Los Angeles zieht in den Krieg

James Ellroy geht in die Vollen. Fast tausend Seiten. Und man kann nicht einmal behaupten, dass der Autor, der mit „Die Schwarze Dahlie“ berühmt wurde, die Dinge auswalzt. Obwohl es in „Perfidia“ nur um den 6. bis zum 29. Dezember 1941 geht.

Spezielle Tage. Am 7. Dezember fallen Bomben auf Pearl Harbour. Die USA sind im Krieg und beginnen, Japaner zu internieren. Wir folgen, atemlos und zunehmend erschöpft, in Los Angeles einigen Menschen durch Turbulenzen und Intrigen: Kay Lake, die Polizistenfreundin mit dem unstillbaren Appetit auf Männer und Abenteuer. Sie lässt sich von Captain Bill Parker, einem bigotten Alkoholiker, als Spitzel anheuern, um Hollywoods Linke zu unterwandern. Beide im Auge hat Sergeant Dudley Smith, dem es zwischen Opium und Benzedrin und korrupten Geschäften gelingt, die Schauspielerin Bette Davis zu erobern. Und als die im Spaß sagt „Bring für mich einen Japaner um“, schießt er dem nächsten in den Kopf.

Das ist nicht Hideo Ashida, der japanisch stämmige brillante Polizeichemiker in Loyalitätskonflikten: Kann Smith oder Parker ihn besser schützen vor dem, was auf die Japaner zukommt? Kann es sein, dass er in den gleichen Boxer verschossen ist wie Kay? Mit wem soll er seine unerwünschten Erkenntnisse über den rätselhaften Mord an einer japanischen Familie teilen?

Es gibt noch viel mehr Fragen, Konfliktherde und Rätsel. Es geht um Geld und Macht und krude Ideologien. Ellroy spart nicht an Sex und Gewalt und Auftritten realer Prominenz wie Kennedy, Brecht und Rachmaninow. Alles, was wirkt. Größtmögliche Härte und flotte Sprüche. Ein alptraumhafter Sumpf, der Spaß macht. Weil die Figuren Abgründe haben und Ellroy dramaturgisch und sprachlich auf den Punkt kommt. Und er hat noch mehr vor. „Perfidia“ soll nur der Auftakt sein zu einem Roman-Quartett, das die Vorgeschichte zum bereits bestehenden Quartett bildet, das mit „Die Schwarze Dahlie“ begann. Von daher kennt man bereits einige Figuren. Und am Ende wird ein gewaltiges Gesellschaftspanorama stehen. Ellroy hat sich Balzac zum Vorbild genommen. Ähnlich maßlos ist er. Aber böser.


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