Gabriels Aufstieg
01.10.2009 | 19:21 Uhr 2009-10-01T19:21:00+0200Er wird der fünfte sein. Der fünfte SPD-Chef in zehn Jahren, wenn man denn die beiden kurzen Amtszeiten seines Vorgängers Müntefering als eine zählt.
Allein das sagt genug über den Umfang der Aufgabe, die Sigmar Gabriel bevorsteht. Einer in jahrelanger politischer Achterbahnfahrt durchgeschüttelten, seit langem siechen, mitterweile komatösen Partei neues Leben einhauchen, die Vier vor ihm sind daran gescheitert.
Der Zustand der SPD bringt es andererseits mit sich, dass hier überraschende Karrieren möglich sind. Vor ein paar Jahren war Gabriel abgemeldet: Wahlverlierer in Niedersachsen, mit der bizarren Funktion eines „Pop-Beauftragten” schmählich abgefunden, unter Genossen als Luftikus verrrufen - aus dem Mann wäre nichts mehr geworden, hätte Müntefering ihn nicht ins Kabinett geholt.
Der Umweltminister Gabriel hat sich durch rasch erworbene Sachkenntnis Respekt verschafft. Die Beachtung seiner Partei fand er in den vergangenen Wochen mit einem fulminanten Anti-Atom-Wahlkampf. „Rampensau”, „nordkurventauglich”, die SPD kann so einen gebrauchen.
Mit der neuen Troika an ihrer Spitze stellt sich die Partei strikt symmetrisch auf. Fraktionschef Steinmeier für die alten Schröderisten, Generalsekretärin Nahles für die Linken, Gabriel, der sich den pragmatischen „Netzwerkern” verbunden fühlt, aber mühelos links zu parlieren versteht, zwischen beiden. Wohin sie die SPD steuern? Früher oder später wohl an die Seite der Linkspartei. Es führt kein anderer Weg zur Wiedergewinnung innerer Stabilität. Ob auch zu neuer Mehrheitsfähigkeit, die Frage stellt sich noch nicht.
13:21
Ich verstehe, warum Herr Gabriel in seiner eigenen Partei soviel Ansehen erntet. Von Aussen gesehen ist aber schwer nachvollziehbar, wie ein Politiker, der völlig an der Realität vorbei gegen die Atomkraft wettert, auf Dauer parteiübergreifend erfolgreich sein kann. Mit dem Kopf durch die Wand macht man keine gute Politik!