Kontakte. Sie rosten nicht und haben extrem niedrige elektrische Übergangswiderstände.
Er spricht auch speziell die Mädchen an: „Wir sind ein 1955 gegründetes Familienunternehmen, haben einen Frauenanteil von 30 bis 40 Prozent und die Hälfte unserer Azubis sind Mädchen”.
Hauchdünner Goldfilm
Um den Schülern einen Vorgeschmack zu geben, geht er mit ihnen durch den Betrieb und lässt sie selbst probieren: Ausgestanzte Lesezeichen dürfen die Schüler selber vergolden. Mit Schutzbrille und Handschuhen ausgerüstet hantieren sie unter fachkundiger Anleitung in der Handgalvanik. Zum Schluss tragen die Lesezeichen einen 0,2 Mikrometer dünnen Goldbezug, aufgebracht in einem Bad aus Goldelektrolyt durch Anlegen einer elektrischen Spannung.
„Die Schüler sind sehr unterschiedlich. Manche sind total interessiert und stellen viele Fragen, andere sind eher passiv”, bilanziert Tillmann. Die mit den vielen Fragen sind natürlich interessanter. Dann erzählt er, wie man sich fortbilden kann in diesem Beruf und wie viel die Azubis verdienen: 751 Euro sind es schon im ersten Lehrjahr. Einer der Schüler hört auf: „Pro Tag?”, fragt er interessiert.
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