Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Gentechnik

Kein Schutz für Bienen und Honig

01.09.2009 | 18:53 Uhr
Kein Schutz für Bienen und Honig

Olsberg/Würzburg. Berufs- und Hobbyimker schlagen Alarm: Gentechnik und neue Insektizide bedrohen Bienenvölker und Imkerei.

Den deutschen Bienen geht es schlecht. Das liegt vor allem am akuten Futtermangel. Kaum Nektar bildende neue Nutzpflanzen, schwindende Brachflächen und aggressive neue Spritzmittel machen Imkern das Leben schwer. Hinzu kommt das derzeit nur auf Eis liegende Problem mit gentechnisch veränderten Pflanzen.

Klaus Vorderwülbecke aus Olsberg ist seit 30 Jahren Imker und teilt diese Befürchtungen: Werden gentechnisch manipulierte Nutzpflanzen in Deutschland wieder zugelassen - und das kann jederzeit passieren - könnte dies der Imkerei den Boden entziehen. Fliegen Bienen gentechnisch veränderte Pflanzen an, ist das Naturprodukt Honig mit deren Pollen verunreinigt und wird unverkäuflich: Fast niemand will Gen-Honig haben.

„Das Problem ist, dass Blütenpollen unverändert in den Honig gelangen”, meint Peter Maske aus Würzburg, Präsident des Imker-Bundes. Die Gentechnik im Honig muss deklariert werden - anders als beispielsweise bei Eiern, Milch und Fleisch, auch wenn deren tierische Erzeuger mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert werden. Bei ihnen läuft das Futter durch den Stoffwechsel - bei den Bienen passiert das mit den Pollen aber nicht.

„Wir brauchen beim Thema Gentechnik vor allem Rechtssicherheit”, fordert Peter Maske. „Bienen und Honig sind gesetzlich nicht ausreichend geschützt.” Der Bund der Berufsimker legt nach: Saatbeizmittel, systemisch wirkende Insektizide, Spritzmittel, die in die Blüte eingebracht werden, sowie unzureichende Zulassungsmethoden für Pflanzenschutzmittel und gentechnisch veränderte Pflanzen gehörten auf den Prüfstand.

Das aktuelle Anbauverbot von genmanipuliertem Mais durch das Bundeslandwirtschaftsministerium gibt den Imkern nur eine Atempause, vom Tisch ist das Problem nicht. Die Hersteller von Gentechnik-Saatgut wollen auch in Europa Fuß fassen.

Auf Bienen verzichten kann die Natur aber nicht: „80 Prozent der Pflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen und 80 Prozent davon benötigen die Honigbiene”, rechnet Klaus Vorderwülbecke vor. Der ökonomische Wert der Bestäubung liegt bei bis zu 60 Milliarden Euro weltweit.

„Die Gentechnik bringt mehr Schaden als Nutzen”, meint Peter Maske. „Was wir brauchen, ist eine europaweite Regelung.” Derweil wächst die Anzahl gentechnikfreier Regionen, wie Simone Knorr vom Infodienst Gentechnik berichtet: „Futtermittelhersteller und Gen-Lobby sind stark”, weiß sie. „Aber unsere Bewegung hat sehr hohen Rückhalt in der Bevölkerung. Die Imker müssen per Gesetz geschützt werden, denn für sie ist die Situation prekär. Warten wir ab, wie es nach der Bundestagswahl weiter geht.”

Ulrich Friske

Empfehlen
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
02.09.2009
08:48
Kein Schutz für Bienen und Honig
von Klaus Maresch | #1

Würde ich als Imker schwarz-gelb wählen, dann wäre das ein Verhalten, das ein Migrant an den Tag legt, der seine Stimme der NPD gäbe - also völliger Blödsinn.
Es sind die Politker aus den Reihen der CDU wie Katharina Reiche und Peter Bleser bzw. der FDP wie Christel Happach-Kasan, die die Grüne Gentechnik fordern und fördern wollen. Es sind diese heimlichen Botschafter von Monsanto und BayerCropscience in diesem Bundestag, die uns Imkern die Existenzgrundlage rauben.
Wenn meine Bienen etwas schwarz-gelbes am Flugloch sehen, dann wissen sie, da kommt eine Wespe, die raubt den Honig und die Brut und überträgt Krankheiten. Sowas läßt ein gesundes Bienenvolk nicht ins Haus.
Die Bienen müssen wir nachahmen, das wußte vor 2000 Jahren schon Seneca.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/164538/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Jahreskonferenz
Bildgalerie
Jahreskonferenz...
Busunfall in Siegen
Bildgalerie
Unfall
Eggeabtrieb 2011
Bildgalerie
Fotostrecke
Liese am Rednerpult
Video
EU
Foto
Aus dem Ressort
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 14
Fortsetzungskrimi
Wendler und Schulthof fluchten und fühlten sich an der Nase herumgeführt. In zwölf Städten und Gemeinden hatten sie vergeblich gesucht, hatten historische Stätten und touristische Sehenswürdigkeiten kennen gelernt und manchen städtischen Werbeblock gehört. Aber eine Spur von der Schwarzen Hand?
Foto Text
Das Geheimnis der schwarzen Hand, Folge 13
Fortsetzungskrimi
Die Wälder wurden immer tiefer und dunkler. Keine Menschenseele war zu sehen. Würde der Täter endlich Ernst machen?
Foto