Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Hauskauf

Vor dem Kauf von gebrauchten Häusern lieber genauer hinschauen

08.10.2012 | 08:45 Uhr
Vor dem Kauf von gebrauchten Häusern lieber genauer hinschauen
Der Schein kann trügen: Man sollte vor Kauf einer gebrauchten Immobilie fachliche Meinungen einholen.Foto: GettyThinkstock

Berlin.  Experten warnen vor übereilten und unbedachten Immobilienkäufen. Das gilt besonders bei gebrauchten Häusern, weil sie meist Sanierungsbedarf haben. Am besten, man zieht einen neutralen Experten hinzu, damit das vermeintliche Traumhaus sich nicht später als Albtraum entpuppt.

Oft ist es Liebe auf den ersten Blick. Das Haus erscheint perfekt, die Lage ideal, der Preis akzeptabel. Ein Traumhaus eben. "Bei der Entscheidung für ein gebrauchtes Haus spielen Emotionen eine große Rolle", weiß Ulrich Zink, Vorsitzender des Bundesarbeitskreises Altbauerneuerung und Autor des Ratgebers "Das gebrauchte Haus" der Stiftung Warentest.

Alte Häuser haben ihren ganz besonderen Reiz, sie drücken immer auch den Charakter und die Lebensweise der vorherigen Bewohner aus. Das spricht viele Käufer an. "Man sollte sich aber nicht von seinen Gefühlen überwältigen lassen, sondern möglichst planmäßig vorgehen, ehe man sich für ein bestimmtes Objekt entscheidet." Denn was an einem Sommerwochenende in der Sonne glänzt, kann bei Regen und Schnee zur Belastung werden. Und der Atem der Geschichte kann dann auch etwas abgestanden duften.

Gebrauchtimmobilien haben Vor- und Nachteile. Positiv ist der Umstand, dass sie bereits fertig gebaut sind und schon bewiesen haben, was sie können. Sie befinden sich häufig in begehrten Gegenden, während neue Baugrundstücke meist in typischen Neubaugebieten oder Randlagen anzutreffen sind. Zudem stehen die Preise fest und liegen bei vergleichbaren Wohnlagen in der Regel deutlich unter denen von Neubauten, so der Experte.

Vom Traumhaus zum Albtraumbau

"Diesen Vorzügen stehen aber Risiken gegenüber, die nicht zu unterschätzen sind", warnt Ulrich Zink. Zum Kaufpreis und den Nebenkosten können weitere Kosten für Renovierung und Sanierung kommen, die auf den ersten Blick schwer einzuschätzen sind. Oft hat sich beim Wunschobjekt ein Modernisierungsstau gebildet, der die gesamte Finanzierung in Gefahr bringt. "Schnell wird dann aus dem Traumhaus ein Albtraumbau." Er empfiehlt, sich Klarheit zu verschaffen, und zwar lange bevor der Kaufvertrag unterschrieben wird.

Nicht nur über den Zustand des Hauses, sondern vor allem auch über die eigenen Wünsche und Erwartungen an die Immobilie. "Das größte Risiko ist nämlich nicht das Haus, sondern der Käufer." Wer sich für ein gebrauchtes Haus interessiert, sollte vorab sein eigenes Bauherrenprofil erstellen. Das schränkt die Auswahl dann schon wesentlich ein. Dazu muss er zum Beispiel überlegen, wie viele Personen das Gebäude nutzen werden, ob es sich um eine Familie mit Kindern oder vielleicht ein Mehrgenerationenhaus handelt, welchen Grundriss es haben sollte und welche Rolle Lage, Architektur, Ambiente und Material spielen. "Es kommt vor, dass Leute erst nach dem Kauf feststellen, dass sie gar keinen Platz für ein dringend benötigtes Arbeitszimmer haben."

Gebäudediagnose ist Pflicht

Zur Vorbereitung gehören auch die Analyse der eigenen finanziellen Situation, die Recherche nach Fördermöglichkeiten und die realistische Einschätzung der Eigenleistungen. "Manche Bauherren entscheiden sich für ein baufälliges Gebäude, weil es einen gewissen Charme und einen vermeintlich günstigen Preis hat", erzählt Zink. "Sie wollen es dann nach und nach selbst sanieren. Dabei überschätzt man sich aber leicht, vor allem, wenn man nicht planvoll vorgeht."

Da die wenigsten Käufer gebrauchter Immobilien ausgewiesene Bauexperten sind, empfiehlt er bei der Suche unbedingt einen neutralen Berater hinzuzuziehen. "Der Bauherr braucht einen Altbauexperten, der gewissermaßen als 'Hausarzt" fungiert und ihn bei der Beurteilung der Immobilie begleitet. Er kann den Instandhaltungs- und Modernisierungsbedarf einschätzen und später die notwendigen Arbeiten planen und organisieren." Ohne eine gründliche Gebäudediagnose von einem Experten, sollte man ein gebrauchtes Haus nicht kaufen.

Alles in allem ist viel Geduld gefragt, denn die Liebe auf den ersten Blick hält nicht immer der kritischen Analyse stand. Viele suchen monate- oder sogar jahrelang. "Beim Hauskauf geht es um sehr große Summen und um Bauwerke, die lange Zeit Bestand haben sollen", so Ulrich Zink. "Hast und überstürzte Entscheidungen sind da nicht angebracht." (dapd)



Kommentare
Aus dem Ressort
Mieter dürfen musizieren
Wohnen
Natürlich geht es den Nachbarn schon mal auf die Nerven, wenn jemand ständig sein Instrument spielt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Musizieren erlaubt ist - wenn die üblichen Ruhezeiten beachtet werden.
Rot-Rot-Grün in Duisburg will Grundsteuer kräftig erhöhen
Haushalt
In Duisburg sollen keine Bäder und Bibliotheken geschlossen werden. Auch die Elternbeiträge für Kindergärten bleiben stabil. Das hat eine Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken beschlossen. Um den Haushalt auszugleichen, soll stattdessen die Grundsteuer steigen. Von bisher 695 auf 855 Punkte.
Strompreise sinken erstmals nach 14 Jahren
Energie
Anfang 2015 senken viele Stromversorger die Preise - nach 14 Jahren Preisanstieg. 35 Euro können Familienhaushalte damit im Jahr sparen. Endlich die Trendwende - oder "zu spät und zu wenig", wie Kritiker meinen?
Zinsen zu gut – LBS in NRW will Tausenden Kunden kündigen
Bausparen
Nicht jeder Bausparer will den Traum einer eigene Immobilie verwirklichen. Manche sind vor allem an guten Zinsen für ihr Erspartes interessiert. Einige Bausparkassen mögen das nicht länger dulden. Die LBS West etwa droht jetzt mehreren Tausend Kunden in NRW, ihnen die Bausparverträge zu kündigen.
Renovierung nach Küchenbrand: BGH gibt Mietern recht
Wohnen
Ein Feuer in der Wohnung verursacht oft großen Schaden. Doch wer kommt dafür auf? Darüber hatte jetzt der Bundesgerichtshof (BGH) zu urteilen. Klar ist: Mieter können nicht alles auf ihren Vermieter abwälzen. In einigen Fällen sind sie selber gefragt.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos
Modisches Design bei Möbelstücken
Bildgalerie
Fotostrecke
Neue Trends beim Küchendesign
Bildgalerie
Fotostrecke
Wandbilder von Essen
Bildgalerie
XXL-Fotos