Aus für Hertie ist endgültig besiegelt
26.06.2009 | 19:04 Uhr 2009-06-26T19:04:00+0200Meschede/Frankfurt. Die letzten Hoffnungen der Hertie-Beschäftigten in Meschede und an den 53 anderen Standorten auf eine Rettung der insolventen Kaufhauskette sind zerstoben.
Der von den Bürgermeistern der 54 Städte initiierte Gipfel mit dem Immobilieneigentümer MABV und der Deutschen Bank als Hauptgläubiger brachte für Hertie keine Wende mehr.
Bitterer Tag für Meschede
„Da sind heute die letzten Türen zugefallen”, sagte Meschedes Bürgermeister Uli Hess nach dem Ende des Treffens in Frankfurt. Es sei ein bitterer Tag für Meschede und vor allem für die 60 Hertie-Mitarbeiter. „Die Bürgermeister müssen hinnehmen, dass für eine Fortführung keine Chancen gesehen werden”, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der Kommunalpolitiker und des Dawnay-Day-Partners Mercuria Aquisitions (MABV). Bürgermeister und Beschäftigte hatten ihre Hoffnung auf eine chinesische Investorengruppe gesetzt, die die Kaufhäuser mit bisher rund 2600 Beschäftigten weiter betreiben wollte, aber geringere Mieten verlangte.
Kritik an dem Treffen wurde von Arbeitnehmervertretern und vom Insolvenzverwalter laut. „Wir sind nicht von der Deutschen Bank eingeladen worden”, sagte der Sprecher Bährs. Auch die potenziellen Investoren aus China nahmen nicht teil. Der selbst insolvente britische Finanzinvestor Dawnay Day hatte von ihnen nach eigenen Angaben eine Vertraulichkeitserklärung gefordert, die aber ausgeblieben sei.
Skandal
Die stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Beyer bezeichnete dies als „Skandal”. Es sei „unglaublich”, miterleben zu müssen, wie der Eigentümer mit der Zukunft der Beschäftigten umgehe. Eine Auffanglösung wie etwa bei Woolworth ist für sie nicht in Sicht. Die Verhandlungen über einen Sozialplan dauerten noch an, erklärte ein Hertie-Sprecher.
Die Hertie-Gläubigerversammlung hatte die Schließung der 54 restlichen Kaufhäuser schon vor dem Treffen beschlossen. 19 hatten bereits im Frühjahr die Pforten geschlossen, darunter auch die Filiale in Wetter. Für 11 Kaufhäuser hat die von Dawnay Day mit deren Verwertung beauftragte Immobilienmakler AtisReal nach eigenen Angaben bereits Nachmieter gefunden. In drei Häuser zieht die Supermarktkette Kaufland ein. Über weitere würden konkrete Verhandlungen geführt.
Keine Verödung der Innenstädte
„Eine Revitalisierung von Hertie ist kein Thema mehr”, betonte Christoph Meyer von AtisReal. „Viele Häuser waren in einem schlimmen Zustand.” Hertie habe seit einem Jahr keine Mieten mehr bezahlt. „Es wird dort in allen Fällen wieder Einzelhandel geben”, versprach Meyer. Die Bürgermeister fürchten eine Verödung ihrer Innenstädte, wenn Hertie auszieht.
Meschedes Bürgermeister Hess wollte deshalb in Frankfurt auch Ansprechpartner kennenlernen, die für eine Weiternutzung der Immobilie wichtig sind: „Nur dann können wir als Vermittler tätig werden.” Ein Gespräch mit einem möglichen Investor habe bereits stattgefunden. Doch der habe um Stillschweigen gebeten. „Dawnay Day geht es darum, die Immobilien so schnell wie möglich zu Geld zu machen”, sagte Hess. Grundsätzlich wolle die Stadt für die Hertie-Fläche einen Investor gewinnen, der das alte Sortiment an Ort und Stelle wieder anbieten könne. Hess möchte zudem, wenn der Betriebsrat einwilligt, eine Liste erstellen, auf der alle Hertie-Mitarbeiter mit ihren Qualifikationen aufgelistet werden. Die könne man einem neuen Arbeitgeber so übergeben.
In den Hertie-Häusern läuft seit Mittwoch der Räumungsverkauf. Insolvenzverwalter Bähr erklärte, sie könnten schneller leergekauft sein als gedacht. „Wir haben Umsatzsteigerungen ohne Ende”, sagte sein Sprecher. Die Filialen könnten wahrscheinlich schon vor Ende Juli schließen.
13:25
Hertie in Meschede ist tot!
Wer sich nun durch die Eingangshallen wagt, dem entgegnet das kalte Grausen.
Die Regale leer und es gibt lange Gesichter bei den Verkäufern, die immer noch jeden Kunden auf Schritt und Tritt verfolgen. Der Kunde fühlt sich immer noch schuldig! Er ist schuld, dass Hertie schließt!
Aber Herties Sortiment war auch schon lange unter aller Kanone!
Die Multimediaabteilung verdiente ihren Namen nicht. Die Waren waren alt und rückständig, nicht auf dem neuesten Stand der Technik.
Ich weiß, wovon ich schreibe! Ich habe bei Hertie Drucker gekauft, die nur Probleme bereiteten.
Liebe Grüße
herzi ;-)
13:46
@ waz
die Gesellschaft heißt Mercatoria und nicht Mercuria. Es würde schon Sinn machen, wenn Sie richtig recherchieren würden und nicht alles Nachplappern !!!
@ alle anderen
Es ist logisch nachvollziehbar (aufgrund der ketzerischen Hetze der vergangenen Wochen!), dass die Vertreter seitens Dawnay Day ohne vorliegende Vertraulichkeitserklärung die Gegenseite nicht einlädt zu dem Gespräch, da den Damen und Herren von Hertie und dem Insolvenzverwalter mehr daran gelegen ist, Dawnay Day in der Presse auseinander zu nehmen, statt eine Lösung zu finden.
Vor dem Gespräch habe ich schon gesagt (auch in diesen Kommentaren), dass es nur noch um die Standortverwertung geht und nicht mehr um Hertie. Die Bürgermeister der Kommunen wären gut beraten mit Dawnay Day jetzt an einem Strang zu ziehen und die Immobilien so schnell wie möglich wieder mit neuen Mietern oder neuen Eigentümern zu versorgen, damit die Standorte nicht veröden.
Nochmal: Hertie ist tot, absolut mausetot, um die geht es jetzt nicht mehr, so hart das auch klingen mag.
Ich selbst habe versucht noch etwas bei Hertie zu kaufen, vielleicht auch mit dem Gedanken ein Schnäppchen zu machen. Ich habe nichts gefunden, gar nichts, trotz 10% Rabatt. Speicherkarten waren auf 3,99 € gesenkt, hatten aber nur 256 MB. Das hätte man vor 3 Jahren vielleicht verkaufen können, heute aber nicht mehr. Ohne Dawnay Day wäre Hertie bereits seit 3 Jahren tot, begreift das endlich !
Die ersten Hertie-Beschäftigten fordern die Enteignung von Dawnay Day. Dafür sollten diese Leute aber auch hinter der Mauer leben und nicht davor, wenn sie dies jetzt fordern. Wo lebt Ihr eigentlich !?