Mehr Praxis im Lehrerstudium mit „Schnupper-Praktikum”
07.05.2009 | 16:54 Uhr 2009-05-07T16:54:00+0200Düsseldorf. Lehrer in NRW werden künftig praxisnäher ausgebildet. In einem „Schnupper-Praktikum” sollen Bewerber vor Studienbeginn prüfen, ob sie geeignet sind. Im Studium folgt ein Praxissemester sowie ein „Assistenzpraktikum” von mindestens 20 Tagen.
„Jeder soll wissen, worauf er sich einlässt”, sagte Schulministerin Barbara Sommer (CDU) im Düsseldorfer Landtag. Mit den Stimmen von CDU und FDP verabschiedete der Landtag die Neuordnung der Lehrerausbildung.
Danach gilt:
- Das Studium gliedert sich für alle Schulformen in ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium. Die bisherige zweijährige Referendarzeit wird ab 2011 auf 18 Monate und bis 2015 auf ein Jahr verkürzt.
- Für alle Schulformen gilt eine einheitliche Ausbildungsdauer - bisher gibt es für Grundschullehrer eine kürzere Studienzeit.
- Während des Bachelorstudiums leisten die künftigen Lehrer ein Assistenzpraktikum von mindestens 20 Tagen.
- Im Masterstudium muss ein fünfmonatiges Praxissemester an der Schule absolviert werden.
- Die neuen Regelungen zur Lehrerausbildung sollen bis 2011 umgesetzt werden.
SPD und Grüne begrüßten zwar die einheitliche Ausbildungsdauer von sechs Jahren für alle Lehrer, lehnten den Gesetzentwurf aber ab. Aus Sicht der Opposition wird mit der Ausbildungsreform das gegliederte Schulsystem „zementiert”. Auch unter dem neuen Gesetz bleibe es bei getrennten Lehrämtern für die einzelnen Schulformen.
Der Chef der Lehrergewerkschaft VBE, Udo Beckmann, warnte vor einer Verkürzung des Referendariats. „Wir sind nicht überzeugt, dass die geplanten Praktika die Verkürzung der zweiten Ausbildungsphase um zwölf Monate ausgleichen können.” Dann aber würde die praktische Ausbildung „verschlechtert statt verbessert”, sagte Beckmann. Der VBE begrüßt das Eignungs-Praktikum vor Studienbeginn.
Nach Angaben des CDU-Schulexperten Klaus Kaiser wird NRW zum „Vorreiter einer zeitgemäßen Lehrerausbildung”. Die Hochschulen sind zuständig für die angehenden Lehrer bis zum Master-Abschluss.
Parallel sollen die Zentren für Lehrerstudien das Referendariat organisieren. SPD-Schulexpertin Ute Schäfer kritisierte die schulformbezogene Ausbildung. Schulministerin Barbara Sommer lobte die einheitliche Ausbildungsdauer als Zeichen für die für Gleichwertigkeit aller Lehrämter.

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