Die Freiheit und wohin sie führt

Wird T. C. Boyle, der Kultautor der amerikanischen Gegenkultur, auf die alten Tage konservativ? Ganz so weit ist es noch nicht gekommen, aber in seinem neuen Roman „Hart auf hart“ sind die Außenseiter, denen früher meist seine Sympathie gehörte, mindestens so wahnsinnig wie das System, in dem die Mittelschicht es sich eingerichtet hat.

Das gilt in erster Linie für Adam, den 25-Jährigen mit allerlei psychischen und Drogenproblemen, der sich als Nachfolger des Waldläufers John Colter aus dem frühen 19. Jahrhundert sieht und sich in den Wäldern Nordkaliforniens wohler fühlt als unter Menschen. Und auch die 40-jährige Sara, die mit Adam eine Beziehung beginnt, hat zwar wenigstens einen Beruf als Hufschmiedin, sieht sich aber bereits in ihren Bürgerrechten eingeschränkt, wenn sie sich im Auto anschnallen oder einen Führerschein vorzeigen soll und sympathisiert mit rechtsradikalen Anti-Regierungs-Rebellen.

Die dritte Hauptfigur, aus deren Perspektive der Roman abwechselnd erzählt wird, ist Adams Vater Sten Stensen. Wir lernen den pensionierten Schuldirektor und Vietnam-Veteranen im Eingangskapitel kennen, wo er mit seiner Frau auf einer Karibik-Kreuzfahrt ist und bei einem Landausflug mit seiner Touristengruppe in Costa Rica in einen bewaffneten Raubüberfall gerät. Sten wehrt sich, schlägt dem Haupttäter die Pistole aus der Hand und drückt ihm die Kehle zu. Bis der Mann tot ist. Für diesen Akt übertriebener Gewalt wird er als Held gefeiert. Als sein Sohn Sten beginnt, im Wald auf Menschen zu schießen, wird er vom halben Staat gejagt. Sten ist angepasst, Adam weit entfernt davon. Sten kann seine Wut normalerweise kontrollieren, mit Adam macht sie, was sie will.

Das ist ein großes, amerikanisches Thema: die Freiheit und die Zivilisation. Boyle nähert sich ihm unideologisch, bleibt dicht bei seinen Figuren, zieht uns in ihre Welt. Im Detail ist das brillant erzählt, im Verlauf wirklich spannend und im Ergebnis sehr traurig. Nach einigen eher enttäuschenden Büchern ist T. C. Boyle wieder ein starkes Stück geglückt.