Studenten erfinden sprechenden Kaffeeautomaten
19.07.2009 | 19:20 Uhr 2009-07-19T19:20:00+0200
Hagen/Bremen. Zischen, tuckern, blubbern und Kaffee kochen kann jede Kaffeemaschine. Edeltraud aber kann viel mehr. Studenten des Institutes für Künstliche Intelligenz der Universität Bremen haben einen Kaffeeautomaten entwickelt, der auch sprechen kann.
Edeltraud serviert per Sprachsteuerungs-Software acht verschiedene Sorten Kaffee, sie zählt auf Nachfrage das Angebot auf und kennt sämtliche Telefonnummern ihrer Mütter und Väter. Das Multitalent begrüßt jeden neuen Kunden höflich, weist Gästen den Weg zu den einzelnen Büros und kann sogar den aktuellen Fahrplan der Straßenbahn wiedergeben.
Die Tüftler aus dem Norden sind mächtig stolz auf ihre Maschine, die auf einem der Flure des Institutes steht. Die Studenten haben dem Gerät sogar einen Namen gegeben. „Wir haben sie Edeltraud getauft”, berichtet Franziska Martin. Das weiße Plastikkleid eines gewöhnlichen WMF-Produktes habe sie darauf gebracht. Edeltraud sei so programmiert, dass sie die entsprechenden Vokabeln und die Grammatik erkenne und in entsprechende Befehle umsetze.
Automat verabschiedet sich mit "Tschüss"
Hui Shi, die an dem „Projekt Edeltraud” maßgeblich beteiligt ist, liebt vor allem ihren Milchkaffee. Sie brauche nur ein Wort in das Mikrofon, das an der Vorderseite der Maschine angebracht ist, zu sagen, Sekunden später sei das Getränk fertig. Die Informatikerin arbeitet zurzeit gemeinsam mit Studenten des Institutes an einer noch leistungsfähigeren Edeltraud. Mittlerweile sei der Automat mit einem sogenannten Zufallsgenerator ausgerüstet worden. „Dadurch ist er in der Lage, nach Beendigung des Brühvorgangs, verschiedenste Abschiedssätze von sich zu geben.” Allerdings: Ein „Tschüss” klinge noch so, „als wenn dieser blecherne Automat einem zum Teufel wünsche”.
Extra-Befehle wie geschäumte Milch sind laut Franziska Martin kein Problem für Edeltraud. „Voraussetzung ist alledings, dass die Bestellung aus relativ einfachen Wörtern besteht.” Wenn es um den Automaten richtig laut werde, könne er wichtige von unwichtigen Signalen kaum unterscheiden. „Daran arbeiten wir noch.”
Gesichtererkennung wird noch entwickelt
Ein Student, erzählt Franziska Martin, entwickele zurzeit eine Software, die es dem sprechenden Automaten bald ermögliche, Gesichter zu erkennen. „Das hätte den Vorteil, dass die Maschine jemanden persönlich ansprechen und ihm sofort den Lieblingskaffee zubereiten kann.”
An eine Serienproduktion, sei noch nicht gedacht worden, sagt Franziska Martin. „Eigentlich wollten wir nur sehen, was man alles mit einfachsten Mitteln realisieren kann.” Nun scheint es erste Interessenten für die Kaffeemaschine zu geben. Künftig könnte der Automat in Hotellobbys, Flughäfen, öffentlichen Gebäuden . . . Übrigens: Edeltrauds Kaffee soll vorzüglich schmecken.
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