Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Große Last auf kleinen...

Kinderschutzbund warnt vor steigender Kinderarmut

09.03.2009 | 18:41 Uhr

Hagen. Es ist Mittagszeit im Suppenkaspar des Kinderschutzbund-Hauses in Hagen. „Warum kommst Du eigentlich in einer Schlafanzughose hierher?”, fragt ein Junge einen anderen. Der Angesprochene schweigt. Armut belastet. Auch, oder gerade, die Kleinsten.

In Zeiten des demografischen Wandels und der Wirtschaftskrise könnte die Kinderarmut in den kommenden Jahren garvierend zunehmen. Für die Betroffenen wiegt die Scham oft schwerer als der Mangel selbst. Foto: ddp

Nach Angaben der Agentur für Arbeit NRW fielen im Oktober 2008 in Hagen 7051 Kinder bis einschließlich 14 Jahren in den Bezug des Arbeitslosengeldes II. Im Märkischen Kreis waren es 9216, im Kreis Siegen-Wittgenstein 4590, im Kreis Soest 6021 und im Hochsauerlandkreis 4237 Kinder. Im Kreis Olpe lag nach Angaben der Arge die Zahl der Kinder unter 18 Jahren im Januar dieses Jahres bei 1878.

Warme Mahlzeit für Kinder

Eine Statistik, die allein betrachtet noch nicht mit Armut gleichgesetzt werden kann. Zu individuell sind die Schicksale eines jeden einzelnen, wie Christa Burghardt, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Hagen, weiß. Zu ihr und ihren Mitarbeitern kommen täglich 30 bis 40 Kinder, die im Suppenkaspar eine warme Mahlzeit erhalten. Es sind die Kinder von von alleinerziehenden Müttern, von Eltern, die zu den so genannten Langzeitarbeitslosen gehören, und aus Familien mit Migrationshintergrund. Doch Christa Burghardt betont: „Es kann jeden treffen.”

Eltern schämen sich

Dabei ist es nicht das fehlende Geld allein, dass Armut bewirkt. Kein Schulabschluss, oder nur eine schlechte Schulbildung, eine Wohnung in einem unattraktiven Stadtteil und fehlende gesellschaftliche Teilhabe bewirken ebenfalls Armut. Allerdings, so sagt Martina Huxoll, stellvertretende Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes NRW, ist die finanzielle Not oft der Anfang von sozialer Ausgrenzung. Sie schätzt die Zahl der in Armut lebenden oder von Armut bedrohten Kinder in NRW auf etwa 800 000, in Deutschland rund 2,5 Millionen. Doch die Dunkelziffer bleibt unerfasst. „Viele Eltern schämen sich und machen ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld II gar nicht geltend”, sagt Huxoll.

Die Scham über die eigene Armut wiegt oft so schwer, dass Eltern buchstäblich alles dafür geben, damit man ihren Kindern die sozial schwache Situation nicht ansieht. „Einige Eltern kaufen ihren Kindern deshalb extra Markenkleidung”, berichtet Brigitte May-Kochbeck vom Kinderschutzbund in Iserlohn. Dort werden 30 Kinder in zwei Gruppen in der so genannten Spiel- und Lerngruppe bei den Hausaufgaben betreut.

„Es kann jeden treffen.” Christa Burghardt

Auch Christa Burghardt hat ähnliche Erfahrungen gemacht: So würden zu Weihnachten beispielsweise neue Computerspiele gekauft, die finanziell gar nicht drin seien. Investitionen, die sich betroffene Familien quasi „vom Munde absparen”, damit ihre Kinder mithalten können. Daher sei eine Grundsicherung für Kinder, wie sie Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, fordert, „dringend notwendig”. Derzeit veranschlagt der HartzIV-Regelsatz für ein Kind unter 15 Jahren 211 Euro im Monat zuzüglich einer angemessenen Unterkunft.

Doch nicht nur die Eltern schämen sich oftmals für ihre Armut, auch die Kinder sind sich über ihre Situation bewusst. Die Kleinen, sagt Christa Burghardt, realisieren den Mangel, in dem sie leben, nicht unbedingt. Doch wenn sie zur Einschulung bestenfalls einen gebrauchten Ranzen tragen könnten, würden ihnen ihre Situation bewusst. „Und dann”, sagt die Diplompädagogin, „ziehen sich viele zurück.”

Erzieherin Brigitte May-Kochbeck erinnert sich darüber hinaus auch an viele hilflose Reaktionen wie die Tatsache, dass sich einige ihrer Schützlinge schon selbst als die „nächsten HartzIV-Empfänger” bezeichnet haben. „Doch dann sagen wir ihnen: Das entscheidest du selbst”. Denn die Armut der Eltern, darin sind sich Burghardt und May-Kochbeck einig, muss nicht auch für die Kinder ein Leben in Armut bedeuten: Jedes Kind hat eine Chance - so lange es unterstützt und gefördert wird.

Mehr zum Thema:

Von Silke Wrona

Empfehlen
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
11.03.2009
14:00
Kinderschutzbund warnt vor steigender Kinderarmut
von Rüdiger | #4

@Ali..........
Dem schließe ich mich vorbehaltlos an.

11.03.2009
13:58
Kinderschutzbund warnt vor steigender Kinderarmut
von Ali Ibn Abi Talib | #3

Danke,Langeweile
Endlich mal jemand,der positiv jammert:-)
Vanagas hätte Ihren Kommentar all zu gerne gelöscht und Sie des Hartzverrats angezeigt:-)

10.03.2009
13:00
Kinderschutzbund warnt vor steigender Kinderarmut
von Vanagas | #2

Mann,#1 Langeweile :
Posaunen sie es nicht allzu groß heraus sonst kommen gleich rüdiger + random um die Ecke.
Wundert mich eh,daß die beiden ihren Commentar noch nicht entdeckt haben !

10.03.2009
07:59
Kinderschutzbund warnt vor steigender Kinderarmut
von Langeweile | #1

Es ist traurig für unser Land - aber: Ich verstehe es bei Bestem Willen nicht, warum hartzler angeblich nicht mal das Geld haben für Mittagessen ?

Wir sind ein 3 Personen Haushalt.
Wir bekommen: Rente,Kindergeld und Hartz4
Wir machen einen Essensplan wo es genügend Fleisch gibt,Obst,Salat.
Wir besitzen 2 ( !!!) PC´s
Wir haben Internet
Wir rauchen beide ( Tabak aus Luxemburg (10 Euro 200 gr) )
Wir sind keine Antialkoholiker,trinken jedoch nichts ausser mal ein Bier zum Geburtstag
Wir spielen beide Erwachsenen World of Warcraft ( 27 Euro Pro Monat ( Prepaid Karten))

Unser Sohn,hat jeden Tag Essen, hat ordentliche Sachen, 10 Euro Taschengeld im Monat
Und jetzt das schönste:

Obwohl wir Pizza bestellen,Süßes für den Kleinen holen,nicht zur Tafel gehen und so weite, haben wir am Monatsende oft 40-70 Euro über !!!

Was machen wir als Hartz-Empfänger falsch ?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/857865/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Jahreskonferenz
Bildgalerie
Jahreskonferenz...
Busunfall in Siegen
Bildgalerie
Unfall
Eggeabtrieb 2011
Bildgalerie
Fotostrecke
Liese am Rednerpult
Video
EU
Foto
Aus dem Ressort
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 14
Fortsetzungskrimi
Wendler und Schulthof fluchten und fühlten sich an der Nase herumgeführt. In zwölf Städten und Gemeinden hatten sie vergeblich gesucht, hatten historische Stätten und touristische Sehenswürdigkeiten kennen gelernt und manchen städtischen Werbeblock gehört. Aber eine Spur von der Schwarzen Hand?
Foto Text
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13
Fortsetzungskrimi
Die Wälder wurden immer tiefer und dunkler. Keine Menschenseele war zu sehen. Würde der Täter endlich Ernst machen?
Foto