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Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer

20.01.2013 | 17:47 Uhr
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
Die Wohnungsbauförderung wird um 50 auf 800 Millionen Euro reduziert.Foto: dpa

Düsseldorf.   NRW will Eigenheime künftig nur noch da fördern, wo die Bevölkerungszahl steigt. In den anderen Regionen sollen bestehende Wohnquartiere attraktiver gemacht werden. „Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau“, so NRW-Bauminister Michael Groschek.

Die Landesregierung kurbelt den sozialen Mietwohnungsbau an. Obwohl knapp die Hälfte der NRW-Bürger über die Berechtigung für eine Sozialwohnung verfügt, ist die Zahl der Mietwohnungen mit Sozialbindung seit 2002 von 940.000 auf 540.000 gesunken. „Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau“, sagte NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) dieser Zeitung.

Um Investoren für den sozialen Wohnungsbau zu gewinnen, will Groschek „schweren Herzens“ die Bewilligungsmieten anheben. Im Vorjahr waren nur 550 Millionen der 850 Millionen Euro Wohnungsbaumittel abgeflossen, weil Investoren bei freier Finanzierung ohne Sozialbindung höhere Renditen erzielen konnten.

„Soziale Spaltung in Beton“

Während öffentlich geförderte Woh­nungen durchschnittlich sechs Euro pro Quadratmeter Miete erzielen, sind dies bei freifinanzierten Mietwohnungen häufig zehn Euro und mehr. Groschek warnt deshalb: „Es entwickeln sich Luxusgettos auf der einen Seite und Viertel mit armen Menschen auf der anderen Seite. Damit wird die soziale Spaltung in Beton gegossen.“ Das soziale Grundrecht auf Wohnen werde zum Spekulationsobjekt.

Hohe Neumieten
In begehrten Städten wird es eng

Wenn der Mieterbund beklagt, dass Vermieter in wirtschaftlich potenten Städten und Uni-Städten mehr Geld von Neumietern verlangen, dann ist ein Spiegelbild der Kommunen.

Im Wohnungsbauprogramm 2013 vollzieht Groschek einen radikalen Kurswechsel. Neue Eigenheime werden nur noch in Regionen mit Bevölkerungszuwachs öffentlich gefördert. Es sollen „Mitnahmeeffekte“ vermieden werden – die Bauzinsen sind historisch niedrig. Wo noch öffentlich gefördert neu gebaut wird, bietet Groschek für die ersten zehn Jahre zinslose Darlehen. Der Schwerpunkt soll auf den Bestandserwerb mit energetischer Sanierung verlagert werden.

In Regionen mit sinkender Einwohnerzahl fördert NRW künftig vor allem die Aufwertung von Wohnquartieren, die in die Jahre gekommen sind. Ziel sind qualitativ höherwertige Wohnungen in einem intakten Umfeld: mit Bus und Bahn erreichbar, altengerecht mit Pflege- und Einkaufsangeboten, energetisch saniert – und bezahlbar. Für einkommensschwache Haushalte stellt NRW wieder 330 Millionen Euro Wohngeld zur Verfügung.

Sozialer Wohnungsbau
Groschek warnt vor „Luxus-Gettoisierung“

Bezahlbarer Wohnraum ist in einigen NRW-Städten knapp. Fördermittel für Sozialwohnungen werden dennoch nicht abgerufen. Vor allem Düsseldorf spart beim sozialen Wohnungsbau. Deshalb warnt NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) vor einer „Luxus-Gettoisierung“ in einigen Großstädten.

Die Wohnungsbauförderung wird um 50 auf 800 Millionen Euro reduziert. Angesichts der Engpässe in Uni-Städten wird die Förderung zum Bau neuer Studentenwohnungen auf 120 Millionen Euro erhöht. Mit 150 Millionen Euro soll die Sanierung von Wohnungsbeständen gefördert werden, damit Sozialmieter nicht überfordert werden.

 CDU-Bauexperte Bernhard Schemmer warnte die SPD, durch Vorschläge zur Begrenzung des Mietanstiegs im Bund Investoren abzuschrecken. Die Kürzung der Eigentumsförderung trifft bei CDU und FDP auf massive Kritik.

Wilfried Goebels



Kommentare
23.01.2013
18:08
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von KeineSauRuftMichAn | #12

Der liebe Herr Groschek sollte langsam begreifen, dass der historisch niedrige Zinssatz, die beste Wohnungsbauförderung ist. Leider erschweren die bei Spekulationen, sonst risikofreudigen Banken die Kreditvergabe bei durchaus sinnvollen Investitionen immer mehr. So kommt es denn auch, dass z. Bsp. ältere Immobilien nicht modernisiert und saniert werden können weil man die Lebenserwartung von einem Haus mal so eben von 100 Jahre auf 80 Jahre reduziert hat. Nach Alterswertabschlag und Marktanpassungsfaktor reicht dann der Beleihungswert nicht mehr aus um den für die Sanierung erforderlichen Kredit zu besichern.

Hier wäre der Ansatz durch Zuschüsse die Beleihungsspitze zu kappen und sich hierfür Mietbindungen im Rahmen von Sozialmieten zu erkaufen !

23.01.2013
08:03
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von Shy_Eye | #11

Irgendwas läuft aber definitiv bei der Fördervergabe schief! Denn ein ganzer Batzen WURDE nicht abgerufen!
Kein Wunder, denn diese sogenannte Förderungen ist ein Kredit. Ich finde für öffentliche Bauten und Sozialen/Attraktiven-Wohnraum sollte man sich einen anderen Plan ausdenken!

21.01.2013
23:52
@extrablatt | #9
von vaikl2 | #10

"Unschuld"? Bei einer Planung, in der von vornherein der alte Bestand rund um die Riesenbaustelle als "zu bewältigendes Problem" mit Blick auf die klötzchenartige Seerandbebauung und die eigentlich in diesem Ausmaß nicht vom Förderzweck gedeckten gewerblichen Objekte galt? Nein, gewiss keine Unschuld bei den Phoenix-Planern, da wird sehenden Auges gentrifiziert.

Aber ansonsten bin ich ja bei Ihnen - Bestand nutzen, ideenlosen Neubau stutzen.

21.01.2013
23:20
Land NRW fördert sozialen Wohnungsbau!
von extrablatt | #9

#3: Ich zitiere Sie: "Belege" gibt es leider erst, wenn`s schon zu spät ist..."
Und bis dahin gilt nicht die Unschuldsvermutung?
Mein Plädoyer: Kein sozialer Wohnungsbau mit der Gießkanne, sondern bedarfsgerecht und zielgenau. Auch keine Neubaugebiete, sondern alten Wohnbestand sozialverträglich gestalten. Das kostet natürlich aber hilft den Menschen dort wohnen bleiben zu können, wo sie seit zig Jahren ihren Lebensmittelpunkt hatten.

21.01.2013
23:13
Land NRW fördert den sozialen Wohnungsbau!
von extrablatt | #8

Nicht vergessen, Kollege, dass die CDU die Energiewende auf ihre Fahnen geschrieben hat. Auch nicht vergessen, dass schon die Rüttgerstruppe an der Häusle-Schraube gedreht hat. Nicht vergessen, dass es vielleicht sozialer ist, den sozialen Wohnungsbau zu fördern.

Ihr Fazit müsste folgerichtig sein: Alles richtig gemacht Frau Kraft und Grüne. Weiter so!

21.01.2013
18:32
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von Torsten.B | #7

Typisch , der kleine Mann bekommt alles gekürzt.Jetzt werden LED Leuchten für die Strassenbeleuchtung bezuschusst von unseren Steuergeldern , ein absoluter Witz , es läßt sich nichts einsparen , man hat weniger Licht und die Leuchte ist bis zu 5mal so teuer , also es gibt keine Wirtschaftlichkeit , doch Vaters Staat fördert dies , über die KFW Bank- ein Witz , aber für Häuslebauer wird alles gekürzt , danke NRW , danke Frau Kraft und natürlich die Grünen , bei denen werden wir nur noch bezahlen müssen .
Armes NRW

1 Antwort
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von extrablatt | #7-1

Nicht vergessen, Kollege, dass die CDU die Energiewende auf ihre Fahnen geschrieben hat. Auch nicht vergessen, dass schon die Rüttgerstruppe an der Häusle-Schraube gedreht hat. Nicht vergessen, dass es vielleicht sozialer ist, den sozialen Wohnungsbau zu fördern.

Ihr Fazit müsste folgerichtig sein: Alles richtig gemacht Frau Kraft und Grüne. Weiter so!

21.01.2013
11:32
Die treffendere Headline: "Land NRW fördert sozialen Wohnungsbau"
von extrablatt | #6

Es dürfte unstreitig sein, dass in einigen "begehrten" NRW-Städten ein großer Bedarf an sozialem Wohnungsbau besteht. Luxusgettos wollen und benötigen nicht einmal diejenigen, die sich solche leisten könnten.

5 Antworten
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von vaikl2 | #6-1

Trotzdem gebärden sich unsere "Vorzeigeplaner" in diesen SPD-Kommunen noch wie vor 40 Jahren und entwerfen z.B. Phoenix-See inkl. Gentrifizierung von ganzen Stadtteilen.

Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von extrablatt | #6-2

#6-1:
Ist das nicht etwas sehr weit hergeholt? Gentrifizierung wird, wie auch hier, als ein "obsoletes politisches Schlagwort ohne fundierte Belege" eingesetzt.

@extrablatt | #6-2
von vaikl2 | #6-3

Wenn es nur um ein paar Edelyuppies ginge, die mit ihrer Kohle heruntergekommene Viertel neu beleben, würde ich Ihnen glatt Recht geben. Aber in meinem Beispiel geht es um strikt geplante und per Politik vorangetriebene Gentrifizierung in einem Ausmaß, den selbst Berlin so noch nicht erleben konnte.

"Belege" gibt es leider erst, wenn`s schon zu spät ist...

Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von extrablatt | #6-4

#3: Ich zitiere Sie: "Belege" gibt es leider erst, wenn`s schon zu spät ist..."
Und bis dahin gilt nicht die Unschuldsvermutung?
Mein Plädoyer: Kein sozialer Wohnungsbau mit der Gießkanne, sondern bedarfsgerecht und zielgenau. Auch keine Neubaugebiete, sondern alten Wohnbestand sozialverträglich gestalten. Das kostet natürlich aber hilft den Menschen dort wohnen bleiben zu können, wo sie seit zig Jahren ihren Lebensmittelpunkt hatten.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #6-5

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21.01.2013
10:06
@KaterVinc | #2
von vaikl2 | #5

Was nützt denn eine Häuslebau-Förderung wie in Magdeburg, wenn mehr und mehr junge Familien ohne genügend Eigenkapital die langfristige Finanzierung später nicht mehr stemmen können und leere, halbfertige Neubauten neben unsaniertem Bestand die Stadt prägen?

Und gerade dem schon zubetonierten Ruhrgebiet werden weitere Neubaugebiete keine echten Neubürger, sondern höchstens noch interne Wanderungsbewegungen bringen, die keiner Kommune wirklich nützen.

Die Zeiten, als man wirklich noch blauäugig dachte, "mein" Arbeitgeber beschäftigt mich bis zur Bahre und deshalb kann ich mir mit 28 ein schönet Häusken leisten, sind ein für alle mal vorbei.

1 Antwort
Land NRW kürzt Zuschüsse für Häuslebauer
von extrablatt | #5-1

Ich denke, sozialen Wohnungsbau zu fördern hängt zwingend von der Kommune ab, in der Bedarf besteht. Verdrängung der finanziell schwachen Mitbürger/innen in abgelegene Regionen kann nicht die Lösung sein.

21.01.2013
08:26
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

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21.01.2013
08:20
Was genau erwartet die neue, selbsternannt sozial-umweltbewusste, Regierung von NRW denn?
von Okling | #3

Dass die Investoren von sich aus auf den Neubau von Wohnungen für Geringverdiener und ALG II - Empfänger setzen?

Es ist eben sicherer, ordentliche Neubauten im hochpreisigen Segment zu bauen, als Sozialwohnungen hoch zu ziehen. Mit diesen Sozialbauten gibt es ja permanent nur Ärger.

Hohe Fluktuation unter den Mietern, und jeder bohrt die Fliesen im Bad für irgendwas neu an. Hohe Vandalismusrate, hohes Risiko von Zahlungsausfällen. Hohes Streitpotenzial wegen des hohen Grades an oft zuhause anzutreffenden Mietern. Hohe Kinderzahlen mit entsprechenden Ansprüchen.

Da ist es sicher einfacher, top ausgestattete Wohnungen zu bauen, wo dann Singles oder das Luxuspäärchen einzieht, die mit einem satten Einkommen aufwarten können, anstatt zu verlangen, der Vermieter solle sich sein Geld gefälligst vom Amt holen.

Auch die Bauvorschriften sind für alle gleich. Barrierefreiheit, Umweltauflagen usw. - das kostet in einer auch sonst hochwertigen Wohnung relativ weniger als in der Sozialhütte.

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