Umstrittene Geschäfte der Sozialverbände
31.10.2009 | 23:43 Uhr 2009-10-31T23:43:00+0100
Hagen. Mit Sterbeversicherungen kann viel Geld verdient werden. Nun sind Sozialverbände in die Kritik geraten, weil sie mit Versicherungen gemeinsame Sache machen.
Mit Sterbegeldversicherungen sollen die Kosten für Beerdigungen beglichen werden. „Nicht empfehlenswert” (Bund der Versicherten), weil zu teuer, finden Verbraucherschützer und fragen sich, warum Sozialverbände in diesem Bereich mit Versicherungen gemeinsame Sache machen.
Die Süddeutsche Zeitung hat unter dem Titel „Abkassieren mit dem Abgang” über „fragwürdige Versicherungsgeschäfte” berichtet. So wurde einem laut Schwerbehindertenausweis zu 60 Prozent geistig behinderten Hamburger, Mitglied im Sozialverband Deutschland (SoVD), von der Hamburg-Mannheimer Versicherung (HM) eine Sterbegeldversicherung verkauft. Der Versicherungsvertreter hatte bei seinem Kundenbesuch offenbar ein Empfehlungsschreiben des SoVD-Präsidenten dabei. Laut Police sollte der Mann einen monatlichen Geldbetrag zahlen, der fast ein Sechstel seines Monatsbudgets von nicht einmal 300 Euro ausgemacht hätte.
Schutz vor Drückerkolonnen
Sein Bruder konnte den Abschluss noch rückgängig machen, schimpfte aber gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Hier wird, offensichtlich mit Unterstützung des SoVD, den eigenen Mitgliedern, und auch noch denen, die des besonderen Schutzes vor Drückerkolonnen bedürfen, der letzte Cent aus der Tasche gezogen.”
„Wir bedauern den Fall ausdrücklich”, so SoVD-Präsident Adolf Bauer gegenüber unserer Zeitung. „Es liegt selbstverständlich nicht in unserem Interesse, unseren Mitgliedern durch Dienstleistungen Dritter Nachteile entstehen zu lassen.”
Der SoVD arbeite - „wie viele andere Sozial- und Wohlfahrtsverbände” - seit langem mit einem Anbieter von Gruppen-Versicherungsdienstleistungen zusammen (in diesem Fall die HM). Laut einer Mitgliederbefragung, so Bauer, sind „Versicherungsdienstleistungen als Teil des Angebotsspektrums des SoVD von unseren Mitgliedern ausdrücklich gewünscht”. Die Zufriedenheit mit diesen Angeboten sei „nachweislich” außerordentlich hoch und sei in der langen Zeit der Zusammenarbeit (mehr als 40 Jahre) nicht in Frage gestellt worden.
Gruppenversicherungsvertrag
Ebenfalls seit etwa 40 Jahren besteht ein Gruppenversicherungsvertrag des Sozialverbandes VdK mit der HM. Auf der Internetseite darf ein hoher HM-Vertreter für die Sterbegeldversicherung werben. Ein Interview endet mit dem Satz des VdK-Fragestellers: „Dann haben wir ja einen starken Partner an unserer Seite.” Eine Anfrage unserer Zeitung schickte der VdK „zuständigkeitshalber” an die HM. Ein Sprecher der Ergo Versicherungsgruppe, zu der die HM gehört, antwortet, dass es im Rahmen des Gruppenversicherungsvertrages für VdK-Mitglieder Angebote bei der Hinterbliebenenvorsorge für den Sterbefall, bei der Unfallvorsorge und bei der Vorsorge für den Pflegefall gebe. Die Adressen würden vom VdK nur dann an die Außendienst-Partner der HM weitergegeben, wenn das Mitglied es wünscht . „Der VdK beauftragt die Außendienst-Partner anschließend, die interessierten Mitglieder zu besuchen.”
Viele VdK-Mitglieder, so der HM-Sprecher, könnten aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen nicht jede gewünschte Versicherung abschließen. Die Gruppenversicherung dagegen sei ohne Gesundheitsfragen bis zum 80. Lebensjahr möglich. Und durch den Gruppencharakter könne ein günstiger Versicherungsschutz angeboten werden: „Diese Absicherung ist auch für Menschen möglich, die nicht vermögend sind.”
Juristische Bedenken
Die Verbraucherzentrale (VZ) NRW äußert Bedenken: „Gibt eine Organisation Adressen von Mitgliedern weiter, sollte sich die Organisation schon unter moralischen Aspekten dazu verpflichtet fühlen, dass den Mitgliedern nicht unsinnige und zweifelhafte Angebote unterbreitet werden.” VZ-Juristin Elke Weidenbach erinnert gegenüber unserer Zeitung an „Fallstricke” in manchen Sterbegeldversicherungen. So gebe es z.B. „Wartezeiten”: dass einige Jahre nach Vertragsabschluss nichts oder nicht in voller Höhe ausgezahlt wird, auch wenn der Versicherungsnehmer in der Zeit stirbt. Zudem fordert Weidenbach von Sozialverbänden mehr Offenheit. Viele wüssten nicht, dass Überschüsse aus der Versicherung an den Verband gehen. „Transparenz schützt die Verbände vor dem Vorwurf fragwürdiger Praktiken in ihrer gemeinnützigen Arbeit.”
08:21
Seit drei Monaten habe ich die gesetzliche Vertretung für meine Schwester. Sie ist geistig behindert mit 90 %. Auch hier hat die ERGO, bzw. Hamburg-Mannheimer auf Empfehlung des SoVD zugeschlagen. Sie zahlt monatlich über 120 Euro bei einem Einkommen von etwa 420 Euro. Das Ganze funktioniert nur, weil sie bei den Eltern wohnt.
Ein Nutzen dieser Versicherungen ist nicht erkennbar, im Gegenteil hat sie dort zwischenzeitlich sogenanntes Vermögen angesammelt, wodurch bisher erhaltene Sozialleistungen nicht mehr gezahlt werden. Ich versuche nun die Versicherungen rückabzuwickeln, mit der Begründung der Geschäftsunfähigkeit meiner Schwester, noch zweifelt aber die ERGO Geschäftunfähigkeit an, trotzdem geistige Behinderung von 90 % seit Geburt attestiert sind.
Ich denke, dass der SoVD eher die Provosionen aus der Versicherungsvermittlung im Auge hat, als das Wohl ihrer Mitglieder, zumal sie sich auch Teile der Überschussbeteiligung als Spende hat abtreten lassen.
17:21
Die Ergo hat auch einen Gruppenversicherungsvertrag mit dem Verband Wohneigentum Bundesweit abgeschlossen.
Zum monatlichen Beitrag bei einer Sterbeversicherung kommt ein zusätzlicher Beitrag, der direkt an den Verband geht und zwar so lange, wie der Vertrag läuft.
Quelle-einige Geschädigte
07:01
Ich habe die Vorgehensweise der HM über den VDK selber erlebt, ich finde das unverschämt, zum einen verschaffen sich die HM Vertreter mit dem Vorwand VDK zutritt, da es sich überwiegend bei den VDK MItgliedern um ältere handelt, die ja schon Jahre beim VDK sind und zu gut gläubig sind, ist es oft ein leichtes der HM Vertreter bestehende Altverträge von der Konkurenz zu kündigen, das meistens mit Verlust. Der krönende Abschluß ist dann auch noch, das nach Abschluß der Kunde damit geimpft wird, keinen anderen Vertreter mehr ins Haus zu lassen, SAUEREI! Ich habe meine Mitgliedschaft beim VDK gekündigt!
13:27
Sterbeversicherung brauche ich nicht, mein Tod bezahlt die Arge.
11:15
DAS Geschäft mit dem Tod ist das einzig sichere Geschäft, trotz Krise.
Denn, gestorben wird immer...
10:57
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00:07
da kann ich doch nur noch laut lachen. Die Ortsverbände wissen nichts davon ???
Wo kommen denn die Gelder her die die ortsverbände ausgeben ??? Von den Abschlußprämien unter anderem. Ich weiß wovon ich spreche. War viele Jahre bei der HM tätig.
NATÜRLICH SCHWARZE SCHAFE GIBT ES ÜBERALL:
Aber die VdK Mitglieder wurden sogar schriftlich darüber informiert was da gemacht wurde.
Also schön den Ball flach halten nicht immer nur die Versicherungsfritzen, hier verdient der VDK mächtig mit auf Knochern seiner Versichrten :
23:30
Auch bei mir stand der VDK vor der Tür - vermeintlich, denn es war die Hamburg-Mannheimer mit einer Sterbeversicherung. Die haben sich erst mal ganz dreist, als vom VDK ausgegeben. Da damals Verfahren über den VDK liefen, war mir erst mal Angst und Bange, was es denn für negative Nachrichten gäbe. Ich habe mich schriftlich beim VDK beschwert. Ich finde es gut, das dieses Thema aufgegriffen wurde. Ich denke auch, dass die einzelnen Ortsvereine über diese Machenschaften nicht gut informiert sind. Das kommt von oben. Eigentlich müssten die mit den Beiträgen herrlich leben können, ohne noch von überflüssigen Versicherungen zu profitieren.