A 46 auf der Streichliste vergessen
12.04.2010 | 18:22 Uhr 2010-04-12T18:22:00+0200
Berlin/Hagen. Beim BUND setzt man Prioritäten: „Bei uns ist es ganz hoch angesiedelt, den Ausbau der A 46 zu stoppen”, sagt Werner Reh, Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.
Gestern veröffentlichte der BUND in Berlin eine „Streichliste unsinniger Verkehrsprojekte”. Eine Streichliste im wahrsten Sinne: Denn ausgerechnet die argumentative Speerspitze des Papieres fehlte auf der Liste: die A 46.
„Das ist ein Versehen. Wir haben sie vergessen”, entschuldigt sich Reh, „aber wir werden sie ergänzen”. Inklusive der Autobahn, die in Hemer ein jähes Ende findet, ist die Liste mit 200 Straßenbau-Projekten dann zwar formal komplett, eine Spar-Liste ist sie aber immer noch. Der BUND führt hier Vorhaben auf, die für die Umweltschützer jeder Notwendigkeit entbehren. Außerdem seien sie mit besonders schweren ökologischen Eingriffen verbunden. Sparwert der Liste: 30 Milliarden Euro. Diese Summe würde die Realisierung aller Streichlisten-Bauvorhaben kosten.
Ob die Baukosten für den Weiterbau der auf der Streichliste nun nur noch entschuldigt fehlenden A 46 hier bereits eingerechnet sind, war beim BUND gestern nicht aufzulösen. Sind sie es nicht, kämen weitere 300 Millionen Euro hinzu. Mit diesem Betrag würde der Bau der Strecke von Hemer bis nach Arnsberg/Neheim in etwa zu Buche schlagen. Aber soweit soll es nicht kommen. Das hofft jedenfalls Werner Reh: „Das Ding ist ökologisch völlig unvertretbar, verkehrspolitisch sinnlos und viel zu teuer”, erklärt er, was eine längere A 46 für den BUND so entbehrlich macht. „Wir haben einen besseren Vorschlag”, verspricht er und meint damit eine „regionale Netzlösung”. „Ausbau statt Neubau. Das ist unsere Maxime”, verdeutlicht Reh.
„Es ist ja gar kein Neubau, sondern das Schließen einer Lücke”, entgegnet Christoph Brünger von der SIHK Hagen, die den Weiterbau der A 46 unterstützt. „Wir brauchen diesen Lückenschluss als interne Verbindung der Wirtschaftsregionen Märkischer Kreis und Hochsauerlandkreis”, argumentiert Brünger weiter. Ein Ausbau vorhandener Straßen sei keine Alternative: Ziel ist eine kreuzungsfreie Verkehrsführung jenseits der Ortschaften.” Bei der Ausarbeitung einer Linienführung bestehe dann aber Verhandlungsspielraum: „Die Bedenken des BUND kommen ja nicht zu Unrecht. Wir müssen sie beim Bau so weit es geht berücksichtigen”, so Brünger.
Klingt, als würden die Bagger bereits in den Startlöchern stehen. Das ist allerdings bei Weitem nicht der Fall. „Das Projekt steht seit 2003 auf dem Bundesfernstraßen-Bedarfsplan und ist seit einigen Jahren im Linienfindungsverfahren”, erklärt Mirjam Grotjahn, Sprecherin des NRW-Verkehrsministeriums. Nächster Schritt wäre eine Umweltverträglichkeitsstudie. „Dieser greift der BUND mit seiner Liste ohne eine fundierte Untersuchung vor”, kritisiert Grotjahn. Werner Reh dürfte auf diesem Ohr taub sein. Ihm geht es ohnehin ums große Ganze: „Ziel ist eine Reform der Bau-Planung. Es werden viel zu viele Projekte in Angriff genommen. Bei leeren Kassen. Ohne Rücksicht auf Ressourcen.” Gegen diese „Missstände” will der BUND also mit seiner „Streichliste” ins Feld ziehen. Und das zunächst sogar ohne Speerspitze.
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