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Protestveranstaltung

Ärzte wollen für ihre Praxen kämpfen

23.04.2009 | 18:02 Uhr

Brilon. Dr. Ralf Certa, Unfall-Chirurg aus Brilon, rief bei einer Patienteninformationsveranstaltung vor etwa 1800 Menschen zu schnellen und gravierenden Veränderungen in der Gesundheitspolitik auf.

Mit selbstgemachten Plakaten demonstrieren die Ärzte nicht nur aus dem Sauerland gegen die Gesundheitspolitik. Foto: Schmidt

Im deutschen Gesundheitswesen laufe eine ganze Menge falsch. Darin waren sich bei der von Emotionen geprägten Veranstaltung zumindest die Ärzte, die vielen unzufriedenen Patienten sowie die Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Romberg (FDP) und Barbara Steffens (grüne) einig. Kritikpunkte: Für Kassenpatienten ist oft kein Geld mehr da. Es wird zu wenig in Prophylaxe investiert. Ländlichen Praxen fehlt oft der Nachwuchs, in Krankenhäusern oder Heimen werden Stellen gestrichen, sodass die Krankenpfleger überlastet sind. Genau wie Klinikärzte. Der Patient kommt bei der Bürokratie zu kurz.

„Für eine direkte Arzt-Patienten-Bindung”, „Für ein freies Gesundheitswesen” oder „Begrenzte Ärzte helfen begrenzt” - die Briloner Schützenhalle war plakatiert mit Protestplakaten.

Sachliche Diskussion angestrebt

Hauptinitiator der Großveranstaltung, Dr. Ralf Certa: „Es muss dringend etwas passieren. Wir wollen aber sachlich diskutieren und keinen Kleinkrieg führen zwischen Ärzten, Krankenkassen, der Kassenärztlichen Vereinigung oder Apotheken. Das bringt nichts. Wir sind alle in ein Korsett gezwungen worden, was uns von Berlin aus aufgezwungen wurde - aber aus diesem müssen wir uns schleunigst befreien!”

Ein Zuhörer machte seinem Unmut so lautstark Luft, dass ein Ordner für Ruhe sorgen musste. Der Frust lud sich vor allem beim Vertreter der SPD, dem Soester Bundestagsabgeordneten Eike Hovermann, dem Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Ulrich Thamer, und dem Vertreter für die gesetzlichen Krankenversicherungen, Dr. Matthias Geck (AOK), ab. Warum wird welche Behandlung zugelassen oder untersagt? Warum stecken die Krankenkassen soviel Geld in Werbung statt in Prophylaxe? Warum wird ein Patient erst behandelt, wenn er krank ist? Und welche Lobby steckt in Berlin dahinter, dass so eine Politik gemacht werde? Auch Buchautorin Renate Hartwig ('Der verkaufte Patient') sparte nicht mit Kritik. Ihr Beitrag wurde mit stehendem Applaus bedacht. Hartwig: „Ärzte und Patienten müssen eng zusammenrücken. Ich will, dass in diesem Land jetzt gehandelt wird, sonst ist es zu spät!”

„Wir brauchen dringend eine politische Kehrtwende!” Dr. Certa

„Wir haben im Bereich Gesundheitspolitik nicht fünf vor zwölf, sondern viertel nach zwölf. Besonders die landärztliche Versorgung ist gefährdet. In dem derzeitigen System bringt nur der kranke Patient Geld. Und Erfolg wird nur noch in Geld gemessen”, so Dr. Certa. Eine „Geiz-ist-geil” Mentalität dürfe beim höchsten Gut des Menschen, der Gesundheit, keinen Einzug halten. „Wir brauchen dringend eine politische Kehrtwende!” Die Forderungen der Ärzte sind klar: Mehr Transparenz, mehr Entscheidungsfreiheit, mehr Rechte. So hieß es am Ende:„Das war erst der Auftakt. Wir werden kämpfen - für unsere Praxen und für unsere Patienten.”

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Von Katrin Schmidt

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