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So schützen Sie sich vor unseriösen Schlüsseldiensten

18.09.2012 | 15:32 Uhr
Die schwarzen Schafe der Branche lassen sich einiges einfallen, um abzukassieren.Foto: Kai Kitschenberg

Berlin.  Bei Schlüsseldienste gibt es reichlich 'schwarze Schafe'. Sie nutzen zum Beispiel aus, dass nirgends geregelt ist, wieviel ein Schlüsseldienst für das Öffnen einer Tür höchstens verlangen darf. Und wer in der Notsituation die erstbeste örtliche Nummer anruft, ist trotzdem nicht vor Abzocke gefeit.

Rumms! Ein unachtsamer Moment, und die Tür ist zu. Wohl dem Ausgesperrten, der einen Zweitschlüssel beim Nachbarn weiß oder die Eingangstür mit einer Plastikkarte selbst wieder aufbekommt. Pechvögeln bleibt nur der Schlüsseldienst – und der kann teuer werden.

Die schwarzen Schafe unter den Anbietern lassen sich einiges einfallen, um abzukassieren. Eine Masche lautet: Viel kaputt machen, um so viele überteuerte Ersatzteile wie möglich auf die Rechnung zu setzen. Dabei sollte bei einer qualifizierten Türöffnung maximal der Schließzylinder in die Brüche gehen, gibt Karsten Zimmer vom Bundesverband Metall (BVM) zu bedenken. „Der Einsatz von roher Gewalt ist ganz und gar nicht fachgerecht“, sagt der Sicherheitsexperte. „Den vermeintlichen Dienstleister sollte man zurückschicken.“

Der Trick mit den Rufumleitungen

Ein weiterer Trick unseriöser Unternehmen sind Rufumleitungen. In dem Fall suggeriert die Telefonnummer der Firma, dass diese vor Ort sitzt. Doch das ist nicht der Fall. Der Anrufer wird weitergeleitet und eine hohe Anfahrtspauschale wird fällig. Es ist nirgends geregelt, wie viel ein Schlüsseldienst für das Öffnen einer Tür verlangen darf. „Maßgeblich sind in erster Linie die konkreten Umstände des Einzelfalls“, erläutert Carolin Semmler, Rechtsanwältin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Als Faustregel gilt: Kostet der Schlüsseldienst mehr als das Doppelte des Normalpreises – sprich des Preises, den andere Anbieter der Region im Schnitt verlangen – ist es Wucher. Hinzukommen muss, dass der Unternehmer eine Schwächesituation des Kunden ausnutzt.

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Lockpicker in Bochum trainieren beim Öffnen von Schlössern ihre Fingerfertigkeit.

134 Euro: Diesen Stundenlohn zahlen Kunden in Baden-Württemberg im Schnitt, wenn sie nach 22 Uhr den Schlüsseldienst rufen. Das hat eine Studie des Online-Portals Geld.de ergeben. Rund 130 Euro verlangen Anbieter im Saarland, in Berlin und in Hessen. Um die 120 Euro kostet es in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Am günstigsten sind Unternehmen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt – mit etwa 90 Euro. Von Stadt zu Stadt gibt es in den Bundesländern allerdings teils erhebliche Unterschiede.

Rechnung möglichst nicht bar und direkt vor Ort begleichen

Manch Schlüsseldienstmitarbeiter möchte zudem gleich an Ort und Stelle Bargeld sehen. Darauf sollten sich Kunden nicht einlassen. „Niemand ist verpflichtet, bar zu bezahlen“, erläutert Rechtsanwältin Semmler. „Nur, wenn beide Parteien ausdrücklich eine Barzahlung vereinbart haben, ist dies bindend“, so die Juristin. Eine EC-Kartenzahlung müssten Verbraucher ebenso nicht in Kauf nehmen.

Schlüsseldienst

Ein Schlüsseldienst öffnet einer Seniorin, die sich ausgesperrt hatte, die Tür und schickt ihr anschließend eine gepfefferte Rechnung.

Wem die Rechnung zu hoch oder ein Posten komisch vorkommt, der sollte zuerst das Unternehmen darauf ansprechen. Vielleicht lässt sich die Sache so schon klären. Wenn nicht, sollte unter Vorbehalt nur ein Teil der Rechnung beglichen werden. „Ist das Geld erst einmal weg, ist es meist schwer wieder zu bekommen“, erläutert Rechtsanwältin Semmler.

Am besten ist es freilich, wenn die missliche Situation, vor verschlossener Tür zu stehen, gar nicht erst eintritt. Wer einen Haustürschlüssel beim Nachbarn oder bei einer Vertrauensperson in der Nähe hinterlegt, hat gute Karten. Auch ist es ratsam, sich die Nummer eines preiswerten Schlüsseldienstes zu notieren. „Es ist ganz legitim ein paar Firmen anzurufen und sich nach dem Preis zu erkundigen“, so Semmler. „Wichtig ist es, sich den Endpreis inklusive Fahrtkosten nennen zu lassen.“ Getrost aussparen bei der Preisrecherche kann man Unternehmen, die viele A’s vor ihrem Namen haben, um in den gelben Seiten an erster Stelle zu stehen. „Die Mitarbeiter warten nur darauf, dass jemand in die Falle tappt und sie abkassieren können“, meint BVM-Sicherheitsexperte Zimmer.

Falls der Notfall dann doch einmal eintritt, heißt es erst einmal: Ruhe bewahren und mit dem Schlüsseldienst telefonisch einen Festpreis vereinbaren. Lässt sich der Betrieb darauf nicht ein oder erscheint der Preis zu hoch, kann man immer noch einen anderen Anbieter anrufen. Es gibt durchaus seriöse Unternehmen, zum Beispiel Metallbauer, die Fenster, Türen oder Fassaden herstellen und einbauen, und im Notfall eben auch öffnen können.

Gibt es Ärger mit dem Schlüsseldienst, helfen die Verbraucherzentralen weiter. Vieles können die Berater auch ohne den Gang vors Gericht klären.

Mandy Kunstmann



Kommentare
30.09.2012
09:15
So schützen Sie sich vor unseriösen Schlüsseldiensten
von kumpelanton | #2

Die billigste Methode ist immer noch, den Schüssel beim Nachbarn zu hinterlegen und/oder einen Schlüssel (incl. Auto-Notschlüssel) am Kettchen um den Hals zu tragen und zwar immer.

23.09.2012
22:45
Die einfachste Lösung ...
von Partik | #1

... ist, sich vor dem Schadensfall kundig zu machen.

Mit einem sorgsam ausgewählten Schlüsseldienst die Umstände für einen eventuellen Schadensfall abklären, evtl. einen Vorvertrag machen.

Wenn die Tür zu, und der Schlüssel drin/weg ist, hat man einen festen Ansprechpartner, und weiß, auf welche Kosten man sich einstellen muss, ohne auf Schlawiner reinzufallen.

Scheint aber angesichts der vielen abgezockten Ausgesperrten ein zu einfaches System zu sein ...

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