Auf der Flucht vor Träumen

Man kann das als Krimi lesen. Der Münchner Hauptkommissar Fallner hat bei einem Einsatz einen jungen Libanesen erschossen. In Notwehr. Aber die Waffe, die der Junge ziehen wollte, wurde am Tatort nicht gefunden. Das könnte für Fallner auch deshalb üble Folgen haben, weil die bayerische Polizei wegen einiger Skandale ziemlich in der Kritik steht. Der Kommissar ist also beurlaubt. Er macht seinen alten Traum wahr, endlich einmal mit der Bahncard 100 kreuz und quer durch die Republik zu fahren. Vom Chef bekommt er noch den Zusatzauftrag zu klären, ob ein paar tote Frauen in der Nähe von Bahnhöfen das Werk eines Serienkillers sind.

Doch im Zentrum von Franz Doblers Roman „Ein Bulle im Zug“ steht das nicht. Das Zentrum sind die nächtlichen Zugfahrten, das schlecht gelaunte Geschimpfe des desillusionierten Polizisten und die Träume, in denen ihm der Tote erscheint. Fallner rekapituliert Szenen seiner Ehe, Unterhaltungen mit der Psychologin, zu der man ihn geschickt hat, räsoniert über Musik und die Menschen allgemein. Und fast wider Willen mag man den Mann nach und nach. Der Ton macht eben die Musik. Und den hat Franz Dobler drauf wie wenige in Deutschland.