Geschichte und Splitter

Seit der politischen Unabhängigkeit von Portugal im Jahre 1975 hat die hauptsächlich afrikanisch-stämmige Urbevölkerung der Kapverden ein zunehmendes nationales Selbstbewusstsein entwickelt. Neben kreolischen Einflüssen aus der Karibik sind auch solche aus anderen Ecken der Welt erkennbar, hergetragen von Einwanderern, Sträflingen, Abenteurern oder Rückkehrern. Denn die Arbeitslosigkeit hat viele der Kapverdier in der Ferne ihr Glück suchen lassen, etwa in der Seefahrt oder dem Pflegewesen. Mit dem dort verdienten Geld bauten sie oft in der Heimat kleine Existenzen auf, überwiegend in der noch im Wachstum befindlichen Tourismusbranche.

Auf São Vicente ist die Karnevalszeit eine ganz besondere – wichtiger als bei uns die sogenannte fünfte Jahreszeit. Sie wird auf den Kapverden ausgiebig genutzt, um die allgegenwärtige Armut und die tägliche Mühsal vergessen zu lassen. So wird in jedem Jahr schon kurz nach Aschermittwoch wieder das nächste Motto für den Karneval im folgenden Jahr festgelegt.

Verschiedene Fernsehsender dokumentieren den Karneval auf La Palma mit viel Hingabe. Sogar ein Aufnahmeteam des kubanischen Fernsehens drängt sich durch den immer dichter werdenden Strom weiß gekleideter oder bestreuter Menschen. Zum Schutz der empfindlichen Technik gegen den in der Luft schwebenden Puder sind die Kameras dicht mit Klarsichtfolie umhüllt, nur die riesigen Objektive lugen aus den Hüllen.

Der offizielle Teil des Straßenkarnevals beginnt, wenn die Negra Tomasa auf der Plaza de La Habana eintrifft. Auch diese Figur wurde in den Karneval der Palmeros erst in den neunziger Jahren eingeführt. Sie symbolisiert die dunkle Seite der auf Kuba bestehenden Vermischung von Schwarz und Weiß, ist also das Gegenstück zu den neureichen Weißen.