Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Sperrmüll

Jeder darf sich aus dem Sperrmüll bedienen? Nicht überall

Funktionen
Eben noch im Möbelkatalog - jetzt ein Fall für die Sperrmüllabfuhr.Foto: Archiv/Ute Gabriel / WAZ FotoPool

Irrtum 7: Jeder darf sich aus dem Sperrmüll bedienen

Nein, wildes Sammeln ist sogar verboten. Wer seine Studentenbude mit Möbeln vom Sperrmüll bestückt, begeht genaugenommen Diebstahl, gibt Thomas Michaelis in Hamminkeln zu bedenken. Zum einen – siehe oben – weil die Möbel bereits dem örtlichen Abfallunternehmen gehören, sobald sie auf der Straße stehen. Oder weil der Eigentümer noch immer verantwortlich ist, bis die Sperrgutabfuhr kommt. In Essen wiederum ist man großzügiger: Wenn der "private Verwertungsgedanke" den Sperrmüllsammler treibt, muss man in Essen nichts befürchten, heißt es beim Entsorgungsbetrieb.

Fakt aber ist: Sperrguthaufen sind kein ‚Niemandsland’ und auch nie ‚herrenlos’, was sogar vor Gericht enden kann.

Ein Beschäftigter eines Abfallunternehmens hätte nach dem Griff zu einem Stück Sperrmüll vor ein paar Jahren sogar fast seinen Job verloren. Der Familienvater hatte im Altpapier ein Kinderreisebett entdeckt und mitgenommen. Das Arbeitsgericht Mannheim wendete die außerordentliche fristlose Kündigung des Mannes durch seinen Arbeitgeber letztlich ab. Der Richter konstatierte zwar einen Diebstahl und damit tatsächlich einen Grund zur Kündigung. Letztlich sei das Streitobjekt aber wertlos gewesen und kein Argument für eine Kündigung.

Wer etwas mitnehmen will, sollte im Zweifel immer vor Ort fragen - sofern es sich um Mobiliar handelt, wird die Mitnahme in den Kommunen meist toleriert - wenn man nicht ein Schlachtfeld hinterlässt. Denn: Durchwühlte Sperrmüll-Haufen ziehen den Abtransport in die Länge. Und die „bandenmäßige  Sperrgutfledderei“ – in den Abfallämtern spricht man mittlerweile sogar von Sperrmüllraub – ist aus Sicht der Kommunen alles andere als ein Kavaliersdelikt - wenn es sich um Wertstoffe handelt. Mehr dazu im nächsten Abschnitt

Irrtum 8: Alte Kühlschränke, Fernseher - damit tut man Schrottsammlern was Gutes

Bitte nicht! Ausgediente Elektrogeräte müssen der Kommune überlassen werden. In  Sachen Alt-Herd, Waschmaschine, TV-Geräte und Co. riskiert man gar eine Strafe, wenn man als Schrottsammler, Klüngelskerl oder ähnlich alte Elektrogeräte einsammelt oder sie ihnen überlässt. Schrottsammler etwa brauchen einen Gewerbeschein und diverse Genehmigungen von den Behörden, vor allem mit Blick auf ein umweltgerechtes Recycling – das gilt bundesweit.

Grundlage dafür ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz, bzw. das dazu gehörende Elektrogesetz. Dort ist festgeschrieben, dass Elektrogeräte bundesweit kostenfrei abgegeben werden können. Das heißt, sie werden beim Sperrmüll abgeholt oder können in Wertstoffhöfen ohne Gebühren abgegeben werden. Den Kommunen liefern ausgediente Elektrogeräte zunehmend „wichtige Erlöse“ , sagt Silke Kersken von den Duisburger Wirtschaftsbetrieben.

"Bundesweit wandern heute rund 142.000 Tonnen Elektrokleingeräte in den Restabfall. Anstatt die Geräte zu recyceln, werfen wir sie einfach weg und verbrennen sie", beklagt der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung. Die Schrottpreise steigen und in Alt-Elektronik stecken wertvolle Rohstoffe wie Platin oder Gold, die recycelt werden können. Aber es sind auch Umweltgifte drin. Vor allem deshalb mahnt Werner Görtz, Leiter des Düsseldorfer Umweltamtes, dass man Alte E-Geräte „nicht einfach irgendwelchen Leuten in die Hand gibt“: Kühlschränke etwa „müssen fachgerecht entsorgt werden“, sagt Görtz.

Für jedes Problem eine Lösung

Städte wie Krefeld oder Viersen haben gar Kampagnen gestartet, um ihre Bürger für das Thema zu sensibilisieren. Auch die Stadt Hamminkeln plant im kommenden Jahr Aktionen, sagt Thomas Michaelis: „Oft genug wird ein E-Gerät dann unsachgemäß ausgeschlachtet und der Rest in den nächsten Graben geworfen “. Problematisch ist vor allem die illegale Entsorgung von Kühlgeräten. Fledderer konzentrierten sich dabei auf den Kompressor, der „einfach abgeknipst wird“ – Problem: „Dabei tritt die Kühlflüssigkeit aus, oftmals mit treibhausschädigenden Stoffen“ (FCKW). Für die Stadt Hamminkeln der Grund, die Sperrgutabfuhr-Termine nicht mehr öffentlich anzukündigen. „Das hat den Sperrmüllraub aber nur wenig eingedämmt“, sagt Michaelis: „Die Profis haben schnell raus, wo es was zu holen gibt“.

Kommentare
06.10.2012
07:30
Sperrmüll ist für alle da! Zehn Irrtümer zum Thema Sperrmüll
von Starhemberg | #5

Es wird Zeit das hier eindeutige Regeln in "allen" Städten gelten und auch angewendet werden.
Meine Nachbarn und ich sind es leid, an den...
Weiterlesen

1 Antwort
Sperrmüll ist für alle da! Zehn Irrtümer zum Thema Sperrmüll
von dat_Fretchen | #5-1

Doch, Umweltzonen einrichten, damit diese mit ihren Fahrzeugen dort nicht mehr fahren dürfen :-)

Fotos und Videos
Modisches Design bei Möbelstücken
Bildgalerie
Fotostrecke
Neue Trends beim Küchendesign
Bildgalerie
Fotostrecke
Wandbilder von Essen
Bildgalerie
XXL-Fotos
article
7155502
Sperrmüll ist für alle da! Zehn Irrtümer zum Thema Sperrmüll
Sperrmüll ist für alle da! Zehn Irrtümer zum Thema Sperrmüll
$description$
http://www.derwesten.de/wohnen/sperrmuell-ist-fuer-alle-da-zehn-irrtuemer-zum-thema-sperrmuell-id7155502.html
2012-10-04 07:20
Sperrmüll,,Sperrgut,Müll,Müllabfuhr,Verschenkmarkt,Second-Hand-Kaufhaus
Wohnen