Die Macht der Bank ist grenzenlos

Spannende Unterhaltung garantiert Martin Suter immer. In seinem jüngsten Roman leistet er noch mehr: Er gibt allen Verschwörungstheoretikern Futter, die über die Macht der Banken und die Komplizenschaft der Regierungen schimpfen. Vielleicht liegen sie ja völlig richtig. In „Montecristo“ sieht es so aus.

Jonas Brand würde gerne Spielfilme drehen, arbeitet aber als Videojournalist. Zufällig filmt er, als sein Zug wegen eines Personenschadens stehen bleibt. Dann vergisst er das wieder. Ein paar Monate später bekommt er zufällig zwei Hundert-Franken-Scheine mit identischen Seriennummern in die Finger. Beide sind echt, versichert ihm seine Bank. Jonas beginnt eine Recherche. Dann wird bei ihm eingebrochen. Dann wird er überfallen. Dann stirbt ein Mann. Und dann stellt Jonas fest, dass der Tote aus dem Zug ein Banker war. Und dass es da möglicherweise einen Zusammenhang gibt.

Dass Jonas über beides stolpert, ist schon reichlich unwahrscheinlich. Aber das stört nicht sehr, weil Suter das Drumherum so glaubwürdig vorführt: Die Welten der Banken und der Journalisten, Wetter und Lokalkolorit, die misstrauische Polizei und die Filmszene. In die wird Jonas ganz plötzlich katapultiert, als sein Filmprojekt „Montecristo“ auf einmal doch gefördert wird. Allerdings ist der größte Geldgeber des Filmfonds die Bank. Als Jonas für eine Recherche nach Bangkok reist, wird ihm eine lebensgefährliche Falle gestellt. Und dann wird es erst richtig spannend: Wem kann er überhaupt noch trauen? Dem versoffenen Wirtschaftsjournalisten, der ihn unterstützt? Der kommt bei einem Wohnungsbrand um. Und welche Rolle spielt eigentlich seine neue Freundin?

Im deutschen Sprachraum ist Martin Suter aus zwei Gründen einzigartig: Er baut perfekte Plots. Und er hat Kenntnisse über Milieus, die vielen seiner Kollegen eher fremd sind. Seine Stellung auf den Bestsellerlisten ist der verdiente Lohn.