Auch wo Bio drauf steht, kann Kupfer drin sein
07.10.2009 | 18:49 Uhr 2009-10-07T18:49:00+0200
Hagen. Die Bioverbände streuben sich gegen eine Erhebung, an der sich seit 2000 Betriebe der konventionellen Landwirtschaft freiwillig beteiligen. Darin geht es um die Verwendung von Pestiziden. Doch auch die Biobranche spritzt - u.a. mit Kupfer.
„Die Ökoverbände hausieren ja damit, dass sie gar nicht spritzen, aber sie tun es eben doch”, sagt Stefanie Hahn, Sprecherin des an das Bundeslandwirtschaftsministerium angeschlossene Julius-Kühn-Instituts, das die Erhebung über die Pestizide durchführt. Eben das Spritzen in der Biolandwirtschaft sei vielen Verbrauchern nicht bekannt. Daher ist das Institut interessiert an einer flächendeckenden Erhebung.
Benachteiligt
Gegen diese stellen sich die Bioverbände, darunter Bioland mit 5000 angeschlossenen Betrieben. Sie fühlen sich gegenüber der konventionellen Landwirtschaft benachteiligt. Bei der Erhebung werde die Intensität der Stoffe an der Anzahl der Behandlungen festgemacht, sagt Bioland-Präsident Thomas Dosch. „Die Erhebung ist uns zu industriefreundlich, da die Zahl der Behandlungen nichts über das tatsächliche Risiko der Behandlung aussagt.” Weil die ökologischen Stoffe nicht so effektiv wie die chemischen Mittel seien, werde für Bio mehr gespritzt.
Die Bioverbände verhehlen dabei gar nicht, dass sie zusätzliche Mittel verwenden. Auch seitens des Julius-Kühn-Instituts ist von keinerlei verbotener Substanzen die Rede. Die zugelassenen Wirkstoffe sind von der EU festgelegt. Das sind natürliche Pflanzenextrakte oder Mineralstoffe wie Schwefel - und eben auch Kupfer. „Vor allem im Wein- und Obstanbau, bei Hopfen und auch Bio-Kartoffeln hilft Kupfer enorm gegen Pilzbefall”, sagt Thomas Dosch.
Durchaus gefährlich
Das Umweltbundesamt in Dessau schätzt Kupfer aber als durchaus gefährlich für die Eigenschaften des Bodens ein, spricht sogar von einem Schwermetall. „Das Problem ist, dass sich Kupfer im Boden nicht selbst abbaut und schädlich gegenüber Bodenorganismen ist”, sagt Petra Greiner. Auch wenn der Eintrag reduziert werde, baue sich der Kupfergehalt weiter auf.
Die Bio-Landwirtschaft reduziert daher nach eigenen Angaben den Kupfergehalt stetig. „Unser Ziel ist, nicht mehr Kupfer zu verwenden, als die Pflanzen dem Boden entziehen”, sagt Thomas Dosch. Den Schwarzen Peter nur den Bioverbänden zuzuschieben, sei daher zu eindimensional. 2008 landeten 34,1 Tonnen Kupfer durch ökologischen Anbau auf Deutschlands Feldern, während konventioneller Dünger alleine 2300 Tonnen abwarf.
Kupfer-Verbot
Trotzdem: Das Umweltbundesamt bleibt bei der Forderung, Kupfer als Pflanzenschutzmittel ganz zu verbieten. Während die konventionelle Landwirtschaft aber auf chemische Stoffe zurückgreifen könne, sei ein Verbot für die Biobetriebe laut Thomas Dosch problematisch: „Wenn Kupfer untersagt wird, dann machen wir eben keinen Ökoweinbau mehr.”
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