Eine Kreuzfahrt und anderer Irrsinn

Onno Viets spielt immer noch ganz ordentlich Tischtennis. Und er ist ein guter Zuhörer. Aber sonst? Finanziell hat er es mit bald 60 zu nichts gebracht, Reden ist seine Sache nicht, und optisch macht er auch nicht viel her. Und dennoch hat er es bereits zum zweiten Mal als Protagonist in eines der komischsten deutschen Bücher dieses Jahrtausends geschafft. Obwohl er immer noch traumatisiert ist durch die gewalttätigen Ereignisse in „Onno Viets und der Irre vom Kiez“. Die Karriere als Privatdetektiv gescheitert. Wie die als Journalist oder Wirt.

Aber der Erzähler in „Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen“, ein Tischtennis-Kumpel von Onno, besorgt ihm noch einmal einen Job. Als Leibwächter für Vetter Donald, der mit einem obszönen Kasperle-Theaterstück überraschenderweise zu Geld gekommen ist und der auf eine Kreuzfahrt gehen möchte, weil er sich in eine 30 Jahre jüngere Animateurin verguckt hat, die dort arbeitet. Und neben diversen anderen psychischen und physischen Störungen leidet Donald an dem Wahn, man werde ihn, wie jedes Jahr viele Reisende, über Bord werfen.

Das ist die absurde Ausgangssituation und nicht weniger absurd geht es weiter. Aber irgendwie folgerichtig. Misanthrop Donald steigert sich in immer ausufernde Schimpftiraden über den Kreuzfahrtirrsinn und die Menschheit insgesamt hinein, Onno hält still. Und beide putzen munter alkoholische Getränke weg. Viel mehr passiert eigentlich nicht, obwohl gegen Ende Spannung, Überraschung und sogar Tragik aufkommen. Aber wichtiger als das Was ist das Wie. Wie Frank Schulz alle Register des sprachlichen Witzes zieht, beim Fabulieren vom Neunundneunzigsten ins Tausenderste gerät, wie er das Subtile im Primitiven entdeckt und mit seinem Zeitlupen-Stil den Leser vor Lachen außer Atem bringt. Frank Schulz ist ein Großmeister einer Komik, die immer knapp neben der Depression liegt. Radikaler als Sven Regener und norddeutscher als Wolf Haas. Plattdeutsch, aber nicht platt.