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Pädagogik

Kindergartenkinder spielen Schach

19.10.2009 | 15:10 Uhr
Kindergartenkinder spielen Schach

Hattingen. Wissenschaftler haben untersucht, wie sich das Schachspiel auf die Entwicklung und das Sozialverhalten von Kindergartenkindern auswirken kann. Das Verständnis für die Figuren erlangen die Kinder mit Rollenspielen.

Schach im Kindergarten hat offenbar das Zeug zum pädagogischen Instrument. In zwölf Kindergärten und Familienzentren wurde jetzt erprobt, wie sich das königliche Spiel auf die Erziehung von Kindern auswirkt. Das Ergebnis ist verblüffend.

„Zweijährige können durchaus ihre Freude am Schachspiel haben. Es kommt ganz darauf an, wie sie einen Zugang dazu bekommen”, sagt Dr. Marion Bönsch-Kauke von der Humboldt-Universität in Berlin. Ihr Forschungsschwerpunkt umfasst u.a. Pädagogische Psychologie und Spieltheorie. Beim Projekt „Schach im Kindergarten” untersuchte sie die Auswirkungen des Spiels auf die Entwicklung und das Sozialverhalten der Kinder.

Spielerisches Kennenlernen

500 Kindern sind seitdem König, Dame und Turm ein Begriff. Gleichwohl ging es für die Kleinen nicht darum, sich für stundenlangen Denksport fit zu machen. Vielmehr brachten ihnen Erzieherinnen auf spielerische Art die einzelnen Figuren mit den dazugehörigen Fähigkeiten näher.

Das Kennenlernen von Grundzügen des königlichen Spiels eignet sich für manche Mädchen oder Jungen bereits ab zwei Jahren. Denn dann reift das Vorstellungsvermögen der Kinder heran. Beim Erlernen unabdingbar: Rollenspiele. Auf diese Weise entwickelten die Kindergartenkinder ein Verständnis für die einzelnen Figuren. Doch meist machte der Turm allen Anfang. „Weil er nur gerade geht”, so die Wissenschaftlerin. Die einfachen Bewegungen dieser Figur wurden z.B. beim Turnen auf überdimensionalen Schachbrettern von den Kindern nachempfunden.

Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

Bei ihrer Untersuchung fand Bönsch-Kauke indes einen geschlechtsspezifischen Unterschied heraus. Mädchen mögen die Springer-Figur am liebsten. „Aber nicht wegen der Pferdeform”, sagt Bönsch-Kauke. „Das liegt an dem außergewöhnlichen Schritt zur Seite.” Für die Forscherin ein positives Zeichen: Kreativität werde so früh gereizt.

Für Jungen sei es hingegen wichtig, Schach von einer männlichen Bezugsperson zu erlernen. Schach kultiviere nämlich kluges Kämpfen, das nach Bönsch-Kaukes Auffassung häufig zu kurz kommt. Darüber hinaus werde jedoch auch die Kooperationsfähigkeit gefördert. Auf die Atmosphäre in den Einrichtungen hatte dies vielerorts positive Auswirkungen. „Ausgesprochene Rüpel wurden beim Schachspiel deutlich ruhiger”, berichtet Dr. Bönsch-Kauke.

Große Entwicklungseffekte

Die Kinder haben beim Projekt zwar keine klassische Eröffnung erlernt, und nur wenige werden am Ende ihrer Kindergartenzeit eine komplette Partie zu Ende spielen können. Doch stattdessen werden sie „Bauernkämpfe” ausgefochten und einzelne „Figurenkämpfe” geführt haben. Basiswissen haben sie sich damit angeeignet. Und mehr noch: Ihr Vorstellungsvermögen wurde durch das Spiel gefördert. Das sind gute Grundlagen für Geometrie und Mathematik. Für Dr. Marion Bönsch-Kauke liegt es auf der Hand: „Mit Schach im Kindergarten erzielen Erzieher große Entwicklungseffekte.”

Stefan Rebein

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