Licht wird zunehmend Design-Faktor

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Lippstadt.. Der Autofahrer sieht auch nachts gern gut. Dass dies eine anspruchsvolle Forderung ist, muss er gar nicht wissen. Denn dafür gibt es glücklicherweise Franz-Josef Kalze. Der Elektroingenieur ist Leiter der Lichttechnik-Entwicklung Module bei Hella, einem der größten Automobilzulieferer der Welt.

Seine große Bühne ist dunkel. Eine langgestreckte Halle mit einem Stück Straße. Dass die 140 Meter lang ist und Europas größten Lichtkanal bildet, lässt sich nur erahnen. Bis die Scheinwerfer angehen. Das Halogen-Licht reicht 60 Meter weit, beim Xenon-Scheinwerfer ist die Helligkeit besser verteilt, und die Sichtgrenze liegt erst bei 120 Meter, mit neuester LED-Technik ist die gesamte Straße erleuchtet.

Das sind die großen technischen Sprünge, die Kalze in bald 30 Jahren bei Hella mit gestaltet hat. Und was kommt danach? „Pixel. Das dauert aber noch fünf Jahre.“ Doch auch das wird der 53-Jährige noch für Autoscheinwerfer passend machen. Dabei wollte der junge Ingenieur eigentlich nur zwei Jahre bleiben, als er 1982 bei Hella, damals noch Westfälische Metall-Industrie KG, anfing. Warum es anders kam? „Der Reiz besteht darin, ständig Neues entwickeln zu können.“ Die Lichttechnik ist eine sehr innovative Branche.

„Wir haben in den Entwicklungen für Hella viele technische Alleinstellungsmerkmale über Patente abgesichert“, sagt Franz-Josef Kalze. Und dass er weltweit tätig sein kann, gefällt ihm auch.Dabei ist er ein bodenständiger Mensch. Geboren in Harsewinkel, Kreis Gütersloh, Gymnasium in Warendorf, Elektrotechnik-Studium in Bielefeld. Wohnort heute: Harsewinkel. Das bedeutet zwar 40 Kilometer Anfahrt zur Arbeit, aber dafür ist das Enkelkind - Kalze ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder - ganz nah.

Momentan beschäftigt er sich mit der Standardisierung von Modulen (Abblend- und Fernlicht in einem), mit der Entwicklung von Linsen, Software für Reflektoren oder dem Vario-Xenon-Modul, das stufenlos zwischen Stadt-, Landstraßen-, Autobahn- und Fernlicht schaltet. Automatisch gesteuert - abhängig von Geschwindigkeit, Lenkwinkel und Querbeschleunigung. Das wird nun für LED-Scheinwerfer angepasst, und erstmals Ende 2012 in Serie gehen.

Was bringt LED? „Die Technik ist langlebiger, spart Energie und bietet sehr freie Design-Möglichkeiten.“ Viel Diskussionsstoff: „Die Designer haben ihre Vorstellungen. Die Lichttechniker haben die Physik im Auge. Und die gesetzlichen Rahmenbedingungen.“ Viele Lichtwerte sind genau vorgeschrieben.

Kalzes Abteilung entwickelt anhand von Wunschdesign, Platz, Preisrahmen und Leistungsvorgaben eine Computersimulation, stellen lichttechnische Prototypen her und gewinnen aus 100 000 Messpunkten die Isolux-Daten. Das sind die objektiven Werte der Scheinwerfer. Für die subjektiv empfundenen braucht es den Lichtkanal. Auch wegen des Geschmacks der Autohersteller. „Da gibt es ganz unterschiedliche Philosophien, was die Lichtverteilung angeht“, sagt Kalze.

Aber der Lichtkanal kann noch viel mehr: Ein Stoffnetz simuliert Nebel, Schnee oder Regen, Gegenverkehr taucht auf. Überraschend für den Laien: Das anfangs umstrittene, weil ungewohnt „weiße“ Xenon-Licht blendet trotz größerer Helligkeit weniger als Halogen. „Das hängt damit zusammen, dass die Scheinwerfer im Vergleich zu den ersten Modellen optisch vergrößert sind“, erklärt Kalze. „Das erzeugt subjektiv weniger Blendung.“ Objektiv sei sie ohnehin nicht vorhanden gewesen.

Aber der Autofahrer schaut eben subjektiv. Und da muss er sich künftig noch an einiges gewöhnen: Licht als Design-Element bekommt immer mehr Bedeutung. Das Fahrlicht wird dafür immer perfekter. Zunächst in der Oberklasse. „Aber das wird immer schneller nach unten durchgereicht“, sagt der Ingenieur. Zumindest manches. Der Touristenschalter zum Umswitchen der Scheinwerfer auf Linksverkehr ist in der Mittelklasse noch nicht angekommen. Denn bis die spezielle automatische Anpassung des Scheinwerferlichtes für unterschiedliche Verkehrssituationen Standard ist, wird es auch noch dauern. Aber das liegt nicht an Franz-Josef Kalze: Er hat das alles schon erledigt. Damit dem Autofahrer zumindest potenziell immer das richtige Licht aufgeht.

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