Wenn junge Mädchen hoffen

Das wirkt so unangestrengt, so naiv. Diese Geschichte der hübschen Angela, die vom armen Dorf in die Stadt geht, nach Moskau, um Sängerin zu werden. Weil sie den Fernseh-Wettbewerb nicht gewinnt, sucht sie einen Produzenten. Doch der will Geld. Sie muss einen Komponisten bezahlen, einen Texter, ein Studio, eine Videoproduktion. Sie muss also arbeiten, was aber kein Problem ist. Sie ist fröhlich, kann putzen und kochen, und es gibt genug Reiche, die dafür zahlen. Glücklicher sind die auch nicht und unterschiedlich nett.

Der Multimillionär, Anfang 50, ist recht sympathisch. Und er liebt Angela. Er kauft ihr eine Wohnung, und ihrer Mutter noch eine und finanziert einen Film, in dem Angela die Hauptrolle spielt. Doch dann verliebt sie sich in den Regisseur. Der verliert beim nächsten Film ihr Geld. Und sucht sich eine andere. Aber Angela gibt nicht auf.

Konzentriert wie Tschechow

„Eine von vielen“ heißt der kurze Roman der 77-jährigen Viktorija Tokarjewa, der komisch ist und melancholisch, der die russische Gesellschaft des frühen 21. Jahrhunderts auf eine Art erfasst, die zu warmherzig ist für eine Satire und zu distanziert für ein Drama. Viktorija Tokarjewa schaut mit mitleidigem Spott auf die Menschen, ohne Illusionen, aber nicht gänzlich ohne Hoffnung. Konzentriert wie Tschechow. Große Kunst, leicht hingetupft, grandios.