Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Wasserqualität

Neue Filter sollen Trinkwasser sauber halten

30.09.2011 | 12:00 Uhr
Neue Filter sollen Trinkwasser sauber halten
Die Kläranlage des Ruhrverbandes in Hagen ist schon mehrmals umgebaut woren.

Hagen. Wenig hält der Ruhrverband von der Forderung des Umweltbundesamtes, Klärwerke mit einer zusätzlichen, vierten Reinigungsstufe auszustatten. Wer die Menschen vor Krankheitskeimen, Hormonen und anderen Mikroverunreinigungen schützen wolle, müsse dort ansetzen, wo das Trinkwasser aufbereitet werde, erklärte gestern Markus Riedel, Sprecher des Ruhrverbandes, der 71 Klärwerke im Einzugsbereich der Ruhr betreibt, darunter die meisten in Südwestfalen.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, hatte vor Gefahren durch Krankheitserreger, Arzneimittelreste und Nanopartikel, etwa aus Kosmetikprodukten, gewarnt. Dagegen sollten Klärwerke zusätzlich zur mechanischen, biologischen und einer Stickstoff filternden Reinigungsstufe eine weitere nutzen. Dafür könnten Aktiv-Kohle oder Ozon zum Einsatz kommen. Das sei nicht flächendeckend nötig, aber in der Nähe von „sensiblen Gewässern“, die fürs Baden oder zur Trinkwasserentnahme genutzt würden.

Würde das nicht zu teuer? „Ja, es gibt zusätzliche Kosten“, bestätigt Flasbarth. Aber die sieht das Umweltbundesamt bei drei bis zehn Cent pro Kubikmeter Abwasser, das seien Mehrkosten von einem bis vier Prozent. Der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) geht von 30 Cent pro Kubikmeter aus und empfiehlt, bei den Pharma-Unternehmen anzusetzen: „Wenn man das Problem auf die Klärwerke abschiebt, verabschieden sich die Verursacher aus der Verantwortung“, sagt VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck.

Der Ruhrverband testet, gefördert vom Landesumweltministerium, zwar derzeit in Schwerte eine Ozon- und Aktivkohle-Filterung im Großversuch - die Kombination ist einzig in Deutschland - hält den Ansatz aber nicht unbedingt für den zielführenden im Hinblick auf sicheres Trinkwasser. „Es gibt ja auch Einträge, die nicht aus den Klärwerken kommen“, sagt Rüdel und nennt beispielsweise Vögel oder andere Tiere. Auch die PFT-Belastung in Ruhr und Möhne war 2006 durch illegale Müllentsorgung auf Feldern im Sauerland entstanden. Mehr könnten deshalb die Wasserwerke bewirken.

Und die sind schon dabei. 350 Millionen Euro wollen allein die 32 Ruhrwasserwerke in den kommenden Jahren investieren, um zusätzliche Aufbereitungsstufen einzurichten. Das macht dann eben nicht das Abwasser teurer, sondern das Brauchwasser. Mit Mehrkosten von 10 bis 20 Cent pro Kubikmeter rechnet Helmut Sommer, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke Ruhr. Für einen Vier-Personen-Haushalt mache das etwa 40 Euro im Jahr aus.

Aber was ist mit den Badegewässern, die dem Umweltbundesamt auch am Herzen liegen? „Die Ruhr ist dafür mit gutem Grund nicht zugelassen“, sagt Markus Rüdel. „Bei starkem Regen, wenn die Becken nicht mehr reichen, sind zu viel Keime im Wasser.“ Und die Talsperren im Sauerland? „Nur die Möhne hat Zulauf aus der Kläranlage Warstein, aber die Wasserqualität wird ja regelmäßig geprüft.“

Und was meint das NRW-Umweltministerium, das neben Schwerte auch Kläranlagen-Versuche in Duisburg und an der Lippe unterstützt? „Unser Ziel ist es, die Verunreinigung des Wassers so früh wie möglich zu stoppen, am besten direkt an der Quelle“, sagt Ministeriumssprecher Stephan Malessa. Aber bei einer alternden Gesellschaft werde der Medikamentenverbrauch eher zunehmen. Man wolle deshalb testen, welche Technik zu welchen Kosten welche Schadstoffverringerung erziele. Die Kläranlagen seien dabei einer von mehreren Ansatzpunkten.

Was immer aber sich am Ende als sinnvoll und praktikabel erweist - teurer für den Verbraucher wird es allemal.

Harald Ries


Kommentare
Aus dem Ressort
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 14
Fortsetzungskrimi
Wendler und Schulthof fluchten und fühlten sich an der Nase herumgeführt. In zwölf Städten und Gemeinden hatten sie vergeblich gesucht, hatten historische Stätten und touristische Sehenswürdigkeiten kennen gelernt und manchen städtischen Werbeblock gehört. Aber eine Spur von der Schwarzen Hand?
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13
Fortsetzungskrimi
Die Wälder wurden immer tiefer und dunkler. Keine Menschenseele war zu sehen. Würde der Täter endlich Ernst machen?
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 11
Fortsetzungskrimi
Also auf nach Hallenberg. Am Ortseingang sah Schulhof das Naturbad und den neuen Kunstrasenplatz. Da hatte er früher oft gespielt und gegen die alte Garde vom SuS Hallenberg keine Schnitte bekommen. „Da müsste man noch mal Fussballspielen dürfen“ dachte er. Ihm taten heute noch die Schienbeine weh...
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 12
Fortsetzungskrimi
„Na, bist Du etwa wieder mit angezogener Handbreme gefahren oder macht Deine alte Kiste langsam schlapp? Ich warte hier schon eine halbe Ewigkeit auf Dich“, raunzte Kommissar Wendler seinen alten Freund an, als dieser endlich vor dem ehemaligen Hotel Claaßen in Winterberg parkte. „Das war gar nicht...
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 8
Fortsetzungskrimi
Schulthof ließ seine Gedanken noch einmal zum gestrigen Abend kurz vorm Einschlafen beim Schinkenwirt zurückschweifen.
Umfrage
Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

 
Fotos und Videos
1. Kultur-Salon der WP
Bildgalerie
WP-Aktion
Jahreskonferenz
Bildgalerie
Jahreskonferenz...
Busunfall in Siegen
Bildgalerie
Unfall
Eggeabtrieb 2011
Bildgalerie
Fotostrecke