Breckerfeld ist frei von Schulden
02.10.2009 | 09:38 Uhr 2009-10-02T09:38:00+0200
Hagen. Vor nahezu elf Jahren hatte die Stadt Breckerfeld Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 12 Millionen Euro. Heute zahlt Bürgermeister Klaus Baumann die letzte Rate zurück: Breckerfeld ist frei von Schulden.
Damit gehört die Hansestadt zu einem kleinen elitären Kreis in Nordrhein-Westfalen: Nur sieben Kommunen im Land haben kein Geld aufgenommen: Reken und Raesfeld im Münsterland, Olfen und Niederzier im Raum Aachen, Issum am Niederrhein sowie Langenfeld. Und natürlich Düsseldorf. Vor zwei Jahren hat die Landeshauptstadt ein millionenschweres RWE-Aktienpaket verkauft und ihre Schulden getilgt.
Euro für Euro abgetragen
„Düsseldorf hat sein Tafelsilber verschleudert”, kritisiert Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler in NRW. Breckerfeld habe nun gezeigt, dass es auch anders gehe. Tafelsilber - so etwas gibt es in der südwestfälischen Kommune nämlich gar nicht. „Wir hatten keine Aktien, die wir verkaufen konnten”, erklärt der Bürgermeister.
Stattdessen hat man in der Stadt zehn Jahre lang Euro für Euro abgetragen. Wenn der Haushalt aufgestellt wurde, schätzte die Verwaltung die Einnahmen stets zurückhaltend. Jeden Euro, den die Kommune hinterher mehr einnahm als zuvor verplant, steckte sie in die Tilgung. 2005 zum Beispiel war ein gutes Jahr: 3 Millionen Euro strich Breckerfeld damals zusätzlich an Gewerbesteuer ein.
Auf der anderen Seite gab Breckerfeld kein Geld aus, das die Stadt nicht hatte. „Wir haben keine Investitions- und Kassenkredite mehr aufgenommen”, so Baumann. Vom berüchtigten Dezemberfieber ist man in Breckerfeld offenbar längst geheilt: Wenn am Ende vom Jahr Geld im Etat übrig blieb, wurde gespart, um später zu investieren. Zudem verkaufte die Kommune einige Grundstücke und steckte den Erlös in Straßen, Sportplatz, Schule und Kindergarten.
Folgekosten bedacht
Und bei jeder Investitionen bedenkt man in der Stadt die Folgekosten. Um zum Beispiel die neue Sportanlage zu unterhalten, ist eine GmbH gegründet worden, an der die Sportvereine beteiligt sind. Das kleine Unternehmen hält die Anlage in Schuss. Die Stadt beteiligt sich jährlich mit 20 000 Euro daran - und keinem Cent mehr. So bleiben die Folgekosten berechenbar.
Ohne die Bürger wäre Breckerfeld folglich seine Schulden nicht los geworden, betont Baumann. Er lobt das große Engagement der Einwohner. Und seiner Mitarbeiter: Um Personalkosten zu sparen, hat die Stadt Stellen abgebaut. Für die Beschäftigten, die im Dienst geblieben sind, bedeutet das mehr Arbeit. „Aber alle sind stolz darauf, dass wir nun schuldenfrei sind”, sagt Baumann.
Zudem macht sich das Engagement bezahlt: Von den Steuern der Breckerfelder bleibt mehr übrig. 730 000 Euro betrug im Jahr 1998 allein die Zinsbelastung. Geld, das die Stadt heute besser verwenden kann.
Diese Dividende hat man in der Stadt Langenfeld an die Bürger ausgeschüttet, berichtet Eberhard Kanski vom Steuerzahlerbund. Mehrmals hat Langenfeld die Gewerbe- und Grundsteuer gesenkt. Ein Vorbild auch für Breckerfeld?
Ziel: Keine Schulden mehr machen
Mitten in der Wirtschaftskrise will das Stadtoberhaupt den Einwohnern keine Hoffnungen machen. Er fürchtet, dass einerseits Gewerbe- und Einkommenssteuer wegbrechen, andererseits die Kreisumlage erhöht wird. „Wir müssen vermutlich eine Million Euro Mindereinnahmen verkraften”, warnt Baumann.
Trotzdem will er auch künftig keine Schulden mehr machen. Wie die Stadt Raesfeld: Seit 15 Jahren bereits hat die Kommunen keine Verbindlichkeiten mehr.
17:19
Oder?
Als Hagener in Breckerfeld wandern gehen, die Radwege benutzen, in der Glörtalsperre schwimmen, zum Junggesellenschützenfest gehen, auf dem neuen Sportplatz Fußball spielen, die Kinder zur Breckerfelder St.-Jakobus-Realschule schicken ...
da gibt es bestimmt noch mehr Punkte. Oder?
16:35
Da kann man nur neidvoll nach Breckerfeld schauen. Vielleicht kommen mir deshalb solche Gedanken, wie in Breckerfeld wohnen, in Hagen arbeiten, ins Theater gehen, die Stadthalle besuchen wenn mal wieder ein Konzert stattfindet, Schwimmen gehen fällt mir ein, Museen besuchen, Einkaufen und vieles mehr. Alles muss vorgehalten werden, auch die dazu notwendige Infrastruktur. Aber darüber braucht man sich in Breckerfeld ja keine Gedanken zu machen. Oder?
16:15
Lieber auf dem Land und schuldenfrei ...als in einer Großstadt vorm geschlossenen Theater
12:42
In einer Ruhrstadt wäre Breckerfeld nicht frei von Schulden, sondern müsste die Schulden von Oberhausen, Duisburg und Dortmund mittragen.
unrealistisches Zukunftskonzept ...
12:19
Breckerfeld ist frei von Schulden, wie lange noch?
Es fragt sich nur, wie lange noch, wenn einige Damen und Herren von Pro.Ruhrgebiet, eine Ruhrstadt von Alpen bis Brekerfeld, und somit die Loslösung von Niederrhein und Westfalen fördern.
In einer Ruhrstadt wäre Breckerfeld nicht frei von Schulden, sondern müsste die Schulden von Oberhausen, Duisburg und Dortmund mittragen.
08:59
Die Stadt Breckerfeld hat nicht nur einige Grundstücke verkauft - es waren mehrere hundert! Die letzten zu einem Quadratmeterpreis von 190 Euro.
Zudem haben Bürgermeister und CDU-Fraktion in der letzten Legislaturperiode die Grundsteuer B um ein gutes Stück erhöht, es wären mehr gewesen, wenn da nicht die Opposition gewesen wäre. Bei der Grundsteuer A (für landwirtschaftliche Flächen etc.) liegt Breckerfeld im Vergleich im oberen Bereich - wo doch der Bürgermeister immer so viel für die Bauern(schützen) übrig hat.
Zuletzt bringen die Gebührenkalkulationen von Klärschlamm, Abwasser und Co. Überschüsse herein. Natürlich machen das alle Kommunen so, aber warum sind die anderen Städte immer noch so hoch verschuldet?
Hier in Breckerfeld werden alle Leistungen ausgelagert. Anbau der Feuerwachen: macht die freiwillige Feuerwehr. Stadtmarketing und anderes: Vereine. Neuer Sportplatz: hätten die Sportvereine keine gGmbH gegründet ... Spenden für die Vereine (nicht nur im Wahlkampf): aus der Gewinnausschüttung der Sparkasse.
Nicht erwähnt wird in dem Bericht, dass Breckerfeld lediglich keine Bankkredit-Schulden mehr hat, die anderen Verbindlichkeiten in Millionenhöhe (rund 1,5 Mio zum 1.1.2009) fallen unter den Tisch.
08:38
Ist ja wahnsinn, das so ein Dorf wie Breckerfeld dies geschafft hat - wen wundert sowas eigentlich?
21:20
Eigentlich unglaublich, daß dies der Sonderfall und nicht der Normalfall ist. Jeder vernünftig wirtschaftende private oder betriebliche Kaufmann würde nie anders verfahren. Wo man hinkommt, wenn man Zinsen durch Schuldenneuaufnahme ab-bezahlt, kann man sehr schön im benachbarten Hagen sehen.