Al dente bis zum letzten Altersreim

Wenn Fritz Eckenga Ende Januar unglaublicherweise seinen 60. Geburtstag feiert, wird es, seinem Multitalent angemessen, multiple Glückwünsche regnen. Das schönste Geschenk aber hat ihm (und uns) schon vorzeitig der Verlag Antje Kunstmann gemacht: die gesammelten Gedichte in einem kleinen, feinen, dicken, von Ernst Kahl schön illustrierten edlen Leinenband zum verblüffend günstigen Preis. „Mit mir im Reimen“ heißt das Werk, das leicht über den Winter trägt und den Frühling und das ganze Jahr bis weit hinaus in die Zukunft und hinein in dunkle Tage, in denen Eckenga dereinst in Rente geht. Nein, geht er gar nicht: „Honorar und niemals Rente! / Bis zum letzten Altersreim! / Nichts Püriertes! Nur al dente! / Kommt mir nicht mit Haferschleim!“ heißt es in „Das Methusalem-Komplott“. Das ist beruhigend, wenn auch mit beunruhigend vielen Ausrufezeichen versehen.

Sonst aber gibt es auch an der Zeichensetzung wenig zu beklagen. Fritz E. als Dichter ist ja schon genügend und verdientestermaßen gerühmt und verglichen worden mit den Größten, also Kästner, Gernhardt oder Morgenstern. Weil er so viel verbindet: Empörung und Melancholie, Ironie und schlichte Weisheit, anarchischen Witz und Charme mit Stil. Verbunden ist das durch den Spaß am Spiel mit der Sprache, dem Feingefühl für Zwischen- wie falsche Töne und dem in tausend Schlachten gestählten Willen, auf keine Pointe zu verzichten. Das macht Hoffnung, noch lange Bissiges statt Schleim aus Dortmund zugereimt zu bekommen. Bis hierhin jedenfalls vielen Dank.