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Lücken in der Lebensmittelkontrolle

11.03.2010 | 17:56 Uhr
Lücken in der Lebensmittelkontrolle

Bakterien im Käse. Gammelfleisch, pestizidbelastetes Gemüse. Bei dem Gedanken an die Lebensmittelskandale der jüngsten Vergangenheit dreht sich jeder Magen um. Jürgen Rüttgers versprach vor vier Jahren 300 zusätzlich Kontrolleure. Davon kann heute keine Rede sein. Guten Appetit!

Lediglich 50 Kontrollassistenten „sollen Entlastung leisten”, heißt es aus dem Ministerium für Verbraucherschutz.

„Überwachung wird nach Kassenlage gemacht”, sagt dazu Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure. Er wusste, dass sich Rüttgers mit seinem Versprechen weit aus dem Fenster gelehnt hat. „Denn die Kommunen sind dafür zuständig, Kontrolleure einzustellen. Und das tun sie nicht, weil es zu teuer ist.” Für den Fachmann aus dem Kreis Olpe steht fest: „Wir brauchen auf Bundesebene mindestens noch 1200 zusätzliche Kontrolleure.”

Denn fest steht auch: An den Zahlen - für 2008 sind sie bereits statistisch ausgewertet - ändert sich seit Jahren nichts. Hier ein Ausschnitt: Bei 22 Prozent der Betriebe, die in Deutschland Geflügelfleisch zubereiten, ließ die Sauberkeit massiv zu wünschen übrig. Bei der Dönerspießproduktion wurde jeder zweite Betrieb beanstandet. Und: 30 Prozent der Geflügeldönerbuden nahmen es mit der Hygiene nicht so genau. „Die Notwendigkeit ist erkannt, die politische Idee ist da”, so Müller. „An der Durchsetzung hapert es gewaltig.”

Die Verbraucherorganisation Foodwatch sieht die einzige Lösung in der Veröffentlichung der Kontrollergebnisse. „Wir bekommen zwar Statistiken, aber wir erfahren nicht, wann und wo etwas festgestellt wurde”, so Sprecher Martin Rücker. „Transparenz würde abschrecken. Jetzt aber ist der Anreiz gering, sich an die bestehenden Gesetze zu halten.” Die Verbraucher sollten wissen,was los ist. So sieht das auch Martin Müller. „Das kann aber nur gerecht sein, wenn wir alle Betriebe engmaschig kontrollieren können”, sagt er. „Dazu brauchen wir mehr Personal.” Ansonsten entstehe ein Ungleichgewicht. Zum Nachteil kleinerer Betriebe. Für die bedeute ein Imageschaden oft das Ende.

Im NRW-Verbraucherschutzministerium kann man kein Problem erkennen. „Auf den letzten Fleischskandal haben wir schnell reagiert und die Schlagkraft der Kontrollen verbessert”, sagt Sprecher Markus Fliege. Zufrieden aber sei man noch nicht, räumt er ein. „Es soll weiter gehen.” Müller ist sich sicher, dass ein höherer Standard nur über mehr Fachleute zu erreichen ist. Derzeit könne man nur 50 Prozent aller Betriebe kontrollieren. „Die Lücke ist einfach zu groß.”

Kristina Hußmann

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Kommentare
11.09.2010
17:22
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Name von Moderation entfernt | #4

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11.09.2010
17:15
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Name von Moderation entfernt | #3

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15.03.2010
17:56
Lücken in der Lebensmittelkontrolle
von Bernhard Waltner | #2

Hallo,
mit Sicherheit wäre es auch notwendig, die Kontrolleure zu kontrollieren! Was ich die letzten 20 Jahre für Kontrollen erlebt habe, das glaubt kein Verbraucher.So manche Kontrolle kann man als Gebäudedurchgang bezeichnen! Ein Kontrolleur läßt ein halbes Hühnchen servieren!! ...der andere schreibt Kontrollberichte im voraus, ohne eine Kontrolle durchzuführen und gönnt sich dann mal einen Nachmittag am Badesee!!

14.03.2010
18:38
Lücken in der Lebensmittelkontrolle
von Roland Liebsch | #1

Hallo zusammen,
zuerst möchte ich Ihnen miteilen das die Berufsbezeichnung amtlicher Kontrollassistent heißt. Auch wenn es erst 50 von uns gibt,so sind doch die KOBs in denen wir beschäftigt sind mit unserer Arbeit und der Entlastung der Lebensmittelkotrolleure zufrieden. Da unsere Hauptaufgabe in der Probennahme liegt, haben die LMKs bedeutend mehr Zeit Ihre Kontrollen durchzuführen. Es liegt aber an der Gesetzgebung dies besser zu kontrollieren bzw. die erteilung eines Gewerbescheins in der Lebensmittelbranche von einem Sachkundenachweis abhängig zu machen. Dann wäre es auch nicht so einfach für einen Klemptner, Florist oder einem ungelernten eine Pommesbude oder ähnliches zu eröffnen.

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