Pflegeleichte Kiesgärten kommen allein mit Regenwasser aus
09.01.2013 | 08:45 Uhr 2013-01-09T08:45:00+0100
Weihenstephan/Weinheim. Wer mit Wasser sparsam umgehen will und zudem nicht allzu viel Arbeit mit seinen Pflanzen haben möchte, für den dürfte ein Kiesgarten die sinnige Alternative sein: ökologisch sinnvoll, attraktiv und modern zugleich. Allerdings ist dieser neue Gartentyp nicht allerorten sinnvoll.
Die Natur dient als Vorbild für einen neuen Gartentyp: Kiesgärten seien vor allem in trockenen Regionen ökologisch sinnvoll und zugleich attraktiv und modern, sagt Bernd Hertle, Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. "Bei richtiger Pflanzenwahl und optimaler Bodenvorbereitung muss solch ein Garten weder gegossen noch gedüngt werden."
Entstanden sei das Konzept aus der Notwendigkeit heraus, mit Wasser sparsam umzugehen. Um einen Kiesgarten anzulegen, reiche es jedoch nicht aus, sich viele Steine in den Garten zu holen. Voraussetzung für das Gelingen sei eine optimale Bodenvorbereitung sowie die Auswahl trockenheitsverträglicher Pflanzen. Nur dann komme der Garten künftig mit trockenen und heißen Sommern und warmem Stadtklima klar.
Nicht gegen die Natur gärtnern
Wenig Sinn machten Kiesgärten hingegen in Gebieten mit viel Regen und fetten Böden. Dort sei es oft zu aufwendig, geeignete Bedingungen zu schaffen." Statt gegen die Natur zu gärtnern, sollten solche Flächen besser mit feuchtigkeitsliebenden Stauden bepflanzt werden", rät der Gartenbau-Professor. Am besten ist ein warmer Standort mit mindestens sechs Stunden Sonne am Tag. Um ihn in einen Kiesgarten zu verwandeln, muss man das Areal sorgfältig vorbereiten.
Schmetterlinge, Bienen und Hummeln fühlen sich auch in sonnigen, trockenen Kiesgärten wohl. "Durch geschickte Pflanzenauswahl wird der Garten zum Insekten-Magnet", sagt Bernd Hertle, Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Die Schmetterlings-Arten Tagpfauenauge und Admiral besuchen neben dem bekannten Schmetterlingsstrauch auch Igelkopf, Berg-Astern und Fetthennen als Nahrungsquelle. - Der Nachtfalter Taubenschwänzchen umschwärmt die Spornblume. Bienen, Hummeln und Schwebfliegen finden Nahrung an den Stauden Dost, Thymian, Lavendel, Katzen- und Bergminze. (dapd)
"Ist der Boden schwer oder verdichtet, sollte er unbedingt 40 Zentimeter tief abgetragen werden", sagt der Experte, der für seinen Ratgeber über Kiesgärten im Jahr 2011 mit dem deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnet wurde. Ist die oberste Erdschicht entfernt, muss der Unterboden möglichst tiefgründig gelockert werden. "Das ist wichtig, damit später keine Staunässe entsteht und den Pflanzen schadet", sagt Hertle. Als neues Substrat werden anschließend ungefähr fünf Teile Split mit einem Teil Kompost vermischt und auf der vorbereiteten Fläche verteilt.
Breites Sortiment an Pflanzen
Dann kann gepflanzt werden. Wer Sorge hat, künftig auf eine steinige, monoton bewachsene Fläche zu schauen, den kann Hertle beruhigen: "Es steht ein ganzes Potpourri an geeigneten Gehölzen, Stauden, Gräser sowie Zwiebel- und Knollenpflanzen zur Verfügung", sagt der Fachmann. Je nach Geschmack können Kiesgärten schlicht und elegant mit nur wenigen Arten bepflanzt werden oder aber man schafft eine Blumenwiese mit den unterschiedlichsten Farben, Formen und Texturen, die an ein impressionistisches Gemälde erinnert.
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So wie auf dem obigen Foto sehen die meisten - in den letzten Jahren vielerorts entstandenen - Kiesgärten leider nicht aus. Damit hätte ich keine Probleme.
Praktisch sind es aber fast immer unästhetische Kieshalden ohne jeden ökologischen Nutzen. Viel Kies u. ein paar armselige Krüppelgewächse, meist als pflegeleichten Vorgarten genutzt. Das sieht nicht nur armselig aus, aufgrund der Tatsache, dass dieser Blödsinn immer mehr um sich greift, sollten die Stadtverwaltungen langsam über Gartensatzungen nachdenken, die wenigstens einfache Mindeststandards festsetzen.