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Sterbehilfe

Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab

20.12.2014 | 11:56 Uhr
Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab
Die Bundesregierung will schon bald die Palliativ- und Hospizversorgung ausbauen.Foto: dpa

Hagen/Berlin.   Der Deutsche Ethikrat hat sich im Grundsatz gegen eine ärztlich assistierte Selbsttötung ausgesprochen. Röspel: Hospize und Palliativvorsorge stärken

In der Debatte um eine gesetzliche Regelung zur Sterbehilfe plädiert der Deutsche Ethikrat dafür, jede Form der organisierten Suizid-Beihilfe zu untersagen. Suizidbeihilfe und Angebote dafür müssten verboten werden, „wenn sie auf Wiederholung angelegt sind und öffentlich erfolgen“, heißt es in einer Stellungnahme des Rates. Dies sei die Auffassung einer Mehrheit des 26-köpfigen Expertengremiums. Suizide sollten nicht den Anschein einer sozialen Normalität erhalten. Zugleich sollten aber frei verantwortliche Suizide und Beihilfe in Einzelfällen nicht unter Strafe gestellt werden. Der Hagener Bundestagsabgeordnete und Ethikexperte René Röspel begrüßte diese Äußerungen.

Not lindern

Wie der Ethikrat sprach sich auch Röspel für den flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung aus. „Bevor wir die Sterbehilfe regeln, sollten wir uns um dieses Thema kümmern. Das wäre der erste Schritt“, sagte der SPD-Politiker im Gespräch mit dieser Zeitung. „Eine gute palliative Versorgung lindert Not, kann Angst und Verzweiflung überwinden helfen und damit auf Fragen nach einer möglichen Unterstützung bei einer Selbsttötung lebensorientierte Antworten geben“, heißt es dazu in der Stellungnahme des Ethikrates.

Röspel ist guter Dinge, dass dazu aus dem Bundesgesundheitsministerium „schon im Januar oder Februar ein erster Entwurf vorliegen wird“ . Natürlich sei ein solcher Ausbau mit Mehrausgaben für die Krankenkassen verbunden, belaste mithin die Versicherten, „aber das ist gut ausgegebenes Geld“, sagt Röspel. Im Bundestag wie unter den Bürgern sieht er eine große Mehrheit für dieses Vorhaben.

Der Ethikrat macht sich ebenso stark für den Ausbau der Suizidprävention und nennt dabei etwa psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung oder den Ausbau niedrigschwelliger Beratungs- und Begleitangebote in Lebenskrisen.

Bei der Sterbehilfe selbst, so Röspel, benötige der Bundestag noch Zeit. „Grundsätzlich ist es für jeden Menschen möglich, Beihilfe zur Selbsttötung zu leisten“, sagen Ethikrat und Röspel übereinstimmend, „schließlich ist auch die Selbsttötung ja nicht strafbar“. Insbesondere die Rolle der Ärzte sei noch zu klären, hier gebe es Fragen, die „im Detail noch sehr kompliziert“ seien, sagt Röspel.

Der Ethikrat lehnte eine eigene gesetzliche Regelung für Ärzte ab, „auch weil auf diese Weise gleichsam erlaubte Normalfälle einer Suizidbeihilfe definiert würden“. Die Mitwirkung des Arztes bei einem Suizid sei „keine ärztliche Aufgabe“, gleichwohl könne es für schwer kranke Patienten wichtig sein, mit ihrem Arzt auch über Suizidpläne reden zu können.

Lorenz Redicker

Kommentare
21.12.2014
13:05
Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab
von michalek | #9

Über mein Lebensende möchte ich als selbstständiger Mensch und überzeugter Demokrat selbstbestimmen. Es geht nicht an das einige Menschen aus Politik...
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Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab
Ethikrat lehnt organisierte Selbsttötung grundsätzlich ab
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http://www.derwesten.de/wp-info/ethikrat-erst-suizidpraevention-staerken-dann-sterbehilfe-regeln-id10163955.html
2014-12-20 11:56
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