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Streit um Staatswald

„Waldverkauf ist falsch, fatal und unnötig”

02.02.2009 | 20:13 Uhr

Euskirchen/Hagen. Beim Wald scheiden sich die Geister. Während im Rheinland gerade neun Gemeinden gegen den vom Land angedachten Verkauf von Staatswald Sturm laufen, will der Mentor in Hagen den desolaten Haushalt mit dem Verkauf des Stadtwaldes jedenfalls teilweise sanieren.

Der von der NRW-Landesregierung geplante Verkauf von Teilen des Staatswaldes muss aus Sicht der Grünen gestoppt werden. „Die Pläne widersprechen den Naturschutz- Verpflichtungen”, warnte Grünen-Geschäftsführer Johannes Remmel. NRW hat mit einem Anteil von 13 Prozent bundesweit die geringste Staatswaldquote. Insgesamt besitzt das Land 115 000 Hektar Staatswald. Als erstes Teilstück plant das Land jetzt den Verkauf von 3000 Hektar Staatswald in der Eifel im Kreis Euskirchen. Interessent ist die „Bofrost-Stiftung”.

Umweltzertifikate und Ökokonten könnten den Wald mittelfristig in die Gewinnzone bringen. Foto: Archiv/Siekmann

Gegen die Pläne laufen die Bürger nach Angaben des Bürgermeisters von Blankenheim, Rolf Hartmann, Sturm. Hartmann befürchtet, dass die Jagdnutzung das Hauptmotiv der Stiftung sei. „Es darf nicht sein, dass sich einer einen Privatzoo zulegt, statt seine Jagdverpflichtung zu erfüllen.” Teile des Staatswaldes sollen für 29 Millionen Euro verkauft werden - davon sollen allein die Waldflächen in der Eifel 25 bis 26 Millionen Euro erlösen. Rolf Hartmann und die anderen acht betroffenen Bürgermeister an seiner Seite sehen Nachteile für den Tourismus.

Am kommenden Freitag findet deshalb eine Anhörung im Landtag über die Verkaufspläne statt. „Der großflächige Waldverkauf ist fachlich falsch, fiskalisch unnötig und politisch fatal”, glaubt Remmel. „Die Region ist geschlossen gegen den Staatswaldverkauf.” Umweltminister Eckhard Uhlenberg weist die Vorwürfe als unbegründet zurück. Auch in Südwestfalen sollen kleinste Parzellen Staatswald an Private verkauft werden.

Die Bürgermeister im Kreis Euskirchen drängen darauf, dass der Staatswald als Bürgerwald erhalten bleibt. Falls das Land die Staatswaldflächen mit den hohen Naturschutzauflagen nicht weiterentwickeln wolle, soll es den Kommunen die Flächen übertragen, fordern die Bürgermeister aus der Eifel.

Derweil könnten die Hagener genau den anderen Weg gehen. Dort nämlich will man sich vom gesamten kommunalen Wald, immerhin 1750 Hektar, trennen. So jedenfalls steht es im jüngsten Sparpaket des Mentors, der im Regionalverband Ruhr (RVR) auch schon einen Käufer gefunden haben will und zwischen 13 und 15 Millionen Euro zu erlösen hofft.

„15 Millionen Euro sind ein großes Wort.” Jens Hapke (RVR)

„Es ist richtig, dass wir als Käufer im Gespräch sind”, bestätigt RVR-Sprecher Jens Hapke. Und weiter: „Aber 15 Millionen Euro sind ein großes Wort. Erst recht, wenn man überlegt, dass der gesamte RVR-Etat nur gut 50 Millionen Euro umfasst.” Außerdem betont Hapke, dass der Regionalverband Ruhr in der Regel nur solche Flächen aufkaufe, die das RVR-Eigentum sinnvoll ergänzen würden.

So kaufte der Verband zuletzt 2006 den Baerler Busch in Duisburg. 345 Hektar zwischen dem Lohheider See und der Halde Rheinpreußen, die perfekt in ein zusammenhängendes Naherholungsgebiet passten. Der Kaufpreis lag übrigens bei 2 Millionen Euro, der RVR zahlte die Summe in drei Raten.

Wilfried Goebels und Torsten Berninghaus

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Kommentare
03.02.2009
08:02
„Waldverkauf ist falsch, fatal und unnötig”
von Meinemal | #1

Jetzt ist in Hagen der Mentor weg, und ob der Wald verhökert wird, steht in den Sternen. Ob nun der RVR den Wald pflegen wird oder die Stadt Hagen weiter dafür sorgt, letztlich bleibt alles beim Alten. Der Verkauf wäre auch nur ein Austausch von Geldern, die in der linken Tasche fehlen und irgendwie aus der rechten Tasche entnommen werden, damit virtuell irgendwelche Schulden getilgt ? werden. Wie ist der Wald, der in der Vergangenheit Allgemeinbesitz war, in das Eigentum von irgendwen gelangt ? Durch Gewalt, Rechtsbruch oder Dummheit ?

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