Wolf Haas lässt den Brenner ganz lebendig werden

Ewiges Leben live: Den aktuellen Film mit dem Kabarettisten Josef Hader (im Bild) in der Hauptrolle verpasst? Keine Lust, das Buch zu lesen? Macht nichts: Es gibt gleichwertigen Ersatz. Autor Wolf Haas hat seinen gut zehn Jahre alten Brenner-Roman „Das ewige Leben“ selbst vorgelesen. Und das ist die ideale Form für diese sehr spezielle Literaturform, die der österreichische Autor entwickelt hat: Ein Erzähler, der mal naiv, mal lebensweise wirkt, stets jedoch politisch inkorrekt und originell, wendet sich in direkter Rede an den Leser/Hörer. Das ist einerseits ein hoch artifizielles Kunstprodukt, andererseits eindeutig gesprochene Sprache.

Eine Krimihandlung gibt es auch. Brenner in der Klinik. Kopfschuss. Die Ärzte vermuten Suizidversuch. Er glaubt: eher nicht. Er sucht seinen Mörder. Aber die Erinnerung funktioniert nicht so recht. Jedenfalls hängt die ganze Geschichte, die sich entwickelt und die noch ein paar Tote fordert, zusammen mit einem missglückten Banküberfall, den Brenner und ein paar Kollegen von der Polizeischule vor langer Zeit unternommen haben. Das ist schon auch spannend. Aber es überwiegt das Vergnügen am Makabren und der Sprachartistik. Es ist grandios. Und was dem Erzähler am Schluss geschieht, soll hier nicht verraten werden.


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